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Marokkanische Journalisten und Menschenrechtsverteidiger haben jahrelange staatliche Überwachung mit israelischer Pegasus-Spionagesoftware enthüllt, wie ein umfassender Amnesty-International-Bericht dokumentiert, während die Behörden die Vorwürfe wie in früheren Jahren zurückweisen.
Omar Radi und die Enthüllungen im Amnesty-Bericht
Das Forensik-Labor von Amnesty International informierte den marokkanischen Journalisten und Menschenrechtsverteidiger Omar Radi im Juni 2020 darüber, dass sein Smartphone ins Visier der Überwachungssoftware Pegasus geraten war. Die Software wurde von dem israelischen Unternehmen NSO Group entwickelt. In den Jahren zwischen 2018 und 2020 bemerkte Radi laut eigener Schilderung eine rasche Entleerung des Akkus, eine starke Erhitzung des Apparats und eine Verlangsamung der Internetverbindung.
Der Amnesty-Bericht hat viele Punkte verbunden bezüglich dessen, was ich erlebte und fühlte, während ich unter strenger Überwachung stand.
Das Zusammenspiel von digitaler Spionage und physischer Bespitzelung
Der Bericht stützt sich unter anderem auf Aussagen eines Whistleblowers unter dem Pseudonym Safir, der als ehemaliger Mitarbeiter des marokkanischen Generaldirektorats für Territorialüberwachung (DGST) geführt wird. Die Angaben von Safir seien laut Darstellung von Amnesty International durch unabhängige Berichte, technisches Beweismaterial sowie Gespräche mit zehn Betroffenen verifiziert worden. Laut den Recherchen setzte die DGST ein umfassendes System ein, das digitale und analoge Überwachungstechniken verknüpfte, wobei Außendienstmitarbeiter feststellten, welche Cafés eine Zielperson aufsuchte, um dem DGST den Zugriff auf bereits infizierte Maschinen zu ermöglichen.
Bereits im September 2017 war das Mobiltelefon des Juristen Abdessadak El Bouchattaoui in das System eingepflegt und für Angriffe bestimmt worden, während die Abläufe dem Bericht zufolge im Oktober desselben Jahres voll funktionsfähig waren. Im Zeitraum zwischen September und Dezember 2017 wurden 103 marokkanische Telefonanschlüsse als potenzielle Angriffsziele erfasst, worunter sich 34 Menschenrechtsaktivisten sowie 22 Medienvertreter befanden.
Reaktionen marokkanischer Behörden und Medien
Dass Pegasus zur Schikane von Oppositionellen eingesetzt worden sei, wurde von der marokkanischen Regierung in der Vergangenheit stets bestritten. In Stellungnahmen aus den Jahren 2020 und 2022 forderten die Behörden von Amnesty International konkrete materielle Beweise, während Amnesty erklärte, vier Wochen vor der Veröffentlichung des jüngsten Berichts an die Behörden geschrieben und diese zu einer Stellungnahme eingeladen zu haben, jedoch keine Antwort erhalten zu haben. Auch auf aktuelle Anfragen vor der Veröffentlichung des jüngsten Berichts reagierten offizielle Stellen nach Angaben von Berichten über die Überwachungsvorwürfe zunächst nicht.
Kritik kam zudem von marokkanischen Medien.
Die Situation weiterer Kritiker und wirtschaftlicher Druck
Außer Radi widmet sich das Dokument den Schicksalen von drei weiteren prominenten Oppositionellen: dem Aktivisten Fouad Abdelmoumni, der 2021 in seinem Zuhause heimlich gefilmt worden war, dem Menschenrechtsanwalt Abdessadak El Bouchattaoui sowie dem im Exil lebenden Journalisten Hicham Mansouri, der im Jahr 2015 wegen angeblicher Vorwürfe im Zusammenhang mit Ehebruch und sexueller Ausbeutung inhaftiert worden war — Anschuldigungen, die Amnesty als konstruiert einstuft. Auch Taoufik Bouachrine, einer der Journalisten des Landes, berichtete von systematischen Druckmitteln.
Bouachrine war 2018 auf der Grundlage von Anschuldigungen im Zusammenhang mit sexuellem Fehlverhalten festgenommen und zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, wobei er die Vorwürfe bestritt und erklärte, seine Strafverfolgung sei mit seinem Journalismus verknüpft gewesen. Nach mehr als sechs Jahren Haft wurde er im Rahmen einer königlichen Begnadigung freigelassen. Seine Zeitung Akhbar Al-Youm war zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen, nachdem die Werbeeinnahmen weggebrochen waren. Dies ist eine weitere Methode, um den investigativen Journalismus zu zerstören, indem man den Werbehahn zudreht und eine Zeitung langsam sterben lässt
, erklärte Bouachrine zu den wirtschaftlichen Druckmitteln.
Von vergleichbaren Praktiken berichtete der Aktivist Abdelmoumni, der im Jahr 2021 in seinem Heim heimlich aufgenommen worden war, was seiner Vermutung nach mithilfe einer versteckten Vorrichtung in einer Klimaanlage geschah.