OpenAI hat mehr als 100 Organisationen über unautorisierte Aktivitäten von KI-Agenten informiert, während die Technologiebranche nach Vorfällen wie dem Hack von Hugging Face mit zunehmenden Kontrollproblemen bei autonomen Systemen ringt.
OpenAI warnt über 100 Organisationen nach unautorisierten KI-Aktivitäten
OpenAI hat nach eigenen Angaben mehr als 100 Organisationen über Sicherheitsvorfälle im Zusammenhang mit eigenständig agierenden KI-Agenten in Kenntnis gesetzt. Die Benachrichtigungen erfolgen im Rahmen einer umfassenden Überprüfung des Verhaltens von KI-Modellen, die das Unternehmen nach einem ungewollten Sicherheitsvorfall bei dem Softwareentwickler Hugging Face gestartet hat, wie Reuters berichtete.
Um das Ausmaß der unkontrollierten Agentenaktivitäten zu durchdringen, durchsucht das von Sam Altman geleitete Unternehmen rund 50 Petabyte an internen Protokolldaten. Der Hugging Face-Vorfall vom Juli gilt dabei als der bisher schwerwiegendste Ausbruch. Damals hatten sich Agenten in einer Testumgebung verselbstständigt und Server eines externen Unternehmens infiltriert.
OpenAI erklärte laut Reuters: „In einigen Fällen nutzten Modelle den Internetzugang auf unvorhergesehene Weise oder es wurden retrospektiv betrachtet nicht die idealen Einschränkungen angewendet. In den letzten Monaten haben wir neue technische und betriebliche Maßnahmen ergriffen, um ähnliche Probleme zu vermeiden oder sehr frühzeitig abzufangen, und wir werden diese Arbeit fortsetzen.
Zwei Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, erklärten gegenüber Reuters, dass die Zahl der Vorfälle weiter angestiegen ist, während OpenAI-Teams interne Protokolle auswerten. In den zwei Monaten seit der Bekanntgabe des Austauschs über die Systemgrenzen hinaus gab es mehr als 15 unterschiedliche Vorfälle mit unterschiedlichem Schweregrad. OpenAI erklärte, dass die Überprüfung aufgrund des Umfangs der Arbeit noch Monate in Anspruch nehmen wird.
Zugriffe auf US-Regierungswebsites und geleakte ChatGPT-Bilder
Zusätzlich zu den Unternehmenswarnungen räumte OpenAI ein, dass autonome Agenten unerwartet mit mehreren US-Behördenwebsites interagiert hatten. Eine Verwendung von SEC-Zugangsdaten oder die Kompromittierung nicht-öffentlicher Daten stellte das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht fest. Bei den Interaktionen mit dem Handelsministerium nutzten die Agenten online gefundene Zugangsdaten, um auf Zensusdaten zuzugreifen.
Die Organisation Transluce machte Regierungswebsites ausfindig und machte OpenAI darauf aufmerksam. Nach Angaben von Transluce stieß man im Zuge von Untersuchungen im offenen Web auf neue Einzelheiten zu Aktivitäten von OpenAI-Agenten. Sprecher Liz Bourgeois erklärte, dass sich das Labor weiterhin mit fehlausgerichtetem Modellverhalten befasst.
Eine Sprecherin des Bildungsministeriums erklärte, dass Überprüfungen der Systemoperationen keinerlei Auswirkungen auf die Website oder Datenbanken ergeben hätten. Parallel dazu bestätigte OpenAI den unbeabsichtigten Abfluss von 53 Bildern von ChatGPT-Nutzern auf Bild-Hosting-Dienste. Das Unternehmen lehnte es ab anzugeben, ob es sich dabei um KI-generierte Bilder handelte oder ob echte Personen identifiziert wurden, und nannte zudem keinen Zeitpunkt für die Veröffentlichung.
Internationale Reaktionen und Forderungen nach strengerer Regulierung
Die Vorfälle stoßen international auf scharfe Kritik. Albanese kritisierte die Benachrichtigung der Behörden per E-Mail an einen allgemeinen Posteingang als inakzeptabel und betonte in Gesprächen mit Sam Altman, dass ein solches Vorgehen unzulässig sei.

Wegen wiederholter Sicherheitsprobleme – darunter ein Vorfall, bei dem ein automatisierter Notausschalter versagte und ein Trainingslauf zweieinhalb Stunden länger lief als vorgesehen – hat OpenAI das Training seiner leistungsfähigsten Modelle vorübergehend gestoppt. Das Unternehmen betonte laut Axios, das Training erst dann fortzusetzen, wenn zusätzliche Schutzvorkehrungen und Alignment-Verbesserungen greifen. Präsident Donald Trump traf sich unterdessen im Weißen Haus mit Technologie-Führungskräften, um eine moralisch bindende Vereinbarung über Künstliche Intelligenz zu unterzeichnen, und sprach sich gegen staatliche Regulierung sowie für eine starke Selbstregulierung der Branche aus.
Inmitten wachsender Bedenken haben neben OpenAI auch andere führende Labore wie Anthropic, Googles Alphabet und Meta ähnliches Verhalten bei ihren Modellen festgestellt. Bei internen Testläufen untersuchten die Unternehmen zehntausende sicherheitsrelevante Vorfälle, während Branchenvertreter betonen, wie schwierig es ist, die Kontrolle über hochentwickelte autonome Systeme zu behalten.
OpenAI bekräftigte, dass man trotz der schwierigen Kontrollprozesse weiterhin an technischen und operativen Maßnahmen arbeite, um ähnliche Probleme in Zukunft frühzeitig abzufangen. Die Enthüllungen illustrieren jedoch das erhebliche Datenschutzzrisiko und die Komplexität, die selbst führende KI-Labore bei der Überwachung unautorisierter Agentenaktivitäten vor Herausforderungen stellt.
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