Grossbritannien prüft den Beitritt zur von Kanada geführten Defence, Security and Resilience Bank, um Verteidigungsinvestitionen zu günstigeren Konditionen zu finanzieren. Schatzkanzler John Healey treibt die Gespräche voran, während die Vorgängerin Rachel Reeves das Projekt zuvor abgelehnt hatte.
John Healey und die Defence, Security and Resilience Bank
Die britische Regierung führt konkrete Gespräche mit Kanada über eine mögliche Beteiligung an der neu geschaffenen Defence, Security and Resilience Bank (DSRB). Schatzkanzler John Healey erwägt aktiv einen Beitritt zu dem von Kanada initiierten globalen Investitionsinstitut, das darauf ausgerichtet ist, verbündeten Staaten den Zugang zu kostengünstigem Kapital für Rüstungsprojekte zu erleichtern.
Healeys Vorgängerin Rachel Reeves hatte eine Beteiligung an dem kanadischen Projekt zuvor entschieden abgelehnt. Reeves argumentierte, die Bank adressiere die spezifischen britischen Beschaffungsprobleme nicht und konzentriere sich stattdessen auf kleinere Rüstungsunternehmen in Ländern mit niedrigerer Bonität. Grossbritannien hält seit 2016 eine AA-Kreditwürdigkeit.
Healey hingegen gilt seit langem als Befürworter multilateraler Finanzierungsmechanismen. Bereits während seiner Amtszeit als Verteidigungsminister setzte er sich dafür ein, britische Beobachter bei den Verhandlungen von Kanadas Premierminister Mark Carney zu belassen, obwohl das Schatzamt diese internationalen Kontakte seinerzeit einschränken wollte. Nach Angaben aus Finanzkreisen trafen sich Healey und der kanadische Finanzminister François-Philippe Champagne am Rande eines G20-Gipfels in North Carolina, bevor weitere Gespräche in Grossbritannien anstanden.
Multilateral Defence Mechanism und Rachel Reeves
Parallel zu den Verhandlungen über die DSRB verfolgt London eigene Initiativen zur multilateralen Verteidigungsfinanzierung. Im Juli kündigte die damalige Schatzkanzlerin Rachel Reeves beim NATO-Gipfel in Ankara an, dass sich Grossbritannien gemeinsam mit den Niederlanden, Finnland und Polen an der Gründung des Multilateral Defence Mechanism (MDM) beteiligen werde. Für diesen neuen Kreditgeber sagte London eine anfängliche Einlage von 600 Millionen Pfund zu, um Einsparungen bei der Beschaffung von bis zu 20 Prozent zu erzielen.
Die DSRB verfolgt derweil das Ziel, ein Kapitalvolumen von rund 100 Milliarden Euro (entspricht rund 134 Milliarden US-Dollar) aufzubringen, um zinsgünstige Darlehen bereitzustellen. Kanada hat Grossbritannien offiziell als Gründungsmitglied eingeladen, nachdem im Juli bereits neun Staaten – darunter Albanien, Belgien, Griechenland, Lettland, Luxemburg, Rumänien, die Türkei und die Ukraine – ihre Unterstützung zugesagt hatten.
Mark Carney erklärte, dass die Defence, Security and Resilience Bank Investitionen freisetzen, die rüstungsindustrielle Basis stärken und sicherstellen werde, dass Kanada und seine Verbündeten gemeinsam über die Kapazitäten verfügen, um den Herausforderungen einer gefährlicheren und gespalteneren Welt zu begegnen. Mark Carney, Premierminister von Kanada
Linus Terhorst und das Royal United Services Institute
Analysten bewerten die internationale Aufstellung des Projekts verhalten optimistisch.

Linus Terhorst, Analyst beim Royal United Services Institute, erklärte, dass dies ein Anfang sei, aber man vielleicht auf die Rückendeckung grösserer europäischer Akteure gehofft habe. Im Prinzip könne man das mit diesen Zusagen auf den Weg bringen. Linus Terhorst, Analyst beim Royal United Services Institute
Regierungssprecher und die Defence Security Resilience Bank
Ein Regierungssprecher erklärte, dass Großbritannien voll und ganz entschlossen sei, gemeinsam mit internationalen Partnern die rüstungsindustrielle Kapazität auszubauen. Man arbeite eng mit kanadischen Verbündeten daran, sicherzustellen, dass sich der Multilateral Defence Mechanism und die Defence Security Resilience Bank ergänzen. Regierungssprecher, Grossbritannien

Das Vorhaben soll nach den Vorstellungen der beteiligten Staaten im Jahr 2027 den operativen Betrieb aufnehmen.
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