Zum Inhalt springen
Nachrichten

Pulitzer-Preisträger Slava „Sal“ Veder stirbt im Alter von 99 Jahren

Pulitzer-Preisträger Slava „Sal Veder, dessen Fotografie einer emotionalen Heimkehrer-Familie zum Symbol des Endes des Vietnamkriegs wurde, ist am 22. August im Alter von 99 Jahren gestorben. Der langjährige Fotograf der Nachrichtenagentur AP verstarb in seinem Haus in El Dorado County in Kalifornien.

Seine Familie bestätigte am Mittwoch, dass der ehemalige Fotograf der Nachrichtenagentur AP im Schlaf verstorben ist, nur acht Tage vor seinem 100. Geburtstag. Veder lebte zuletzt in Camino, einer kleinen Gemeinde in El Dorado County in Kalifornien, unweit von Sacramento.

Das ikonische Bild von Travis Air Force Base im März 1973

Weltbekannt wurde Veder durch eine einzige Momentaufnahme, die im März 1973 auf der Travis Air Force Base in Kalifornien entstand. Der damals 46-jährige Fotograf war von seinem Arbeitgeber dorthin entsandt worden, um die Ankunft freigelassener US-Kriegsgefangener aus Vietnam zu dokumentieren, darunter den Oberstleutnant Robert L. Stirm.

Gedrängt in einen vollbesetzten Pressebereich inmitten Dutzender anderer Reporter beobachtete Veder, wie Stirms vier Kinder auf den ankommenden Offizier zusteuerten.

Sal Veder erklärte in einem Interview mit The Guardian im Jahr 2015, via apnews.com, man habe schon aus der Entfernung erkennen können, was sie fühlten, da es ihnen ins Gesicht geschrieben gestanden habe und daran, wie sie alle losgerannt seien.

Um die Aufnahmen schnellstmöglich zu verbreiten, richtete Veder in einem Badezimmer auf dem Stützpunkt eine provisorische Dunkelkammer ein. Er entwickelte dort sechs Aufnahmen. Eines davon, unter dem Titel „Burst of Joy bekannt geworden, gewann im Jahr 1974 den Pulitzer-Preis für Feature-Fotografie.

Eine schmerzhafte Realität hinter dem historischen Motiv

Das Bild zeigte Oberstleutnant Stirm mit dem Rücken zur Kamera, während seine Kinder ihm freudig entgegenliefen. Nach Veders Analyse funktionierte die Aufnahme genau deshalb so gut: Stirm konnte als unkenntlicher Soldat für jeden Rückkehrer stehen, während die Gesichtsausdrücke der Kinder die universelle Erleichterung spiegelten. Die Redaktion der Nachrichtenagentur AP bewahrte das Foto als Sinnbild für das Ende des militärischen Engagements der Vereinigten Staaten in Südostasien auf.

Für die betroffene Familie erzählte das Foto allerdings eine weitaus kompliziertere und schmerzhaftere Geschichte. Unmittelbar nach seiner Landung hatte Stirm von einem Militärgeistlichen einen sogenannten „Dear John-Brief seiner Ehefrau Loretta überreicht bekommen. Das Ehepaar ließ sich innerhalb eines Jahres nach seiner Rückkehr scheiden. Stirm verstarb im Jahr 2025.

Karriere, Mentorenschaft und Vermächtnis beim AP

Slava J. Veder kam am 30. August 1926 als einziges Kind der aus Russland eingewanderten Eltern Ivan und Anka in Berkeley, Kalifornien, zur Welt; nach ihrer Ankunft in den USA nahmen diese die Namen John und Ann an. Vor seiner Karriere als Fotograf arbeitete Veder zunächst als Sportjournalist und Nachrichteneditor. Im Jahr 1961 stellte ihn die Associated Press als festangestellten Fotografen in ihrem Büro in Sacramento an. Später wechselte er in die Redaktion nach San Francisco.

Seine Tochter Kathleen Daly erinnerte sich an die tiefe Leidenschaft ihres Vaters für den Beruf. „He was a newsman at heart, it wasn’t just a career for him. It was really his passion, erklärte sie über ihren Vater und betonte, dass AP für ihn ein wahres Zuhause gewesen sei. Neben seiner historischen Vietnam-Aufnahme begleitete Veder in seiner jahrzehntelangen Laufbahn unter anderem den späteren US-Präsidenten Ronald Reagan als Gouverneur von Kalifornien, Campus-Proteste gegen den Krieg, den aufsehenerregenden Bankraubprozess gegen Patty Hearst sowie die politischen Morde an dem San-Franciscoer Bürgermeister George Moscone und dem Supervisor Harvey Milk im Jahr 1978.

Nach seinem Rückzug von der Agentur im Jahr 1993 widmete sich Veder verstärkt dem Eiskunstlauf und dem Segeln. Ehemalige Weggefährten würdigten ihn als bescheidenen Menschen und engagierten Mentor. Der freiberufliche Sportfotograf Brad Mangin nannte ihn den ersten Pulitzer-Preisträger, den er je kennengelernt habe, und beschrieb ihn als außergewöhnlich freundlichen Menschen.

Eric Risberg, ehemaliger AP-Kollege, äußerte via apnews.com, er habe sehr stark die Verbindung zwischen Bildern und Worten betont und ihn dazu ermutigt, tiefer zu graben und besser zu verstehen, was die eigentliche Geschichte ausmache.

Veder hinterlässt drei seiner insgesamt fünf Kinder, acht Enkelkinder sowie zwölf Urenkel.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.