Die Schweiz zieht 2025 nach einer unveröffentlichten Hochrechnung von New World Wealth nur noch rund 1.800 Millionäre an, was einem Rückgang von 40 Prozent gegenüber den 3.000 Zuzügen des Vorjahres entspricht. Experten machen wachsende internationale Konkurrenz, insbesondere durch Italien, für diese Entwicklung verantwortlich.
Der Zustrom wohlhabender Privatpersonen in die Schweiz schwächt sich nach aktuellen Daten deutlich ab. Wie eine unveröffentlichte Hochrechnung von New World Wealth zeigt, die dem Medium «Schweiz heute» vorliegt, rechnet das Analysehaus für das laufende Jahr noch mit rund 1.800 vermögenden Zuzügen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 3.000 Millionären, was einem Einbruch von 40 Prozent entspricht. Die Schweiz bleibt zwar ein Anziehungspunkt für Reiche aus aller Welt, verliert jedoch im internationalen Vergleich an Dynamik.
Italien und andere Niedrigsteuerstandorte als neue Konkurrenz
Ein wesentlicher Grund für den Rückgang liegt laut Experten direkt hinter der südlichen Landesgrenze. Italien bietet ausländischen Vermögenden eine attraktive Pauschalbesteuerung ihrer Einkünfte aus dem Ausland an. Laut Andrew Amoils, dem Forschungschef von New World Wealth, entscheiden sich insbesondere vermögende Personen aus Grossbritannien und Frankreich mittlerweile vermehrt für Alternativen wie Italien, Monaco oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Amoils betonte gegenüber «Schweiz heute», dass die Schweiz aus steuerlicher Sicht nicht mehr so attraktiv wie früher sei, auch wenn das Land keineswegs plötzlich unattraktiv geworden sei.
Die steuerlichen Rahmenbedingungen in der Eidgenossenschaft blieben zuletzt zwar stabil – so wurden die Steuern nicht erhöht, und im November scheiterte zudem die Juso-Initiative für eine Erbschaftssteuer –, doch haben andere Staaten ihre Bedingungen für Vermögende gezielt verbessert. Bereits im Jahr 2025 zählte Italien neben den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu den weltweit beliebtesten Zielen für Millionäre.
Belastung durch die Vermögenssteuer und regionale Unterschiede
Auch das Beratungsunternehmen PwC Schweiz nimmt Italien zunehmend als starke Konkurrenz wahr. Insbesondere für Unternehmer kann die hiesige Vermögenssteuer ins Gewicht fallen. Teilweise sind Betroffene gezwungen, Dividenden aus ihren eigenen Unternehmen zu beziehen, um die steuerlichen Lasten begleichen zu können. Laut PwC prüfen deshalb vermehrt Unternehmer ernsthaft einen Umzug nach Italien.
Innerhalb der Schweiz zeigen sich indes deutliche regionale Unterschiede bei der Beliebtheit. Während der Gesamtzustrom sinkt, bleiben die Kantone Zug, Schwyz, Luzern, Nidwalden und Obwalden bei reichen Zuzügern weiterhin besonders gefragt.
Sicherheitsfragen rücken in den Fokus
Neben steuerlichen Faktoren spielt traditionell auch die Sicherheit eine Rolle bei der Wohnortwahl von Wohlhabenden. Zuletzt kam es in der Genferseeregion jedoch zu mehreren Überfällen auf Villen wohlhabender Bewohner. Unter den Opfern befand sich auch die Formel-1-Legende Alain Prost. Zudem gaben bei einer Umfrage unter Unternehmen 70 Prozent der Befragten an, dass sich die Sicherheitslage aus ihrer Sicht in den vergangenen drei Jahren verschlechtert habe.
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