Ein internationales Konsortium rund um den Automatisierungscluster AT Styria bewirbt sich um eine EU-Förderung von rund 18 Millionen Euro, um die Steiermark zu einer europäischen Testregion für humanoide Roboter zu machen.
Die steirische Industrie drängt an die technologische Front. Ein Bündnis aus Betrieben, Forschungseinrichtungen und Technologieanbietern treibt Pläne voran, um die Region als Testregion für humanoide Roboter zu etablieren. An der Spitze der Initiative steht die in der Wirtschaftskammer Steiermark angesiedelte Branchenplattform AT Styria, die ihre Kräfte seit einem Jahrzehnt bündelt.
Hinter dem Vorhaben steht ein industrieller Umbruch. Zweibeinige, menschenähnliche Maschinen mit künstlicher Intelligenz verlassen zunehmend die Labore der Grundlagenforschung, um in Fabriken anzulücken. Herbert Ritter, der Vorsitzende des AT Styria, betonte in einem Pressegespräch im Oktober 2026 die Dringlichkeit des Schritts.
Drei industrielle Pilotprojekte für die Fertigung
Der Übergang vom Vorzeigeproteotypen zum verlässlichen Arbeitskollegen verlangt harte Praxistests. Das Konsortium plant deshalb drei konkrete Pilotprojekte unter realen Fabrikbedingungen, um Maschinen zu erproben und Abläufe zu analysieren.

- Im ersten Projekt bedienen humanoide Roboter Maschinen in der Fertigung, wechseln Werkstücke und übernehmen körperlich belastende Tätigkeiten an mehreren Arbeitsplätzen innerhalb der Produktion.
- Ein zweites Pilotvorhaben setzt auf autonome mobile Roboter, die Material eigenständig zwischen Lager, Fertigung und Montage befördern und sich flexibel an geänderte Routen anpassen.
- Ein drittes Projekt überträgt KI-gestützte Systeme auf Aufgaben der Qualitätskontrolle, der Inspektion und der Instandhaltung.
Heinz Mayer, Geschäftsführer des Konsortialpartners Joanneum Research, verwies auf das messbare Resultat der Anstrengungen. Am Ende steht eine klare wirtschaftliche und technische Bilanz
, erklärte Mayer. Die geplante Testregion soll vor allem kleinen und mittleren Betrieben den Zugang zu Technologien ermöglichen, die Fertigungsprozesse absichern und Materialströme lenken.
Das transnationale Konsortium und die Finanzierung
Das Bündnis stützt sich auf ein breites Fundament aus Forschung und Wirtschaft. Aus Slowenien bringt sich das Netzwerk SRIP Factories of the Futures ein, während in Italien Forschungsreinrichtungen und Unternehmen aus Friaul-Julisch-Venetien mitwirken.
Die Finanzierung hängt von einem europäischen Forschungsprogramm ab. Das EU-Forschungsprogramm Horizon Europe stellt für das europaweite Projekt rund 18 Millionen Euro in Aussicht.

Die EU wird den ‚Call‘ Ende November auflegen.
Helmut Röck, Geschäftsführer von AT Styria
Kritische Stimmen begleiten die Planungen jedoch. Ulrike Haslauer, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Mess-, Automatisierungs- und Robotertechnik, bezeichnete die in Aussicht gestellte Summe als knapp bemessen. In der aktuellen Phase zähle zwar jeder Cent, und 18 Millionen Euro seien für ein EU-Projekt nicht üppig, doch man nehme an, was geboten werde.
Sicherheit, Arbeitsplätze und Zeitplan
Der Automatisierungscluster verzeichnet derzeit über 44.000 Beschäftigte in der Steiermark; bis zum Jahr 2030 könnten nach Einschätzung des Verbands bis zu 10.000 weitere Arbeitsplätze entstehen.
Das Projekt hilft uns Dinge zu tun, die wir sowieso tun müssen
, sagte Thomas Edlinger, Geschäftsführer von DCCS in Graz, im Oktober 2026.
Parallel dazu rückt die technische Absicherung in den Vordergrund. Markus Seme vom Grazer Partner BrightFlare betonte die Bedeutung von Schutzkonzepten für den industriellen Alltag. Wir bringen langjährige Erfahrung in der Absicherung industrieller Anlagen und Know-how im Bereich KI-Sicherheit ein
, erklärte Seme mit Blick auf die geplante Testregion.
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