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KOF senkt Wachstumsprognose auf 0,8 %: Ölpreis belastet Wirtschaft stärker als erwartet

Das KOF-Institut der ETH Zürich senkt am Mittwoch, den 17. Juni 2026, die Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft auf 0,8 Prozent für das laufende Jahr. Das KOF-Institut, die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, gilt als eine der zentralen Institutionen für die wirtschaftliche Analyse und Prognostik in der Schweiz und liefert die Datengrundlage, auf die sich sowohl die Politik als auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage stützen. Der durch den Iran-Konflikt verursachte Ölpreisschock belastet die Konjunktur und die Konsumbereitschaft stärker als ursprünglich kalkuliert, wie die Ökonomen in ihrer aktuellen Mitteilung feststellten.

Revision der BIP-Wachstumsprognosen für 2026 und 2027

Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen haben die wirtschaftliche Dynamik in der Schweiz spürbar abgekühlt. Wie news.google.com berichtet, hat das KOF-Institut die Erwartungen für das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) nach unten korrigiert. Während für das laufende Jahr zuvor noch ein Plus von 1,0 Prozent prognostiziert worden war, wird nun lediglich noch ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet.

Revision der BIP-Wachstumsprognosen für 2026 und 2027
Photo: blue News

Dieser pessimistische Trend setzt sich in der langfristigen Planung fort. Auch für das Jahr 2027 wurde die Prognose für das sportbereinigte BIP von 1,7 Prozent auf 1,5 Prozent gesenkt. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt, der bei etwa 1,8 Prozent liegt, bedeutet dies eine anhaltende Unterperformance der Schweizer Wirtschaft. Ein überdurchschnittliches Wachstum wurde zuletzt im Jahr 2022 verzeichnet.

JahrAktuelle Prognose (BIP)Vorherige Prognose (BIP)
20260,8 %1,0 %
20271,5 %1,7 %

Geopolitisches Risiko und die Volatilität der Ölpreise

Die Hauptursache für die wirtschaftliche Abkühlung ist die instabile Lage im Nahen Osten. Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hat zu massiven Störungen im Schiffsverkehr in der Straße von Hormus geführt. Die Straße von Hormus gilt als einer der kritischsten Engpässe für den globalen Ölhandel, da ein erheblicher Teil der weltweiten Erdöltransporte durch dieses Nadelöhr geleitet wird. Diese geopolitische Unsicherheit hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und die wirtschaftlichen Aussichten massiv belastet.

Geopolitisches Risiko und die Volatilität der Ölpreise
Photo: KOF Institut

Für die aktuelle Basisprognose geht das Institut von einem durchschnittlichen Ölpreis von 93 US-Dollar pro Barrel im laufenden Jahr aus, während für 2027 ein Rückgang auf knapp 81 US-Dollar erwartet wird. Dennoch bleibt das Risiko eines extremen Preisanstiegs bestehen. In einem Alternativszenario, das eine anhaltende Eskalation berücksichtigt, könnten die Preise sogar bis auf 180 US-Dollar pro Barrel steigen.

Sollten diese extremen Preissteigerungen eintreten, würde sich die wirtschaftliche Lage drastisch verschlechtern. Laut Watson würde das Wachstum in diesem Fall im Jahr 2026 auf lediglich 0,5 Prozent und im Jahr 2027 auf 1,0 Prozent sinken.

Auswirkungen auf den Konsum und den Arbeitsmarkt

Die hohen Energiekosten wirken sich unmittelbar auf das Verhalten der privaten Haushalte aus. Die Konsumbereitschaft ist infolge des Ölpreisschocks und des anhaltenden Inflationsdrucks geschwächt. Die Konsumentenstimmung ist bereits auf ein Niveau gefallen, das mit dem Tiefpunkt des Zollschocks im April 2025 vergleichbar ist. Wenn die Lebenshaltungskosten steigen, reduziert dies das verfügbare Realeinkommen der Haushalte, was typischerweise zu einer höheren Sparquote und einer geringeren Nachfrage nach nicht lebensnotwendigen Gütern führt.

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Neben der schwachen Nachfrage belastet auch die Lage am Arbeitsmarkt die Konjunktur. Das KOF-Institut prognostiziert für das Jahr 2026 eine Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent, wobei erwartet wird, dass die Quote auch 2027 auf einem hohen Niveau verbleibt. Diese Faktoren führen dazu, dass die Sparneigung der Bevölkerung steigt und der private Konsum als wirtschaftlicher Stützpfeiler ausfällt.

Trotz dieser Belastungen besteht nach Einschätzung der Experten keine unmittelbare Gefahr durch eine unkontrollierte Teuerung. Selbst unter Berücksichtigung eines sehr hohen Ölpreises wird die Inflation lediglich auf 1,3 Prozent geschätzt. Damit bleibt sie deutlich innerhalb des Zielbandes der Schweizerischen Nationalbank (SNB), das bei maximal 2 Prozent liegt. Die SNB verfolgt das primäre Ziel der Preisstabilität, wobei sie versucht, die Teuerung in einem Bereich zwischen 0 und 2 Prozent zu halten, um die wirtschaftliche Planungssicherheit zu gewährleisten.

Divergenz zwischen Pharma- und Maschinenindustrie

Die wirtschaftliche Entwicklung zeigt ein stark zweigeteiltes Bild zwischen verschiedenen Industriezweigen. Während die Pharma- und Chemieindustrie eine positive Entwicklung aufweist, stehen konjunkturell sensiblere Sektoren unter erheblichem Druck. Diese Divergenz ist auf die unterschiedliche Struktur der Branchen zurückzuführen: Die Pharma- und Chemiebranche agiert oft als defensiver Sektor, da die Nachfrage nach medizinischen Produkten weniger stark von globalen Wirtschaftszyklen abhängt. Im Gegensatz dazu reagiert die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) sowie der Warenhandel hochsensibel auf die weltweite Konjunktur und die Investitionsbereitschaft der Kunden.

Divergenz zwischen Pharma- und Maschinenindustrie
Photo: Watson

Insbesondere die Uhren- und Maschinenindustrie sowie der Warenhandel leiden unter der schwachen Auslandsnachfrage und dem starken Schweizer Franken. Ein hoher Wechselkurs des Schweizer Frankens verteuert Schweizer Exporte auf den internationalen Märkten, was die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Industrie schwächt.

Auch die Investitionstätigkeit der Unternehmen bleibt insgesamt schwach. Hohe geopolitische Unsicherheit und eine geringe Kapazitätsauslastung bremsen vor allem die Ausrüstungsinvestitionen. Während Bauinvestitionen auf einem moderaten Kurs bleiben, stellen steigende Baupreise aufgrund der Energiekosten ein potenzielles Risiko dar.

Wie das KOF-Institut selbst mitteilte, ist eine breitere wirtschaftliche Erholung erst dann zu erwarten, wenn sich die geopolitische Lage graduell entspannt und der Druck durch die Energiepreise nachlässt. Bis dahin bleiben die Abwärtsrisiken, einschließlich möglicher Zollstreitigkeiten mit den USA, das dominierende Thema für die Schweizer Wirtschaft.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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