Der europäische Fussballverband UEFA sucht beim Gipfel in Berlin nach einem Gegenkandidaten, um FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der Neuwahl im März 2027 in Rabat zu stürzen. Dem Schweizer Verband SFV und zahlreichen anderen nationalen Verbänden fehlt nach jüngsten Entwicklungen jede Vertrauensgrundlage für eine weitere Amtszeit.
Der internationale Machtkampf im Fussball spitzt sich zu. Vom 8. bis zum 9. Um den amtierenden FIFA-Präsidenten zu Fall zu bringen, ist im ersten Wahlgang eine Zwei-Drittel-Mehrheit von 141 Stimmen bei insgesamt 211 Mitgliedsverbänden erforderlich, während ab dem zweiten Durchgang eine einfache Mehrheit ausreicht.
Im Zentrum der Gespräche steht die Suche nach einem Herausforderer, wobei die UEFA bemüht ist, dem Amtsinhaber möglichst wenig Zeit zu geben, den Gegenkandidaten unter Druck zu setzen oder in Misskredit zu bringen. Die offizielle Bewerbungsfrist für das Amt läuft am 18. November 2026 bei der FIFA ab.

Der Schweizerische Fussballverband entzieht die Unterstützung
In Infantinos Heimatland hat sich die Haltung drastisch gedreht.
Der Schweizerische Fussballverband erwartet von der Führung der FIFA höchste Standards in Bezug auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und institutionelle Verantwortung.
Als Gründe für diesen Schritt nannte der SFV eine umfassende Neubewertung der jüngsten Vorfälle.
Juristischer Streit und heftige Vorwürfe vor Gericht
Die Fronten zwischen dem europäischen Dachverband und dem Weltverband sind längst auf juristischer Ebene verhärtet. Die UEFA strebt ein strafrechtliches Verfahren an und will Beweismittel vor Schweizer Gerichten sichern lassen, die gegen den 56-jährigen FIFA-Chef vorgebracht werden können, insbesondere im Zusammenhang mit den im Sommer publik gewordenen Plänen zum Verkauf von Anteilen an Turnieren an private Investoren. Die FIFA schlug daraufhin scharf zurück und reichte beim Bundesbezirksgericht in Miami eine Stellungnahme ein, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Globale Lagerbildung und die Suche nach Gegenkandidaten
Die internationale Fussballlandschaft zeigt sich im Vorfeld der Wahl tief gespalten. Zu den schärfsten Kritikern gehören neben Wales als erstem Verband auch England, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Belgien, Österreich, die nordischen Länder sowie die USA, Kanada, Neuseeland und zahlreiche karibische Staaten, die sich öffentlich gegen eine Wiederwahl ausgesprochen haben. Der DFB weigerte sich zudem, ein Unterstützungsschreiben zu unterzeichnen. Dagegen kann der FIFA-Präsident auf andere Regionen zählen: Der afrikanische Kontinentalverband steht ebenso geschlossen hinter ihm wie WM-Finalist Argentinien und Co-Gastgeber Mexiko.

Zudem hat Gianni Infantino im Machtkampf die Unterstützung von arabischen Verbänden erhalten. Nach einer Sitzung der Union of Arab Football Associations (UAFA) im saudi-arabischen Dschidda wurde erklärt, dass der FIFA-Chef in den vergangenen zehn Jahren die Einheit der weltweiten Gemeinschaft gestärkt, den Sport weiterentwickelt und die Reichweite vergrössert habe. Der UAFA gehören 22 nationale Verbände aus Asien und Afrika an, darunter die WM-Gastgeber Katar (2022) und Saudi-Arabien (2034). Der asiatische Fussballverband selbst ist intern gespalten, während Katar, Kuwait und Indonesien sich für den Schweizer starkmachen.
Als möglicher Gegenkandidat gehandelte Personen fallen indes weg. Der als Kompromisslösung kolportierte PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi aus Katar erteilte einer Kandidatur für das Amt eine klare Absage und erklärte, keinerlei Ambitionen oder Agenda in dieser Hinsicht zu haben. Auch Victor Montagliani, seit 2016 FIFA-Vize unter Infantino und CONCACAF-Präsident, wird medial genannt, schleppt jedoch Altlasten aus seiner Zeit beim kanadischen Verband mit sich herum und könnte angesichts anstehender Wahlen in seiner Region vor einem zu hohen Risiko stehen.