Die US-Umweltschutzbehörde EPA hat umfassende Klimaschutzvorschriften für Kohle- und Erdgaskraftwerke aufgehoben und dabei neue Ausnahmen für fossil betriebene Inselanlagen ohne Netzanschluss geschaffen. Kritiker warnen vor gesundheitlichen Folgen durch extreme Wetterereignisse und vermehrte Schadstoffbelastungen.
Die US-Regierung setzt ihren Kurs der Deregulierung im Energiesektor fort. Die US-Umweltschutzbehörde EPA hob Vorgaben aus den Amtszeiten von Barack Obama und Joe Biden auf, die den Ausstoß von Treibhausgasen durch fossile Kraftwerke bis zum Jahr 2047 um eine Milliarde Tonnen senken sollten. Die Bekanntgabe erfolgte im Rahmen des G20-Energieministertreffens im texanischen Houston. Behördenleiter Lee Zeldin bezeichnete diesen Schritt als den bedeutendsten Tag der Deregulierung in der amerikanischen Geschichte
und kündigte an, weitere Umweltauflagen zu überprüfen oder zu streichen.
Ausnahmen für netzunabhängige Kraftwerke im Zuge des KI-Booms
Parallel zu den generellen Aufhebungen von Emissionsgrenzen hat die Behörde eine spürbare Gesetzeslücke im Clean Air Act genutzt. Aaron Szabo, der bei der EPA für Luft und Strahlung zuständig ist, erklärte dazu: Die Umweltschutzbehörde ist stolz, die Agenda des Präsidenten voranzutreiben
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Die Umweltschutzbehörde ist stolz, die Agenda des Präsidenten (Donald Trump) voranzutreiben.
Aaron Szabo, United States Environmental Protection Agency (EPA)
Diese rechtliche Konstellation begünstigt insbesondere den Bau privater Kraftwerke, die den enormen Strombedarf von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz decken sollen. Solche Inselkraftwerke unterliegen bundesrechtlich keinen strikten Beschränkungen beim Ausstoß von Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid mehr. Gleichzeitig sinken durch die geringere Gesamtnachfrage die Kosten für Verschmutzungsrechte am Markt, was vor allem Betreiber von Kohlekraftwerken entlastet.
Wirtschaftliche Begründung und die historische Einordnung des Clean Air Act
Die EPA begründet die weitreichenden Reformen mit erheblichen Einsparungen für die Industrie. Durch den Verzicht auf strenge Grenzwerte sollen Unternehmen Kosten von mehr als 300 Milliarden Dollar erspart und die heimische Energieproduktion angekurbelt werden. Die Behörde hatte bereits im Februar 2026 eine fundamentale Richtungsänderung vollzogen, als sie eine Einschätzung aus dem Jahr 2009 widerrief, wonach Treibhausgase eine unmittelbare Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen.

Die ursprünglichen Grenzwerte für Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid waren im Jahr 1990 im Zuge einer Novelle des Clean Air Act zur Bekämpfung des sauren Regens eingeführt worden. Das Acid Rain Program zeigte in den folgenden Phasen spürbare Erfolge; so wies eine Studie nach, dass der Schwefeldioxidgehalt in der Atemluft bis 2005 stark zurückgegangen war und in der Folge auch Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle abnahmen. Da die Definition des Gesetzes Generatoren jedoch an das Energieministeriumsformular 860 knüpfte, das primär für den Stromverkauf an die Öffentlichkeit ausgelegt ist, greifen die alten Schutzmechanismen bei reinen Direktversorgern für einzelne Kunden nicht.
Kritik von Umweltschützern und drohende juristische Schritte
Umweltschutzorganisationen und Verbände haben scharfe Kritik an der Kehrtwende geübt und rechtliche Schritte angekündigt. Maggie Coulter, Rechtsanwältin am Center for Biological Diversity’s Climate Law Institute, bewertete den Schritt als unverantwortlich. Sie warnte davor, dass das Leugnen klimaschädlicher Emissionen zu weiteren Todesopfern und erhöhtem Leid durch extreme Hitzewellen, schwere Stürme und Waldbrände führen werde.
Zudem weisen Beobachter darauf hin, dass durch die neuen Bundesregeln auch künftigen Regierungen die spätere Wiedereinführung von Emissionsgrenzen stark erschwert werden könnte. Auf Ebene der Bundesstaaten entsteht zudem ein regulatorischer Wettbewerb: Regionen, die sich um die Ansiedlung neuer Technologie- und KI-Rechenzentren bemühen, könnten versuchen, sich mit besonders niedrigen Umweltauflagen für fossile Kraftwerke gegenseitig zu unterbieten.
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