Schweden steht vor einer tagelangen Hängepartie, nachdem die Parlamentswahl am Sonntag in einem extrem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen endete. Laut ersten Auswertungen der schwedischen Wahlbehörde verfügt der linke Oppositionsblock über einen hauchdünnen Vorsprung von nur einem Sitz im Parlament.
Vorläufige Ergebnisse der schwedischen Wahlbehörde (Valmyndigheten) zeigen, dass die vier Parteien des linken Lagers auf 175 Sitze in dem aus 349 Sitzen bestehenden Parlament zusteuern. Das regierende Bündnis von Premierminister Ulf Kristersson kommt demnach auf 174 Sitze.
Wahlbehörde prognostiziert hauchdünne Mehrheit für Mitte-Links
Mit einem Auszählungsstand von 92 Prozent der Stimmen am frühen Montagmorgen zeichnet sich eine hauchdünne Mehrheit für das linke Oppositionsbündnis und die ehemalige Ministerpräsidentin Magdalena Andersson ab, die eine Rückkehr an die Regierungsspitze anstrebt. Erste Nachwahlbefragungen des öffentlich-rechtlichen Senders SVT hatten das linke Lager zuvor noch mit mehreren Prozentpunkten vorne gesehen. Dies sorgte zunächst für Jubel im Lager der Sozialdemokraten, wich jedoch rasch einer angespannten Warterei, als die tatsächlichen Teilergebnisse das Rennen deutlich enger ausfielen ließen.
Regierungschef Kristersson sondiert neue Mehrheiten
Der amtierende Premierminister Ulf Kristersson regiert Schweden seit 2022 an der Spitze einer dreiparteiischen Mitte-Rechts-Koalition. Diese stützte sich bislang für eine parlamentarische Mehrheit auf die Tolerierung durch die Schwedendemokraten (Sverigedemokraterna), eine rechtspopulistische Partei mit Wurzeln im rechtsextremen Milieu, die im Falle eines Wahlsiegs der Regierungsallianz erstmals Kabinettsposten erhalten sollte.
Rolle der Schwedendemokraten und Verluste für Åkesson
Die Partei wurde in den 1980er Jahren von Personen gegründet, die in rechtsextremen Gruppen einschließlich Neonazis aktiv waren. Unter Åkesson, der die Partei seit 2005 führt, milderte sie ihre Rhetorik ab und schloss offen rassistische Mitglieder aus, um sich dem politischen Mainstream anzunähern.
Entscheidung erst am Mittwoch durch Brief- und Auslandswahlen
Da das Rennen so knapp verläuft, wird die endgültige Entscheidung voraussichtlich erst am Mittwoch fallen. An diesem Tag werden die lokalen Wahlausschlüsse jene Stimmen auszählen, die am Wahltag nicht mehr rechtzeitig in den Wahllokalen eintrafen – darunter insbesondere die Stimmen aus dem Ausland.
Von den rund 10,6 Millionen Einwohnern Schwedens waren mehr als 8 Millionen Menschen wahlberechtigt, um über die Verteilung der Sitze in dem auf eine Mindest-Sperrklausel von vier Prozent angewiesenen Parlament zu entscheiden.
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