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Welt

Wall Street Sinkt Wegen Steigender Ölpreise Und Geopolitischer Spannungen

Am Donnerstag geriet die Wall Street unter starken Abwärtsdruck, nachdem der Preis für Rohöl der Sorte Brent massiv anstieg und sich der Marke von 100 US-Dollar je Barrel näherte. Der Iran-Krieg und die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus schüren neue Inflationsängste und lassen die Renditen von US-Staatsanleihen steigen.

Die US-Märkte starteten mit deutlichen Verlusten in den Handelstag. Der Dow-Jones-Index verlor kurz nach der Startglocke 1,2 Prozent auf 46.860 Punkte, während der S&P 500 und der Nasdaq Composite jeweils um 0,9 Prozent nachgaben. Marktbeobachter ordnen die aktuelle Verfassung jedoch als geordneter ein als den panischen Handel zu Wochenbeginn. Norbert Rucker, Leiter für Volkswirtschaft und Next Generation Research bei Julius Bär, betonte, dass die Preise vor allem die Unsicherheit und eine hohe Risikoprämie widerspiegeln.

Energiepreise und Geopolitik belasten den Dow Jones

Haupttreiber des jüngsten Kursrutsches sind die kräftig zulegenden Notierungen am Energiemarkt. Rohöl der Sorte Brent kletterte um 8,7 Prozent auf 99,96 US-Dollar je Barrel. Diese Entwicklung erfolgt trotz der Entscheidung der Internationalen Energieagentur (IEA), eine Rekordmenge von 400 Millionen Barrel aus den Notreserven freizugeben, um die Preise zu senken. Zugleich gilt die strategisch wichtige Straße von Hormus bereits seit mehreren Tagen als unpassierbar, und der Iran hat inzwischen offenbar auch damit begonnen, sie zu verminen; zudem droht Teheran nun auch mit einer Sperre der Passage durch das Rote Meer mit Unterstützung der Huthi-Miliz im Jemen und anderer Widerstandsgruppen.

Die anhaltenden geopolitischen Spannungen dämpfen die Risikofreude der Investoren massiv. Die zähen diplomatischen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sorgen für ein hohes Informationsrauschen und anhaltende Volatilität. Das permanente Risiko von Transportunterbrechungen schürt neue Inflationsängste, was den geldpolitischen Spielraum der Federal Reserve für baldige Zinssenkungen stark einschränkt.

Anleiherenditen im Aufwind und Zinsängste an der Wall Street

Die steigenden Energiepreise und die hartnäckige Inflation schlagen unmittelbar auf den Rentenmarkt durch. Für zehnjährige Papiere stieg die Rendite um 4,0 Basispunkte auf 4,25 Prozent. Bei zweijährigen Papieren stieg die Rendite um 0,04 auf 3,68 Prozent (Tageshoch 3,69, Tagestief 3,64), während fünfjährige Papiere um 0,05 auf 3,83 Prozent (Tageshoch 3,83, Tagestief 3,78) und zehnjährige Papiere um 0,04 auf 4,25 Prozent (Tageshoch 4,25, Tagestief 4,21) kletterten. Der sogenannte sichere Hafen des US-Dollars legte ebenfalls zu – der Dollar-Index gewann 0,3 Prozent –, während der Goldpreis leicht durch den festeren Dollar und weiter steigende Marktzinsen belastet wurde; die Feinunze verlor 0,2 Prozent auf 5.166 Dollar. Die vor der Startglocke veröffentlichten US-Konjunkturdaten setzten erneut keine Impulse; bereits am Vortag hatten die im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen Verbraucherpreise für Februar kaum Beachtung am Markt gefunden. Die Zahl der Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung in der Woche zum 7. März hatte leicht abgenommen, bei den Baubeginnen für Januar wurde ein Plus von 7,2 Prozent ausgewiesen (während Ökonomen hier einen Rückgang um 3,8 Prozent erwartet hatten), die Baugenehmigungen fielen deutlicher als prognostiziert aus, und das Defizit in der Handelsbilanz der USA ist im Januar gesunken.

Kostenexplosion im Technologiesektor drückt auf den Nasdaq 100

Nicht nur die Geopolitik, sondern auch die enormen Infrastrukturkosten im Bereich der Künstlichen Intelligenz setzen den Nasdaq 100 und den S&P 500 unter Druck. Im Fokus steht hierbei die Google-Mutter Alphabet, die eine gigantische zusätzliche Kapitalerhöhung in Höhe von 80 Milliarden US-Dollar plant, um den Ausbau ihrer Rechenzentren und Serverstrukturen zu finanzieren. Diese schiere Dimension signalisiert dem Markt, dass die KI-Revolution Unmengen an Cash verschlingt, was im Nasdaq 100 zunehmend kritische Fragen bezüglich des Tempos der tatsächlichen Monetarisierung und der zukünftigen Kapitalrendite (ROI) aufwirft.

Wall Street Sinkt Wegen Steigender Ölpreise Und Geopolitischer Spannungen
Photo: finanznachrichten.de
Tech-Abverkauf belastet Wall Street angesichts steigender Anleiherenditen

Einzelne Technologie- und Halbleiterwerte verzeichneten unterdessen gegenläufige Bewegungen. Während Nvidia sich um 0,7 Prozent reduzierte, nachdem einer der Hauptkunden des Chipherstellers, Meta Platforms (dessen Aktie 0,9 Prozent verlor), vier neue Generationen seiner maßgeschneiderten Chips für künstliche Intelligenz (KI) angekündigt hatte, konnten andere Unternehmen glänzen. So kletterte die Aktie von Broadcom (AVGO.US) um rund 6 Prozent, nachdem der Konzern sein neues „Edge AI“-Portfolio und Wi-Fi 8-Chipsätze präsentierte, und Adobe stieg um 0,4 Prozent (wobei das Softwareunternehmen nach der Schlussglocke die Ergebnisse für das erste Geschäftsquartal vorlegen wird), während UiPath um 9,3 Prozent einbußte, nachdem das Automatisierungssoftware-Unternehmen für das vierte Geschäftsquartal Zuwächse bei Umsatz und Gewinn gemeldet, aber für das Gesamtjahr eine Verlangsamung des Umsatzwachstums in Aussicht gestellt hatte.

Wall Street gibt nach: Tech-Quartalszahlen schüren Sorgen wegen KI-Ausgaben
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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