Durch ein milliardenschweres Offset-Geschäft zum Kampfjet F-35 erhält die ETH Zürich einen IBM-Quantencomputer. Das System soll bis Ende Jahr im Supercomputerzentrum in Lugano in Betrieb gehen. Der Rüstungskonzern Lockheed Martin zahlt die Hardware, während die ETH das Gerät rein für die Grundlagenforschung nutzt.
Der Kauf des Kampfjets F-35 durch die Schweiz zieht weite Kreise in der Technologie- und Forschungslandschaft. Wie Mitte September bekannt wurde, profitiert die ETH Zürich direkt von der Beschaffung: Die Hochschule bekommt einen modernen Quantencomputer des US-amerikanischen Herstellers IBM geschenkt, wie aus Berichten von SRF hervorgeht.
Finanzierung über Offset-Geschäfte von Lockheed Martin
Hinter dem ungewöhnlichen Geschenk stehen sogenannte Offset-Geschäfte. Der F-35-Hersteller Lockheed Martin hat sich im Kaufvertrag dazu verpflichtet, Gegengeschäfte im Wert von Milliarden in der Schweiz zu tätigen. Im Fall des F-35 beläuft sich diese Verpflichtung laut dem Bundesamt für Rüstung, Armasuisse, auf mindestens 60 Prozent des Vertragswerts beziehungsweise rund drei Milliarden Dollar.
Zwar investiert Lockheed Martin nicht zwangsläufig die gesamte Summe direkt in bar. Bei wichtigen Teilprojekten lässt Armasuisse einen Multiplikator von 1 bis 3 zu. Das erhöht die Anreize, in zukunftsgerichtete Bereiche zu investieren
, erklärt Thomas Friedli, Professor an der Universität St. Gallen, gegenüber SRF. Über die konkreten Kosten des Computers schweigen die Beteiligten, was laut dem Ökonomen typisch für den hochgradig intransparenten Markt der Offset-Geschäfte ist.
Einsatz im Supercomputerzentrum in Lugano
Die Hardware stammt vom US-Konzern IBM, während Lockheed Martin die Kosten übernimmt und sich das Projekt als Gegengeschäft anrechnen lässt. Bis Ende des Jahres soll der Rechner am ETH-Supercomputerzentrum in Lugano den Betrieb aufnehmen. Damit wird Lugano zum dritten Standort für das System ausserhalb der USA.
Armasuisse hat das Projekt abgesegnet, weil sich die Schweizer Armee langfristig Nutzen verspricht. Das Projekt stärke den Kompetenzaufbau im Bereich Quantencomputing in der Schweiz, teilt Armasuisse mit. Davon könnten die Armee und Armasuisse mittel- und langfristig profitieren, beispielsweise im Bereich Cyber und Kryptografie
. Quantencomputer bergen das Potenzial, gängige Verschlüsselungsmethoden zu knacken, was weltweit als künftiges Sicherheitsproblem gilt.
Grundlagenforschung statt Rüstungsforschung an der ETH
Trotz der militärischen Verknüpfung über den Kampfjet-Hersteller weist die ETH jegliche Rüstungsforschung von sich. Es ist explizit ausgeschlossen, diesen Computer für Rüstungsforschung zu nutzen
, betont ETH-Sprecher Markus Gross gegenüber SRF. Auf dem System dürfe ausschließlich Grundlagenforschung betrieben werden; einen direkten militärischen Nutzen habe das Gerät nicht.
Dennoch profitiert auch Lockheed Martin von der Kooperation. Zusammen mit IBM wollen die Rüstungsentwickler auf dem Quantencomputer eine neuartige Navigationsmethode erforschen, die auf Quantentechnologie basiert.
Wirtschaftliche Debatte um Mehrkosten und Zukunftstechnologien
Die Einbindung von Technologie- und Forschungsprojekten hat jedoch ihren Preis. Armasuisse schätzt, dass die Offset-Regelungen den Gesamtkauf der F-35-Kampfjets um 700 bis 800 Millionen Franken verteuern. Das Geld fließt neben dem Quantencomputer auch in andere sachfremde Projekte wie die Nanotechnologieforschung oder die Entwicklung synthetischer Flugtreibstoffe.
HSG-Professor Thomas Friedli bewertet diesen Umweg dennoch positiv. Es empfehle sich, auf solche Geschäfte einzulassen, da so gezielt Gelder in potenziell sicherheitsrelevante Forschungsfelder fließen. Wenn solche Kompetenzen in der Schweiz gestärkt werden, könne dies später in die einheimische Industrie einfließen und die Investitionen vervielfachen.
Die ETH und die Schweiz erhalten Zugang zu einer der modernsten Quanteninfrastrukturen der Welt.
Markus Gross, ETH-Sprecher