Der Schweizer Verleger Roger Köppel hat bei einem Auftritt in Moskau Wladimir Putin Fragen zur Neutralität gestellt und Lob ausgesprochen. Wladimir Putin forderte die Schweiz daraufhin im Oktober 2026 auf, sich vollständig von internationalen Sanktionen zu distanzieren, was im Inland heftige Kritik auslöste.
Anfang Oktober 2026 trat der Verleger und Chefredakteur der Weltwoche, Roger Köppel, beim Treffen des Valdai Discussion Club in Moskau auf. Ursprünglich sollte der Schweizer Gast lediglich eine kurze Frage an den Kremlchef richten. Vor einem Publikum aus Fachleuten, Diplomaten und Medienschaffenden stellte sich Köppel dem russischen Präsidenten vor und lenkte den Fokus auf die historische Verbindung zwischen beiden Staaten.
Fragen zu Nestlé und eine spontane Rede über Egon Bahr
Im Zentrum von Köppels Wortmeldung stand zudem das Schweißer Unternehmen Nestlé. Er fragte Putin direkt, warum der Kreml gegen den Lebensmittelkonzern vorgegangen sei, obwohl dieser sich dem westlichen Druck widersetzt und im Land geblieben war. Hintergrund dieses Vorgehens ist ein Dekret vom 17. September, mit dem die russischen Sparten Nestlé Russia und Nestlé Kuban unter Fremdverwaltung der russischen Firma L.E.V. Management gestellt wurden, während Nestlé selbst offiziell Eigentümerin bleibt, aber keinen steuernden Einfluss mehr ausüben kann.

Putin entgegnete auf die Frage, dass Russland niemanden bestrafe, sondern lediglich auf Massnahmen reagiere, die von anderen Staaten gegen die Russische Föderation ergriffen worden seien. Im weiteren Verlauf des Austauschs wandte sich der russische Präsident überraschend direkt an den Schweizer Verleger und forderte ihn auf, vor dem anwesenden Publikum einen kurzen Vortrag zu halten. Köppel ergriff die Gelegenheit, um über den deutschen SPD-Politiker Egon Bahr zu sprechen. Er erinnerte an Bahrs Konzept, Deutschland könne eine Brücke zwischen Ost und West bilden, und zog Parallelen zu einer möglichen Vermittlerrolle der Schweiz.
Putins Forderung nach Aufgabe der Schweizer Sanktionen
Wladimir Putin nutzte den Auftritt des Schweizer Publizisten für eine grundsätzliche Kritik am Kurs Berns. Er bemängelte, dass die offizielle Neutralität des Alpenlandes nicht nur in Worten ausgedrückt werden dürfe, sondern das Land sich vollständig von den gegen Russland verhängten Sanktionen lossagen müsse. Kleine Staaten sollten nach seiner Ansicht konsequent unabhängig und im eigenen nationalen Interesse agieren.
https://x.com/Weltwoche/status/2105989066017604085
Zusätzlich kritisierte der russische Staatschef die wirtschaftliche Entwicklung des Schweizer Finanzplatzes. Durch die erfolgte Abschaffung des traditionellen Bankgeheimnisses unter ausländischem Druck habe das Land einen seiner wichtigsten globalen Wettbewerbsvorteile preisgegeben. Die Attraktivität des Finanzplatzes sei dadurch spürbar gesunken, befand der Kremlchef vor den versammelten Delegierten.
Heftige Kritik im Inland und Köppels Entgegnung
Der Moskauer Auftritt des Schweizer Verlegers stieß im Heimatland umgehend auf scharfe Ablehnung. Kritiker und politische Beobachter warfen dem ehemaligen Nationalrat mangelnde journalistische Distanz zum Kreml vor und bezeichneten ihn als Putin-Versteher, der völkerrechtswidrige Handlungen verharmlose. Der österreichische Brüssel-Korrespondent Thomas Mayer teilte das Video der Szene auf X mit harten Worten, während der Kabarettist Viktor Giacobbo öffentlich die Frage aufwarf, weshalb Köppel den russischen Präsidenten nicht mit der Situation inhaftierter Journalisten oder der unterdrückten Opposition konfrontiert habe.

Köppel wies die Vorwürfe im Rahmen einer Stellungnahme gegenüber Medienschaffenden zurück. Er betonte, dass man sich im Krieg alle Seiten unvoreingenommen anhören müsse, um das Geschehen zu begreifen. Verstehen und Verzeihen sind zweierlei
, erklärte der 20min zur Begründung seines Vorgehens, wobei er gleichzeitig betonte, dass ein Aufbringen von Verständnis keineswegs bedeute, den Handlungen des Kremls zuzustimmen oder sie als richtig zu bewerten.
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