Die Handelsgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada sind nach Angaben von US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer am späten Freitagabend kurz vor Ablauf einer Frist zusammengebrochen. Nach Darstellung der US-Regierung trägt Kanada die Verantwortung für das Scheitern der Vereinbarung. Wie CNBC berichtete, erklärte Greer, dass Ottawa seine Forderungen in letzter Minute geändert habe. Noch am Dienstagabend habe Einigkeit bestanden, einen erfolgreichen Vertragsabschluss verkündigen zu können, ehe kanadische Verhandler in den letzten Stunden mehr verlangt hätten.
Handelsgespräche zwischen USA und Kanada gescheitert
Die Schilderung der US-Seite steht im direkten Widerspruch zu den Vorwürfen der kanadischen Regierung. Premierminister Mark Carney warf den USA vor, ihrerseits kurzfristig inakzeptable Bedingungen gestellt zu haben. So erklärte Carney laut Berichten von NPR, dass die US-Forderungen unfair und unwirtschaftlich gewesen seien und die Zuverlässigkeit jeglicher Vereinbarung infrage gestellt hätten. Demnach hätten die neuen US-Bedingungen unter anderem die Souveränität, die Kultur sowie die Möglichkeiten Kanadas zur Erarbeitung weiterer Handelsabkommen eingeschränkt.
Einführung von Strafzöllen und Gegenmaßnahmen
Infolge des Scheiterns der Verhandlungen traten in den USA am Samstag um 12:01 Uhr neue Zölle in Höhe von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar in Kraft. Die Maßnahmen betreffen nach Angaben von Reuters Sektoren wie Wein, Möbel, Milchprodukte, Zement, Bekleidung, Angelschnüre und Hockeysportausrüstung. Auch US-Zollbehörden wiesen Betriebe in einer Mitteilung an, die Einhaltung der neuen Tarife unmittelbar zu überwachen.

Die kanadische Regierung reagierte umgehend auf den Zollbeschluss. Premierminister Carney kündigte an, dass das Land ab dem 8. September mit eigenen Zöllen auf US-Importe reagieren werde. Diese Vergeltungsmaßnahmen sollen nach dem Prinzip dollar for dollar
erfolgen. Betroffen von den geplanten kanadischen Zöllen sind laut Straitstimes unter anderem Stahl, Elektronik, Geräte, landwirtschaftliche Ausrüstung, Zellstoff, Papier und Milchprodukte. Carney begründete diesen Schritt drastisch und erklärte vor Journalisten, man befinde sich im Krieg, wenn man angegriffen werde, und sie seien angegriffen worden.
Auswirkungen und Verhandlungsdetails
Die US-Regierung hatte nach Angaben von Abc11 zuvor weitreichende Zugeständnisse in Aussicht gestellt, darunter Zollsenkungen bei Stahl, Aluminium, Autos und Holz sowie eine verbesserte Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien und der Lieferkettenkoordination. Die US-Handelsvertretung betonte, dass man Kanada die besten Konditionen aller großen Exporteure habe anbieten wollen. Nach Darstellung aus Ottawa reichten diese Angebote jedoch nicht aus, zumal die USA gleichzeitig bei sensiblen Punkten wie Fahrzeugtarifen und Handelsfreiheit nachgebessert beziehungsweise Einschränkungen gefordert hatten.

Wirtschaftsverbände und politische Akteure zeigten sich alarmiert über die Eskalation zwischen den traditionell eng verbundenen Nachbarländern. Candace Laing, Chief Executive Officer der kanadischen Handelskammer, rief Unternehmen dazu auf, sich auf negative wirtschaftliche Folgen und Störungen einzustellen. Auch der Premierminister von Ontario, Doug Ford, unterstützte die harte Haltung der kanadischen Bundesregierung. Der Zusammenbruch der Gespräche gefährdet nun das Fundament des bestehenden US-Mexiko-Kanada-Abkommens (USMCA).
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