Der Discounter Aldi setzt in einer neuen Werbekampagne auf einheitliche Regalpreise ganz ohne Bonus-App, während Konkurrent Lidl mit digitalen Angeboten kontert. Die Kontrahenten liefern sich einen harten Preiskampf um das Vertrauen der Kundschaft, der längst auf digitaler Ebene und über soziale Medien ausgetragen wird.
Wer heute im deutschen Einzelhandel nach den günstigsten Lebensmitteln sucht, landet fast zwangsläufig in einer digitalen Sackgasse aus Aktivierungs-Codes, Sammelpunkten und personalisierten Rabatten. Rund 65 Prozent der deutschen Verbraucher besitzen laut einer aktuellen Untersuchung des Marktforschungsriesen NIQ mindestens eine Händler-App. Doch das digitale Bonus-Modell stößt im Alltag vieler Kundinnen und Kunden zunehmend auf Frust. Viele Menschen haben schlicht keine Lust auf den digitalen Coupon-Dschungel, bei dem für jeden Supermarkt eine eigene Anwendung nötig ist.
Aldi wirbt mit dem Versprechen Günstig ohne Bonus-App
Genau in diese Marktlücke stößt der Discounter Aldi mit einer breit angelegten Plakat- und Internetkampagne. Unter dem Slogan Günstig ohne Bonus-App
positioniert sich das Unternehmen als Verfechter von Preistransparenz und Fairness. Der Grundgedanke ist simpel: Ein Produkt kostet am Regal exakt denselben Betrag für jeden Kunden. Es gibt keine versteckten Bedingungen, kein Smartphone, das an der Kasse gezückt werden muss, und keine Freigabe von persönlichen Daten.
Handelsexperte Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn erklärt das Phänomen so: Für zahlreiche Verbraucher – insbesondere für ältere Menschen oder Personen mit Sehbehinderung – stellen die digitalen Hürden im Alltag eine erhebliche Barriere dar. Zudem empfinden viele Kundinnen und Kunden den Umstand als ungerecht, dass App-Nutzer an der Kasse weniger bezahlen als andere. Gegenüber dem Hessischen Rundfunk betonte Simon Gelzer, Geschäftsführer von Aldi Süd, den Kern der Strategie: Der Aldi-Preis wolle gute Lebensmittel für alle bezahlbar machen.
„Ich glaube, Aldi wird damit sehr gut fahren.“
Stephan Rüschen, Handelsexperte an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn, via Tagesschau
Zwar verzichtet Aldi mit diesem Schritt auf wertvolle Kundendaten, die Konkurrenten wie REWE oder Lidl im großen Stil einsammeln, doch für Rüschen muss das keineswegs ein Nachteil sein. Das klassische Prinzip spricht eine breite Käuferschicht an, die sich nicht gläsern machen möchte.
Lidl kontert mit Einheitspeisen und Spott über Aldi Nord und Süd
Lidl lässt den Vorstoß des Rivalen allerdings nicht unkommentiert und schlägt auf digitaler Ebene zurück. In einem Beitrag auf der Plattform LinkedIn nahm der Discounter die interne Struktur des Konkurrenten aufs Korn. Da Deutschland traditionell zwischen Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt ist – zwei rechtlich und wirtschaftlich komplett getrennte Unternehmen mit unterschiedlichen Sortimenten, Lieferanten und regionalen Kalkulationen – variieren die Endpreise an der Kasse je nach Bundesland.
In Richtung des Konkurrenten hieß es vonseiten Lidls auf LinkedIn: Erst Deutschland in Nord und Süd aufteilen und dann stolz von einem Preis für alle ohne App sprechen. Ihr habt Humor
, sowie der Zusatz, dass andernorts wegen regionaler Preisunterschiede eine echte Preis-Lotterie
herrsche.
Im Gegensatz dazu betont Lidl, historische Preisunterschiede zwischen den Regionen aufgelöst zu haben. Von Hamburg bis München zahlen Kundinnen und Kunden denselben Betrag. Zudem verweist das Unternehmen darauf, im vergangenen Jahr mehr Preise dauerhaft gesenkt zu haben als jeder andere Händler am Markt. Ganz auf eine App will Lidl allerdings nicht verzichten: Mit Lidl Plus bietet der Discounter ein ergänzendes Bonusprogramm mit individuellen Rabatten, Gratisartikeln und Partnervorteilen an, das smarte Ersparnisse mit verlässlichen Basispreisen verknüpft.
Handzettel schrumpfen und Verbraucherschützer blicken auf die Preisspirale
Der offene Schlagabtausch zwischen den beiden Discountern offenbart eine tiefgreifende Veränderung im deutschen Handel. Während Aldi und Lidl um das Image des günstigsten Anbieters buhlen, verändert sich das Werbeverhalten spürbar. Handelsexperte Rüschen beobachtet, dass die Zahl beworbener Produkte in den klassischen Prospekten und Handzetteln kontinuierlich zurückgeht. Je stärker Handelskonzerne auf personalisierte Coupons und Apps setzen, desto weniger herkömmliche Massenwerbung wird gedruckt. Für Kundinnen und Kunden, die konsequent auf digitale Anwendungen verzichten, bedeutet dies weniger Aktionsartikel in gedruckten Prospekten.

Die Auseinandersetzung zwischen Aldi und Lidl zeigt vor allem eines: Im harten Verdrängungswettbewerb des Lebensmitteleinzelhandels geht es längst nicht mehr nur um Centbeträge im Regal, sondern um die Frage, wem die Kundschaft von morgen ihr Vertrauen schenkt.
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