Die San Francisco Opera hat die Eröffnung ihrer 104. Spielzeit mit Verdi’s „Simon Boccanegra“ nicht abgesagt, sondern das Orchester hat angekündigt, am 12. September ohne gültigen Vertrag nicht aufzutreten. Der Arbeitskampf entzündet sich an Lohnkürzungen und veralteten Vergütungsstrukturen, während die Opernleitung auf ein jährliches Strukturdefizit von 15 Millionen US-Dollar verweist.”
Die San Francisco Opera steht vor einer Auseinandersetzung zum Auftakt ihrer neuen Spielzeit. Nachdem die Verhandlungen über einen Nachfolgetarifvertrag nicht zum Erfolg führten, hat das Orchester den Spielbetrieb auf der Eröffnungsnacht am 12. September eingestellt. Betroffen von der Absage sind neben der Premiere im War Memorial Opera House auch das beliebte Konzert Opera in the Park
.
Streikankündigung und Verhandlungen im August 2026
Die Musikerinnen und Musiker des Orchesters hatten ihre Arbeitsniederlegung Ende August angekündigt. Vertreten durch die Gewerkschaft American Federation of Musicians Local 6 machten sie unmissverständlich klar, dass ein Auftritt ohne gültigen Vertrag nicht stattfinden werde.
We are writing to let you know that the musicians of the San Francisco Opera Orchestra will not be able to perform on Opening Night, September 12, unless management has reached a fair contract with us before then.
Die Verhandlungen zwischen beiden Parteien liefen bereits seit Mai. Am Mittwoch vor dem Ausstand begannen die Orchesterproben für die neue Spielzeit, während parallel die Gespräche wieder aufgenommen wurden. Laut Angaben des San Francisco Chronicle wurde inzwischen auch ein Mediator in den Prozess eingeschaltet.
Lohnstreit um Kürzungen und Vergütungsstrukturen
Im Zentrum des Konflikts stehen drastische Lohnkürzungen, die das Management zur Bewältigung der Finanzlage fordert. Nach Angaben der Musiker schlug die Oper zunächst eine Gehaltsreduktion von 26 Prozent vor, was die Bezüge auf das Niveau von 2015 zurückgeworfen hätte. Inzwischen wurde das Angebot auf einen Einschnitt von 20 Prozent angepasst, was den Stand von 2018 bedeuten würde.
Die Musiker lehnen diese Vorschläge strikt ab und erklären, unter solchen Bedingungen keine Saison beginnen zu können. Die Opernleitung entgegnet dem mit einem Fünfjahresmodell. Dieses soll die Kompensationsstrukturen schrittweise anpassen, während die jährlichen Bezüge der Musiker in den kommenden fünf Jahren auf dem bisherigen Stand gehalten werden sollen.
Strukturelles Defizit und verkleinerter Spielplan der San Francisco Opera
Generalintendant Matthew Shilvock zeigte sich tief enttäuscht über den Schritt des Orchesters, die Aufführungen durch den Streik zu blockieren, anstatt am Verhandlungstisch nach Lösungen zu suchen. In einer offiziellen Stellungnahme betonte er die wirtschaftlichen Realitäten des Kulturbetriebs.
As with many organizations, we must adjust to the changing realities of the arts, and we cannot sustain a compensation structure that originated 45 years ago without bringing it into alignment with current reality.
Die Hintergründe des Konflikts reichen tief in die Finanzstruktur des Hauses. Die Oper veranstaltet seit der COVID-19-Pandemie einen verkleinerten Spielplan. Die bevorstehende Spielzeit umfasst lediglich sechs Hauptproduktionen: Simon Boccanegra
, Manon
, Mary, Queen of Scots
, The Marriage of Figaro
, Tosca
und Das Rheingold
.
Während das Management erklärt, dass die Ausgaben seit Jahrzehnten schneller steigen als die Einnahmen und jährlich ein strukturelles Defizit von 15 Millionen US-Dollar geschlossen werden muss, argumentieren die Musiker gegenteilig. Wiederholte Kürzungen bei der Anzahl der Aufführungen hätten die Finanzprobleme nicht gelöst, sondern lediglich Ticketverinnahmen und Sponsorengelder verringert, während Fixkosten bestehen blieben.
Finanzielle Eckdaten und Einnahmen des Opernhauses
Die Bilanzen der San Francisco Opera zeigen die Anspannung des Budgets deutlich. Juli 2025 beendeten Geschäftsjahr Ticketverkäufe in Höhe von 13,8 Millionen US-Dollar bei Betriebsausgaben von 82,6 Millionen US-Dollar verzeichnete.

Ob und wann die Verhandlungen zwischen der Opernleitung und den Gewerkschaftsvertretern zu einer Annäherung führen, bleibt angesichts der verhärteten Fronten vorerst offen.
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