Analysten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnen vor einer weltweiten Kreditblase im Sektor der Künstlichen Intelligenz. Historische Vergleiche zeigen, dass spekulative Booms nach vier bis fünf Jahren zu kollabieren pflegen, womit das Jahr 2027 als kritischer Wendepunkt für die stark schuldenfinanzierte Infrastruktur gilt.
Die Euphorie um Künstliche Intelligenz treibt die globalen Finanzmärkte zu enormen Investitionen an, doch im Hintergrund wachsen die Risiken massiv. Wie ein aktueller Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigt, erinnert die dynamische Entwicklung an vergangene Technologie- und Infrastrukturblasen der letzten zweihundert Jahre vom Kanalboom der 1790er-Jahre bis zur Dotcom-Krise.
Historische Muster und die Parallelen zur KI-Infrastruktur
Die Zeitspanne zwischen dem Entstehen einer spekulativen Blase und ihrem Platzen beträgt im historischen Mittel stets vier bis fünf Jahre. Wenn der aktuelle KI-Boom auf das Jahr 2023 datiert wird, rückt das Jahr 2027 als kritischer Prüfstein in den Fokus. Zwar steht außer Frage, dass KI als technologische Innovation langfristig bestehen bleibt, doch stellt sich die fundamentale Frage der wirtschaftlichen Rechtfertigung hinter den gigantischen Bewertungen von Unternehmen.
Gigantische Summen fließen in den Aufbau von Rechenzentren und Recheninfrastruktur. Ein beträchtlicher Teil dieser Vorhaben ist über Fremdkapital und Schulden finanziert. Schätzungen zufolge sind bereits etwa 1,5 Billionen US-Dollar in die KI-Infrastruktur geflossen oder dafür vorgesehen. Gleichzeitig warnen Marktbeobachter, dass die vier gefährlichsten Worte im Anlagegeschäft nach wie vor gelten: This time it’s different.
Globale Verschuldung und die Rolle der Notenbanken
Die Dynamik im Technologiesektor ist eng mit der geldpolitischen Vergangenheit verknüpft. Durch massive Liquiditätsspritzen während der Finanzkrise 2008 und der Corona-Pandemie haben die Notenbanken die Konjunktur zwar gestützt, aber gleichzeitig eine beispiellose globale Schuldenblase geschaffen aufgehäuft auf rund 300 Billionen US-Dollar an weltweiter Gesamtverschuldung.
Würden die Zentralbanken den Zinsmärkten ihre vollständige marktwirtschaftliche Freiheit zurückgeben, drohte eine drastische Erhöhung der Zinsen. Die künstliche Tragfähigkeit vieler staatlicher und privater Schuldner würde sofort zusammenbrechen. Der US-Aktienmarkt bewegt sich derzeit auf dem 26-fachen seiner durchschnittlichen Gewinne, während High-Tech-Titel im Nasdaq Composite ein Gesamt-KGV von etwa 30 aufweisen während der DAX bei etwa 16 notiert.
Mögliche Markttests und bevorstehende Finanzereignisse
Ein wesentlicher Lackmustest für die anhaltende Euphorie steht kurz bevor. Geplante Schritte am Kapitalmarkt, wie ein für Oktober anvisierter Börsengang von Anthropic, könnten zeigen, wie tragfähig die astronomischen Bewertungen von KI-Vorreitern tatsächlich sind. Hinzu kommen transaktionsübergreifende Investitionsinitiativen im Umfang von 500 Milliarden US-Dollar, die gemeinsam mit großen Asset-Managern und Finanzinvestoren wie BlackRock, KKR und Goldman Sachs auf den Weg gebracht wurden.

Ob die erwarteten Cashflows und Renditen diese gigantischen Kapitalaufwendungen rechtfertigen, bleibt die entscheidende Frage für die kommenden Quartale. Sobald das billige Geld im Zuge des anhaltenden Inflationsdrucks knapper wird, dürfte sich der Überdruck an den Aktienmärkten entladen.
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