Nintendo erzielt im ersten Geschäftsquartal einen Rekordgewinn von 142,5 Milliarden Yen, gestützt durch starke Softwareverkäufe und etwa 300 Millionen US-Dollar an Zoll-Rückerstattungen. Während das Unternehmen einen großen US-Sale startet, sorgt die Verwendung der umstrittenen Erstattungen für eine Sammelklage von Kunden in den Vereinigten Staaten.
Nintendos jüngster Finanzbericht für den Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni offenbart einen massiven Gewinnsprung. Das operative Ergebnis des japanischen Videospielkonzerns kletterte im Jahresvergleich um 150,5 Prozent auf 142,5 Milliarden Yen, was umgerechnet etwa 902 Millionen US-Dollar entspricht. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch bei 56,9 Milliarden Yen beziehungsweise rund 360 Millionen US-Dollar gelegen.
Besonders die Verkäufe von Spielen für die Nintendo Switch legten deutlich zu. Während die Softwareverkäufe für die originale Konsole um 38,6 Prozent wuchsen, stiegen die Verkäufe von Switch 2-Software um 9,2 Prozent. Die Absatzzahlen der Switch 2-Konsole selbst sanken im Quartalsvergleich zwar von 5,82 Millionen auf 3,82 Millionen verkaufte Einheiten, übertreffen jedoch die 2,49 Millionen Einheiten aus dem vorangegangenen Quartal.
US-Zoll-Rückerstattungen und die finanzielle Entlastung
Ein beträchtlicher Teil des finanziellen Erfolgs im ersten Quartal geht auf externe politische und rechtliche Entwicklungen in den USA zurück. Der Oberste Gerichtshof der USA erklärte im Februar einen großen Teil der Sonderzölle, die auf Grundlage des International Emergency Economic Powers Act verhängt worden waren, für unzulässig. Auch Nintendo profitierte davon erheblich: Das Unternehmen verbuchte rund 300 Millionen US-Dollar als Senkung der Herstellungskosten im Berichtsquartal.
Nintendo betonte in den Finanzdaten, dass man den Großteil der zollbedingten Kosten im Zuge der US-Importabgaben selbst absorbiert habe, statt diese vollständig über Preiserhöhungen an die Käufer weiterzugeben. Dennoch hatten Preiserhöhungen für verschiedene Nintendo-Produkte in den USA im Laufe des vergangenen Jahres stattgefunden, was nun den Nährboden für rechtliche Auseinandersetzungen bereitet.
Customer Appreciation Sale als Auslöser für Verbraucherkritik
„Der Customer Appreciation Sale… wird teilweise durch zollbedingte Rückerstattungen ermöglicht. Während Nintendo den Großteil der zollbedingten Kosten absorbiert hat, haben die Rückerstattungen dazu beigetragen, Aktionen wie diese möglich zu machen.“
Photo: Computerbase
Diese Begründung stößt bei Verbrauchern auf Unverständnis. Branchenbeobachter reagierten ebenfalls irritiert auf die Marketingstrategie.
„Das ist…. nicht, wie Sales funktionieren. Eine sehr skurrile Begründung.“
Rechtliche Auseinandersetzungen um die Zoll-Rückzahlungen
Die Verweigerung direkter Rückzahlungen an die Kundschaft bleibt für den japanischen Konzern nicht ohne juristische Folgen. Nintendo sieht sich in den USA einer Sammelklage ausgesetzt, in der Verbraucher argumentieren, dass das Unternehmen von den Zöllen profitierte und nun die Erstattungen einbehält, obwohl die Mehrkosten zuvor an die Käufer weitergegeben worden waren. Nintendo verteidigt sich gegen diesen Vorwurf vor Gericht mit dem Argument, dass die Hauptlast der Zölle vom Unternehmen getragen wurde und keine rechtliche Verpflichtung zur direkten Ausschüttung der Erstattungen an Endverbraucher bestehe.
Ähnliche rechtliche Verfahren treffen auch andere Branchengrößen. Sony wurde im Mai ebenfalls von Kunden verklagt, denen zufolge der Konzern nach vorherigen Preiserhöhungen und anschließenden Zoll-Erstattungen einen double recovery windfall erzielt habe. Auch Microsoft schließt sich nach Angaben aus den Quellen dieser Argumentationslinie an und wehrt sich gerichtlich gegen vergleichbare Forderungen.
Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
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