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Unternehmen

ChatGPT rollt Werbung in Europa aus

Am 24. Die werbefinanzierte Nutzung betrifft ausschließlich kostenlose Konten und den günstigsten Tarif Go, während Nutzer höherwertiger Bezahlversionen verschont bleiben.

Die Kommerzialisierung von Webdiensten folgt traditionell einem bekannten Muster. Plattformen wie Google und Facebook startten einst werbefrei, bevor Anzeigen das Fundament ihrer Geschäftsmodelle bildeten. Bei OpenAI verlief die Entwicklung langsamer: Seit dem offiziellen Start von ChatGPT im September 2022 dauerte es mehr als drei Jahre, bis die Werbevermarktung im Februar in den USA anlief. Nun erreicht dieser Schritt Europa und konfrontiert den Markt mit einer Plattform, die einerseits stark expandiert, andererseits aber enorme finanzielle Dimensionen aufweist.

Milliardeneinnahmen, hohe Verluste und ein anvisierter Börsengang

Hintergrund der europäischen Expansion ist eine ambitionierte Umsatz- und Kapitalstrategie. Das Unternehmen hinter ChatGPT rechnet für das Jahr 2026 mit Einnahmen in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar. Das entspricht exakt einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr 2025, in dem die Erlöse noch bei 20 Milliarden US-Dollar lagen. Dem stand jedoch Insidern zufolge ein Verlust in Höhe von 38,5 Milliarden US-Dollar gegenüber. OpenAI agiert folglich weiterhin defizitär, ist auf Kapital von Investor:innen angewiesen und bereitet sich auf einen baldigen Börsengang vor.

Der zeitliche Druck für neue Einnahmequellen ist groß. In den USA zeigte das Werbemodell in den ersten Wochen eine beachtliche Dynamik: Weniger als zwei Monate nach dem Start generierte der Anbieter 100 Millionen US-Dollar an jährlich wiederkehrenden Umsätzen. Daten der Analysefirma Sense Tower belegen zudem, dass im Juli bereits doppelt so viele Anzeigen ausgespielt wurden wie im April. Zu den ersten großen Werbekunden in den USA zählen Reiseplattformen wie Expedia und Booking.com sowie die Baumarktgruppe Home Depot.

Technische Entwicklung der Werbeplattform und Formate für Europa

Seit dem Start des Pilotprojekts in den US-Märkten vor sechs Monaten hat OpenAI seine Technologie kontinuierlich ausgebaut. Nach Angaben des Unternehmens begann die Plattform mit CPM-Geboten und erweiterte diese schrittweise um Cost-per-Click (CPC) sowie den conversion-optimierten Cost-per-Click (oCPC). Letzterer erlaubt es Werbetreibenden, ihre Kampagnen direkt an spezifischen Geschäftszielen auszurichten.

Darüber hinaus wurden geografische Ausrichtungsoptionen und Funktionen für benutzerdefinierte Zielgruppen implementiert. Durch Integrationen wie das OpenAI Pixel, die Conversions API und Messlösungen von Drittanbietern wurde die Berichterstattung über klickbasierte Kennzahlen hinaus erweitert, sodass Unternehmen die tatsächlichen Geschäftsauswirkungen besser nachvollziehen können.

In Europa startet das Angebot am 24. August in 31 Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Schweden, Norwegen, Dänemark, die Niederlande und Österreich. Zum Marktstart erfolgt die Schaltung primär über das OpenAI Ads Solutions-Team sowie über Partneragenturen und Technologiepartner. Ein eigenständiges Selbstbuchungstool namens Ads Manager soll laut Unternehmensangaben im Laufe desselben Quartals folgen.

Datenschutzvorgaben nach DSGVO und Werberichtlinien

Besondere Aufmerksamkeit verlangt der europäische Markt im Hinblick auf den Datenschutz. Aufgrund der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gelten strenge Maßstäbe. OpenAI betont, dass persönliche Daten der Nutzer:innen nicht an Werbekunden weitergegeben werden. Personalisierte Werbung ist in der Region zum Start nicht verfügbar; stattdessen basieren die Anzeigen auf begrenzten Parametern wie dem ungefähren Standort, dem Kontext und dem Gerätetyp.

ChatGPT Ads wird in Europa ausgeweitet
Photo: OpenAI

Die Einbindung erfolgt kontextbezogen. Wenn sich ein Dialog beispielsweise um Kaffeemaschinen dreht, erscheint direkt darunter die Anzeige eines entsprechenden Herstellers. In den offiziellen Werbeprinzipien ist festgeschrieben, dass keinerlei Anzeigen in Chatverläufen zu den Themen Gesundheit und Politik geschaltet werden. Auch bei Konten von Minderjährigen unter 18 Jahren soll Werbung unterbleiben, wobei ein verlässlicher technischer Altersschutz zum jetzigen Zeitpunkt noch fehlt. In Österreich zeigt eine Umfrage der Organisation Safer Internet, dass 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen Chatbots nutzen, wobei 90 Prozent auf ChatGPT entfallen. Ob die Plattform unter das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act) fällt und damit strengeren Jugendschutzregeln unterliegt, prüft die Europäische Kommission derzeit.

Marktstrategie und kommende Schritte

Die Werberichtlinien von OpenAI definieren klare Grenzen: Anzeigen werden grafisch deutlich gekennzeichnet und strikt von den Antworten der KI-Modelle getrennt. Das Unternehmen bekräftigt, dass bezahlte Platzierungen die inhaltlichen Antworten von ChatGPT in keiner Weise beeinflussen.

KI-Werbung erobert Europa — Wie OpenAI jetzt Geld mit ChatGPT macht, während Hitze Milliarden

Zehntausende Werbetreibende haben die Plattform bereits in der Testphase genutzt. Mit der Öffnung für 31 europäische Märkte verschärft sich nun der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit jener Nutzer, die den Chatbot zur Entscheidungsfindung bei Reisen, Software oder Anschaffungen einsetzen.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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