Der FC Thun hat im Nachtragsspiel der 4. Super-League-Runde eine spektakuläre Aufholjagd gegen Servette am Mittwochabend nicht belohnen können und zuhause mit 2:4 verloren, nachdem ein vermeintlicher Führungstreffer nach Ansicht des Videobeweises aberkannt wurde.
Die Partie im VISANA STADION bot am Mittwochabend um 19 Uhr alles, was ein packendes Fussballduell ausmacht, endete für die Berner Oberländer jedoch in einer bitteren Niederlage. Ursprünglich war die Begegnung Ende August aufgrund der entscheidenden UEFA-Qualifikationsphase verschoben worden, wie der FC Thun im Vorfeld mitteilte. Tickets für das Duell behielten ihre Gültigkeit. Für den FC Thun ging es gegen einen direkten Tabellennachbarn; beide Teams waren nach sieben Spielen mit jeweils sieben Punkten punktgleich in die Saison gestartet. Während die Thuner am vergangenen Wochenende vor heimischem Publikum gegen den Grasshopper Club Zürich eine 0:1-Niederlage hinnehmen mussten, konnte Servette zuvor auswärts in Lausanne einen 1:0-Sieg feiern. Die jüngere Bilanz sprach eigentlich klar für den FC Thun, der in der vergangenen Saison alle drei Duelle gegen Servette für sich entschieden hatte. Zudem musste der FC Thun auf ein Erfolgserlebnis vor heimischem Publikum warten, da die Thuner in den vergangenen drei Super-League-Heimspielen jeweils ohne Torerfolg geblieben waren. Personell musste der FC Thun auf Marco Bürki verzichten, der nach seiner Sperre für vier Spiele nicht spielberechtigt war, während Gian-Luca Privitelli ansonsten sämtliche Spieler ausser Genis Montolio zur Verfügung standen.
Frühe Gegentore und eine starke Aufholjagd des Schweizer Meisters
Der Start verlief für die Hausherren äusserst unbefriedigend. Die neuformierte Innenverteidigung mit Jan Bamert und Nicolas Bürgy sah schon nach 4 Minuten schlecht aus, als Kingstone Mutandwa das Durcheinander zum frühen Führungstreffer für die Genfer nutzte. Bei den Genfern zeichnete sich zuvor ab, dass die fünf bisher erzielten Servette-Tore in dieser Saison allesamt auf das Konto verschiedener Spieler gingen und die Gefahr damit auf mehrere Schultern verteilt war. Nach einer halben Stunde war es dann Mathis Lambourde, der nach einem Konter auf 2:0 erhöhte.
Doch Thun gab sich vor heimischem Publikum nicht auf. Fabio Saiz traf in der 38. Minute mit einem abgelenkten Schuss zum 1:2 und brachte die Hoffnung noch vor der Pause zurück. Nach dem Seitenwechsel zeigte sich der Meister dann klar verbessert. Wieder war es Saiz, der traf; auch sein Abschluss in der 54. Minute landete nach einem Servette-Ablenker im Tor zum 2:2-Ausgleich. Die Berner Oberländer holten damit einen 0:2-Rückstand auf, verloren am Ende aber dennoch.
Der Videobeweis und die Entscheidung durch David Fofana
Die Schlussphase bot dramatische Szenen. In der 65. Minute jubelte Servette plötzlich über das 3:2 beim FC Thun, doch zuvor hatte es auf der Gegenseite Aufregung gegeben. Téo Allix hatte aus der Distanz abgezogen und den Ball flach via Innenpfosten versenkt. Der erneute Rückstand war für die Berner Oberländer aus verschiedenen Gründen bitter: Erstens, weil sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich das bessere Team waren; zweitens, weil der Schuss durch mehrere Beine hinweg den Weg ins Tor fand; und vor allem drittens, weil Thun wenige Momente zuvor selbst über das vermeintliche 3:2 gejubelt hatte. Nicolas Bürgy hatte nach einem verlängerten Eckball im Stile eines Stürmers eiskalt getroffen, und gross war die Freude beim Schweizer Meister gewesen, aus einem 0:2 ein 3:2 gemacht zu haben. Doch dann wurde Schiedsrichter Johannes von Mandach vom VAR Urs Schnyder an den Bildschirm gebeten, da Jan Bamert beim Corner seinen Gegenspieler klar gefoult hatte, weshalb das Thuner Tor zurecht nicht zählte. Nur wenige Minuten später stand es dann eben nicht 3:2, sondern 2:3.
Bei diesem Resultat blieb es bis kurz vor Schluss. Dann machte der eingewechselte David Fofana nach starker Vorarbeit des Startelf-Debütanten Jarell Simo alles klar, als er in der 86. Minute den 4:2-Endstand besiegelte.
Herausforderungen für Thun und Servette am kommenden Wochenende
Beide Teams müssen am Wochenende auswärts ran, um in der Super League gefordert zu werden. Servette gastiert am Samstag in Bern bei YB, während der FC Thun am Sonntag in Liechtenstein bei Vaduz antreten muss.