Der Betreiber der Walliser Bar Le Constellation, Jacques Moretti, muss sich einer psychiatrischen Begutachtung unterziehen. Das Walliser Amt für Justiz und der Staatsanwalt ordneten die Massnahme an, um seine Zurechnungsfähigkeit bei mutmasslichen Gewalttaten gegenüber seiner Ehefrau Jessica zu klären und das Risiko einer Wiederholungstat zu bewerten.
Die Anordnung der psychiatrischen Untersuchung fällt in eine ohnehin angespannte Phase der Ermittlungen. Jacques Moretti sitzt seit fast zwei Monaten in Untersuchungshaft, nachdem er Mitte August im gemeinsamen Wohnhaus in Lens im Kanton Wallis festgenommen worden war. Die Staatsanwaltschaft führt dieses Verfahren wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt unabhängig von den laufenden Ermittlungen zur Brandkatastrophe in Crans-Montana, wie die Westschweizer Berichterstattung im Detail ausführt.
Psychiatrisches Gutachten bewertet Schuldfähigkeit und Rückfallrisiko
Zum einen müssen die Experten prüfen, in welchem Mass Jacques Moretti zum Zeitpunkt der mutmasslichen Tat voll oder vermindert schuldfähig war. Zum anderen verlangt die Staatsanwaltschaft eine präzise Einschätzung zur Frage, ob von dem Beschuldigten im Falle einer Entlassung aus der Haft eine Gefahr für seine Ehefrau oder Dritte ausgeht.

Solche Untersuchungen nehmen im Kanton Wallis üblicherweise einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten in Anspruch. Medienberichten zufolge bedeutet dies, dass sich die Untersuchungshaft für den 50-jährigen Barbetreiber deutlich verlängern dürfte, da ein Entscheid über eine Haftentlassung ohne die Ergebnisse der Begutachtung kaum möglich ist.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis führt die Ermittlungen nach der Festnahme, die in der Nacht vom 11. auf den 12. August stattfand. Damals soll es im gemeinsamen Wohnhaus des Paares zu dem Vorfall gekommen sein, bei dem die 40-jährige Jessica Moretti erhebliche Verletzungen am Kopf erlitt und in einem Spital behandelt werden musste. Der Sender RTS berichtete als Erstes über die angeordnete Begutachtung, die von der zuständigen Staatsanwaltschaft bestätigt wurde.
Unabhängige Verfahren und anstehende Vernehmungen im Herbst
Die Vorwürfe der häuslichen Gewalt bilden eine rechtlich völlig eigenständige Baustelle. Die Ermittlungen zu den Übergriffen, bei denen Jessica Moretti nach erlittenen Kopfverletzungen im Spital behandelt werden musste, werden von einer anderen Abteilung der Walliser Staatsanwaltschaft geführt als das Verfahren zum Grossbrand in der Bar Le Constellation.

Dennoch berühren sich die Terminkalender der Justiz in den kommenden Wochen. Bei dem Inferno in der Neujahrsnacht waren 41 Menschen gestorben und 115 weitere teils schwer verletzt worden.
„Diese Vorkommnisse (…) betreffen ausschließlich deren Intimsphäre, weshalb wir keinerlei Kommentar abgeben werden.“
Me Yaël Hayat, Me Nicola Meier und Me Patrick Michod, Anwälte des Paares
In einer gemeinsamen Erklärung wiesen die Rechtsanwälte des Paares darauf hin, dass die Ereignisse im privaten Rahmen blieben.
„Sie sind nicht mit der Tragödie der Constellation zu verwechseln, fügen sich jedoch in einen Kontext ein, der nicht ignoriert werden kann – den einer besonders schweren Belastungsprobe, der die Morettis seit dem 1. Januar gemeinsam zu begegnen versuchten.“ Me Yaël Hayat, Me Nicola Meier und Me Patrick Michod, Anwälte des Paares Jessica Moretti hingegen wird die Anhörungen als freie Frau und in Begleitung ihrer Anwälte besuchen. Die anstehenden Konfrontationen im November und Dezember sollen zudem zeigen, ob das Ehepaar weiterhin eine gemeinsame Verteidigungslinie vertritt oder ob gegensätzliche Aussagen getätigt werden. Weiterlesen