Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Österreich bewegt sich im Jahresverlauf 2026 auf dem Niveau des Vorjahres. Laut einer Hochrechnung des KSV1870 werden bis zum Ende des dritten Quartals rund 5.140 Unternehmenspleiten erwartet. Gleichzeitig steigen die Privatkonkurse deutlich an, angetrieben durch den Wegfall einer dreijährigen Entschuldungsregelung.
Die wirtschaftliche Lage für Betriebe in Österreich bleibt angespannt. Nach aktuellen Zahlen des Kreditschutzverbands KSV1870 vom September 2026 zeigt sich bei den Firmeninsolvenzen ein gemischtes Bild, während private Schuldenregulierungen spürbar zunehmen.
Unternehmenspleiten im Handel und Baugewerbe stabil auf Vorjahresniveau
Für die ersten drei Quartale des Jahres rechnet der KSV1870 mit rund 5.140 Unternehmenspleiten. Das entspricht einem minimalen Anstieg von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im täglichen Durchschnitt meldeten damit 19 Betriebe in Österreich Insolvenz an.
Besonders stark sind Branchen wie der Handel, das Baugewerbe sowie die Gastronomie und Beherbergung betroffen. Ein zentrales Problem bleibt dabei die Kapitalausstattung vieler betroffener Unternehmen. Laut den vorgelegten Daten werden 43 Prozent der Verfahren gar nicht erst eröffnet, weil den Betrieben das dafür notwendige Kapital fehlt.
Rückläufige Passiva bei steigender Gläubigerzahl
Trotz der stabilen Fallzahlen bei den Pleiten zeigen sich bei den vorläufigen Verbindlichkeiten andere Tendenzen. Zum Stichtag am 9. September bezifferte der KSV1870 die vorläufigen Passiva auf rund sechs Milliarden Euro, was einem Rückgang von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Gleichzeitig wächst jedoch der betroffene Personenkreis. Bis September waren 15.700 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Insolvenzen betroffen, ein Anstieg von 4,7 Prozent. Die Zahl der Gläubiger kletterte sogar um 8,7 Prozent auf 36.300. Für das gesamte Jahr 2026 prognostiziert der Kreditschutzverband insgesamt rund 6.800 Firmenpleiten, was dem Niveau des Jahres 2025 entspricht.
Deutlicher Anstieg bei Privatkonkursen durch geänderte Entschuldung
Deutlich dynamischer als der Unternehmenssektor entwickeln sich die Privatkonkurse. Der KSV erwartet für die ersten drei Quartale 7.390 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren, was einem Zuwachs von 10,7 Prozent entspricht. Pro Tag melden demnach 27 Menschen in Österreich Insolvenz an.

Karl-Heinz Götze vom KSV1870 erklärte die Entwicklung unter anderem mit der wirtschaftlichen Gesamtlage.
Karl-Heinz Götze, KSV1870
sei ein Anstieg der Privatkonkurse zu erwarten gewesen, so Götze. Zudem hat der Kreditschutzverband darauf hingewiesen, dass die Insolvenzdynamik in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass mit Mitte Juli die Möglichkeit einer dreijährigen Entschuldung ausgelaufen ist.
Die vorläufigen Passiva bei den Privatinsolvenzen legten seit Jahresbeginn um 20 Prozent auf rund 1,1 Mrd. Euro zu. Bis zum Jahresende rechnet der KSV mit insgesamt rund 9.300 eröffneten Verfahren in diesem Bereich.
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