Die Weltwirtschaft hat den durch den Iran-Krieg ausgelösten Energieschock nach Angaben des Internationalen Währungsfonds deutlich besser überstanden als zunächst befürchtet.
Trotz der Schließung der Straße von Hormus und anhaltender geopolitischer Spannungen zeigt sich die globale Konjunktur bemerkenswert robust. Wie der Internationale Währungsfonds im Vorfeld des Treffens der G20-Finanzminister im US-Bundesstaat North Carolina mitteilte, konnte der Schock an den Energiemärkten durch gezielte Gegenmaßnahmen abgefedert werden. Das globale Wachstum trotze dem starken Gegenwind durch hohe Schulden, hartnäckige Inflation und Handelsspannungen, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Dienstag im Vorfeld des anstehenden G20-Finanzministertreffens in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina.
Entlastung durch Energiereserven und Künstliche Intelligenz
Verantwortlich für die milderen Auswirkungen der Krise waren vor allem die Freigabe von Öl- und Gasreserven sowie ein verstärkter Rückgriff auf erneuerbare Energien. Zu den weiteren Faktoren zählten eine höhere Energieproduktion außerhalb der Golfregion, eine geringere Nachfrage sowie eine teilweise Rückkehr zur Kohleverstromung, womit die Folgen der blockierten Seewege laut Angaben des Währungsfonds abgedämpft wurden.
Zugleich beschreibt der IWF ein wirtschaftliches Tauziehen zwischen den negativen Folgen der Energiekrise und dem durch Künstliche Intelligenz getriebenen Investitionsboom, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgieva im Vorfeld des G20-Finanzministertreffens im US-Bundesstaat North Carolina. Georgiewa zufolge gibt es derzeit ein Tauziehen zwischen dem negativen Angebotsschock am Golf und dem Rückenwind durch den Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI). Die KI-Investitionen in den USA stützten die Unternehmensgewinne und Konsumausgaben, zudem bauten andere Länder nun ebenfalls Rechenzentren und die Produktion von KI-Hardware aus.
Bleibende Risiken bei Ölpreisen und Staatshaushalten
Trotz der Entspannung bei der Gesamtkonjunktur mahnte die Behörde zur Vorsicht. Georgieva warnte aber vor Selbstzufriedenheit. Die Risiken für die globalen Aussichten seien zwar ausgewogener als noch im April, blieben jedoch abwärtsgerichtet.
„Der Energie-Schock ist nicht vorbei“
Kristalina Georgieva, IWF-Chefin
Die Rohölpreise bewegen sich derzeit zwischen 80 und 90 Dollar pro Barrel, nachdem sie im Frühjahr in der Spitze bei über 118 Dollar gelegen hatten. Vor Beginn des von den USA und Iran begonnenen Krieges Ende Februar lagen sie bei rund 70 Dollar. Ein erneuter Preisanstieg könnte die Inflation weiter anheizen und die Zentralbanken zwingen, die Zinsen hochzuhalten oder anzuheben. Das würde die Kosten für den Schuldendienst in die Höhe treiben und das Wirtschaftswachstum bremsen.
Haushaltslage und globale Ungleichgewichte
Die Haushaltslage einiger Staaten bereitet dem Internationalen Währungsfonds aber zunehmend Kopfzerbrechen. Dennoch äußerte sich die IWF-Chefin besorgt über die sich verschlechternde Haushaltslage in einigen Ländern, was sich an steigenden Anleiherenditen und einem ins Stocken geratenen Rückgang der Inflation zeige. Zwar nannte sie keine einzelnen Länder, jedoch waren die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit 19 Jahren gestiegen. Die IWF-Chefin forderte alle Staaten auf, glaubwürdige Pläne zur Konsolidierung ihrer Haushalten vorzulegen.

Grund für die abwärtsgerichteten Risiken seien der wachsende finanzpolitische Druck und die Möglichkeit, dass die Zentralbanken an einer straffen Geldpolitik festhalten, um die Teuerung unter Kontrolle zu bringen. Zudem müssten übermäßige globale Ungleichgewichte abgebaut werden, die zu Handelsspannungen führten, sagte Georgieva weiter. Der IWF fordert seit Langem, dass etwa China sein Wachstumsmodell stärker auf die Binnennachfrage ausrichtet, anstatt die Weltmärkte mit billigen Exportgütern zu überschwemmen. Konkret neue Konjunkturprognosen legte die IWF-Chefin nicht vor. Im Juli hatte der Währungsfonds seine Vorhersage für das weltweite Wachstum im Jahr 2026 auf 3,0 Prozent gesenkt und vor weiteren Risiken durch den Krieg im Nahen Osten gewarnt. Die nächste Aktualisierung der Prognosen wird für Mitte Oktober bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Bangkok erwartet.
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