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Welt

Nach einem siebenmonatigen Krieg im Nahen Osten warnen der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco

Nach einem siebenmonatigen Krieg im Nahen Osten warnen der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco und Energiemärkte vor einer bis zu zweijährigen Erholungsphase der weltweiten Lagerbestände. Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran und Angriffe auf kritische Pipelines haben die globale Rohölversorgung stark unter Druck gesetzt.

Amin Nasser warnt vor gefährlich niedrigen Ölreserven auf der Konferenz in London

Die globalen Ölreserven sind nach Angaben des saudi-arabischen Staatskonzerns Saudi Aramco auf ein kritisch niedriges Niveau gefallen. Der Vorstandsvorsitzende Amin Nasser erklärte auf der Konferenz des Energy Intelligence Forum in London, dass die weltweiten Lagerbestände kaum noch Puffer bieten, um weitere Lieferausfälle abzufedern (Investing). Demnach hat der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran die Rohölversorgung aus der Region um fast drei Milliarden Barrel verringert. Dies entspricht ungefähr der Hälfte des Öls und der raffinierten Produkte, die in diesem Zeitraum normalerweise über die Straße von Hormus transportiert worden wären (Qz).

Um diese massiven Angebotsengpässe auszugleichen, griffen Staaten auf ihre Vorräte zurück und entnahmen mehr als eine Milliarde Barrel aus den Lagern. Nasser betonte jedoch, dass ein Großteil der verbleibenden rund sechs Milliarden Barrel in den weltweiten Speichern praktisch nicht verfügbar ist (FAZ). Mindestmengen sind für den Betrieb der technischen Anlagen und Tanks zwingend erforderlich, weshalb weniger als zehn Prozent der ausgewiesenen Bestände tatsächlich flexibel nutzbar sind (Nau).

Nasser warnte zudem, dass die Freigabe von Notreserven zwar dabei helfe, kurzfristige Engpässe wie einen Winter zu überbrücken, jedoch keine langfristige Lösung darstelle (Qz). Die sieben größten Industriestaaten (G7) hatten zuvor beschlossen, 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Notreserven freizugeben (ORF). Der Präsident und CEO von Saudi Aramco, Amin H. Nasser, führte dazu weiter aus, dass die Welt mit etwa zehn Milliarden Barrel globalen Ölbeständen in die Krise gestartet sei. Von dieser verlorenen Versorgung wurden über eine Milliarde Barrel aus Lagern abgezogen, wobei kommerzielle Landinventare den größten Teil dieser Abzüge auffingen. Laut Nasser handelte es sich bei diesem Engpass um den gravierendsten Energieversorgungsschock seiner beruflichen Laufbahn, wobei er anmerkte, dass die Teuerungsraten bei raffinierten Kraftstoffen stärker ausfielen als bei Rohöl. Der saudi-arabische Ölkonzern betonte im Zuge dessen seine Widerstandsfähigkeit, sämtliche Anforderungen seiner Kunden zu erfüllen. Aramco habe aus jedem Angriff Lehren gezogen und könne auf zehn Angriffe gleichzeitig reagieren und Teams zur Behebung der Schäden entsenden.

Nach einem siebenmonatigen Krieg im Nahen Osten warnen der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco
Foto: FAZ

Zwei Jahre für die Wiederbefüllung und die wirtschaftlichen Folgen

Selbst wenn die wichtigen Handelsrouten und die Straße von Hormus umgehend wieder vollständig geöffnet würden, könnte das Auffüllen der erschöpfften Bestände bei gleichzeitiger Deckung der laufenden Nachfrage bis zu zwei Jahre dauern (Qz). Allein das Wiederauffüllen der abgezogenen Bestände erfordert nach Berechnungen in den kommenden 18 Monaten eine zusätzliche Nachfrage von zwei Millionen Barrel pro Tag (FAZ).

Die anhaltenden Störungen belasten die Weltwirtschaft spürbar. Der Internationale Währungsfonds hat ein schweres Szenario modelliert, in dem das globale Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr auf zwei Prozent sinkt, während die Inflation über sechs Prozent klettert (Qz). An den Rohstoffmärkten notierte die Nordseesorte Brent bei rund 102 Dollar je Barrel (FAZ). Die Brent-Rohöl-Futures für die Dezember-Lieferung stiegen um 0,7 Prozent auf 102,92 USD pro Barrel, während die WTI-Kontrakte mit November-Ablauf um 0,4 Prozent auf 90,76 USD fielen. Demgegenüber ist das Königreich Saudi-Arabien imstande, seine maximale Förderkapazität von zwölf Millionen Barrel pro Tag binnen weniger Tage bereitzustellen. Ohne die Ost-West-Pipeline wäre der Preis für die Nordseesorte Brent nach Angaben des Managements auf 200 Dollar je Barrel gestiegen. Der zweijährige Auffüllungszeitraum stellt zudem eine Eskalation von Nassers Position dar, die er vor drei Monaten eingenommen hatte; im zweiten Quartalsergebnis erklärte er noch, dass der Wiederaufbau erschöpfter Vorräte bis zu 18 Monate dauern würde.

„Bis Hormus vollständig wieder geöffnet ist und das Vertrauen zurückkehrt, ist die brutale Realität, dass der Druck an beiden Enden des Fasses zunehmen wird. Selbst dann könnte das Auffüllen der Bestände bei gleichzeitiger Deckung der Nachfrage bis zu zwei Jahre dauern.“

Amin Nasser, CEO von Saudi Aramco, via Qz

Wiederinbetriebnahme der saudi-arabischen Ost-West-Pipeline und neue Exportwege

Um die iranische Blockade der Straße von Hormus zu umgehen, setzt Saudi-Arabien verstärkt auf den Transport durch die rund 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline (ORF). Saudi-Arabien hatte den Betrieb der Ost-West-Pipeline am 11. September nach Drohnenangriffen eingestellt und irakische Milizen dafür verantwortlich gemacht.

Nach einem siebenmonatigen Krieg im Nahen Osten warnen der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco
Foto: n-tv.de

Daten von Schiffsverfolgungsdiensten und Händlern zeigen, dass die Verladungen in Yanbu und am südlich gelegenen Terminal Al Muajjiz nach Reparaturarbeiten angelaufen sind (Berliner Zeitung). Im Vorfeld hatte Saudi Aramco die Pipeline bereits in der vergangenen Woche einer Erprobung unterzogen und den Leitungsdruck allmählich hochgefahren. Die gesamte Kapazität der Leitung liegt bei etwa sieben Millionen Barrel täglich, wobei rund zwei Millionen Barrel der täglichen Pipelinekapazität normalerweise der Versorgung von Raffinerien an Saudi-Arabiens Westküste dienen und etwa fünf Millionen Barrel grundsätzlich für Rohöl-Exporte zur Verfügung stehen.

Zusätzlich zu dieser Route arbeitet Saudi Aramco nach Angaben des Managements bereits an einer vierten und fünften Exportroute, um die Versorgungssicherheit angesichts anhaltender Angriffe durch die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen langfristig abzusichern (ORF).

Die Huthis hatten nach eigenen Angaben Raketen- und Drohnenangriffe auf Anlagen von Aramco in Riad und Churais geflogen. Im Verlauf der letzten Wochen attackierte der Iran Frachtschiffe im Durchgang der Straße von Hormus, während alliierte Gruppierungen im Jemen und im Irak Raffinerien, Pipelines sowie Hafenanlagen des Ölkonzerns Aramco ins Visier nahmen.

Nach einem siebenmonatigen Krieg im Nahen Osten warnen der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco
Foto: Investing

Die Lieferungen aus den Golfstaaten stiegen laut dem Datenanbieter Kpler im letzten Monat auf 15,5 Millionen Barrel pro Tag. Das Schiffsverfolgungsunternehmen TankerTrackers.com identifizierte zudem Verladungen raffinierter Ölprodukte und insgesamt 40 Tanker in der Region um Yanbu und Al Muajjiz.

Die Wiederinbetriebnahme der Pipeline verschafft Saudi-Arabien mehr Flexibilität, Öl über verschiedene Routen zu seinen Kunden zu bringen. Für Abnehmer kommt das zu einem wichtigen Zeitpunkt, nachdem einige europäische Raffinerien zuvor die Mitteilung erhalten hatten, dass ihnen im kommenden Monat im Rahmen bestehender langfristiger Verträge kein Öl zugeteilt werde.

Zur Wahrung eines ungehinderten Handels mit Energie und Gütern appellierte Nasser an die internationale Staatengemeinschaft, Einigkeit zu demonstrieren, und forderte gleichzeitig ein Ende der wiederkehrenden Unterfinanzierung im Bereich der Erdöl- und Erdgasinfrastruktur.

Aramco-CEO Amin Nasser warnt vor weltweitem Wiederaufbau der Ölvorräte
Foto: de.qz.com

Ein Insider aus einer asiatischen Raffinerie bestätigte, dass der staatliche Ölriese Saudi Aramco seine Kunden über den Ladeplan für Oktober aus Janbu informiert habe. Die Verladungen begannen am Sonntag, nachdem die beschädigte Pipeline teilweise repariert und getestet worden war.

Die Analysefirma Kpler wies darauf hin, dass der Betrieb der rund 1.200 Kilometer langen Leitung nach einem Angriff vor gut drei Wochen für elf Tage unterbrochen worden war. Saudi-Arabien nutzte die East-West-Pipeline bereits während des Kriegs mit Iran, um Öl unter Umgehung der Straße von Hormus exportieren zu können.

Die globale Energielage bleibe folglich angespannt, während das Königreich die Ölexporte am Roten Meer systematisch hochfährt und neue Transportwege aufbaut, um die logistischen Herausforderungen im Nahen Osten zu bewältigen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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