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Shingrix senkt laut Studie das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle

Wissenschaftler haben im Fachmagazin Nature überraschende Daten zur Gürtelrose-Impfung veröffentlicht. Demnach senkt der rekombinante Impfstoff Shingrix bei Menschen ab 60 Jahren offenbar deutlich das Risiko für Herzinfarkte, Herzinsuffizienz und Schlaganfälle.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Gefäßverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall naturgemäß an. Jüngste Auswertungen von Gesundheitsdaten werfen nun ein völlig neues Licht auf einen bereits bekannten Piks. Eine Untersuchung von Gesundheitsdaten von 70.000 Menschen ab 60 Jahren zeigt, dass die Schutzimpfung gegen Gürtelrose weit über die eigentliche Infektionsabwehr hinausgeht.

Millionen-Studie in Nature und der US-Impfstoffwechsel

Die Erkenntnisse stützen sich unter anderem auf ein großes natürliches Experiment in den USA, wo Ende 2017 ein rascher Wechsel der Vakzinen stattfand. Der bis dahin genutzte Lebendimpfstoff wurde von dem rekombinanten Totimpfstoff abgelöst. Dies erlaubte Forschergruppen einen präzisen Abgleich von jeweils rund 36.460 Patienten aus den Jahren 2017 und 2018. Während im Jahr 2017 noch 98,6 Prozent den Lebendimpfstoff erhielten, waren ein Jahr später 93,5 Prozent mit dem modernen Totimpfstoff immunisiert.

Während einer Nachbeobachtung von bis zu sieben Jahren zeigte sich, dass die kardiovaskuläre Krankheitslast in der überwiegend mit Shingrix geimpften Gruppe um neun Prozent geringer ausfiel. Der kombinierte Endpunkt umfasste ischämische Herzerkrankungen, Herzinsuffizienz und ischämische Schlaganfälle. Bei ischämischen Herzerkrankungen betrug der Unterschied zehn Prozent, bei Herzinsuffizienz sogar zwölf Prozent, während Vorhofflimmern mit einer um sieben Prozent geringeren Krankheitslast auftrat.

Oxford-Forscher: Effekt könnte enorm sein

Die Studienergebnisse zeigen zudem eine zeitliche Dynamik. Der positive Effekt auf das kardiovaskuläre System war in den ersten dreieinhalb Jahren nach der Impfung am stärksten ausgeprägt und verringerte sich im Laufe der Jahre bis zum Ende des Beobachtungszeitraums. Die weltweite Tragweite der Daten hebt Maxime Taquet hervor, Dozent an der Universität Oxford und Leiter der Untersuchung.

Shingrix senkt laut Studie das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle
Photo: Apotheken Umschau

„Sollte sich dies in klinischen Studien bestätigen, könnte die Impfung älterer Erwachsener gegen Gürtelrose weltweit Hunderttausende von koronaren Herzkrankheiten, Schlaganfällen und Herzinsuffizienzfällen verhindern. Damit wäre sie eine der wirksamsten Maßnahmen, die wir zum Schutz von Gehirn und Herz im höheren Alter anbieten könnten. Der Effekt könnte enorm sein.“

Maxime Taquet, Dozent an der Universität Oxford, via WELT

Als biologische Ursachen kommen laut den Studienautoren zwei Erklärungen in Betracht. Einerseits könnte eine überstandene Gürtelrose-Erkrankung das Risiko für Gefäßschäden und Herzinfarkte direkt erhöhen, weshalb die Verhinderung der Infektion durch den Impfstoff schützt. Andererseits könnte das Vakzin eine breitere immunologische Schutzwirkung entfalten und entzündungsfördernde Proteine im menschlichen Organismus unterdrücken.

Zusätzliche Hinweise zu Demenzdiagnosen

Neben den kardiovaskulären Daten liefert eine zweite im Fachjournal Annals of Internal Medicine veröffentlichte Untersuchung Hinweise auf einen potenziellen Nutzen für das Gehirn. Die Wissenschaftler analysierten die Daten von mehr als einer halben Million Menschen ab 66 Jahren aus über 5.500 Pflegeeinrichtungen in den USA. Innerhalb eines Vierjahreszeitraums wurde bei 18,8 Prozent der Geimpften eine Demenz festgestellt, verglichen mit 24,6 Prozent in der ungeimpften Kontrollgruppe.

Shingrix senkt laut Studie das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle
Photo: aponet.de

Nach statistischen Anpassungen errechnete sich daraus ein rund 24 Prozent geringeres Risiko für eine Demenzdiagnose. Dennoch mahnen Mediziner zur Vorsicht: Da es sich um Beobachtungsstudien und nicht um randomisierte klinische Studien handelt, ist ein direkter Kausalnachweis noch nicht erbracht. Geimpfte Personen waren in der Demenzstudie im Schnitt etwas jünger und gesünder, was statistisch bereinigt wurde, wenngleich weitere Rest-Einflussfaktoren fortbestehen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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