Vier Support-Acts haben Ed Sheerans US-Tour verlassen, nachdem Macklemore wegen pro-palästinensischer Aussagen aus dem Line-up geworfen wurde. Während Sheeran in Philadelphia solo auf der Bühne stand, demonstrierten Aktivisten vor dem Stadion. Ein irischer Radiosender boykottiert zudem die Musik des britischen Popstars.
Ed Sheerans Nord- und Südamerikatournee ist nach dem Ausschluss des Rappers Macklemore in eine schwere Krise geraten. Mehrere Gastkünstler erklärten ihren Rücktritt von den kommenden Konzerten, während vor dem Stadion in Philadelphia pro-palästinensische Demonstrierende zusammenkamen.
Der Rauswurf Macklemores und die Rolle von Robert Kraft
Der Eklat nahm während Sheerans Konzerten am 4. und 5. September im MetLife Stadium in East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey seinen Anfang. Macklemore, der als einer der Vorbands aufgetreten war, rief von der Bühne aus wiederholt Free Palestine
und spielte seinen Protestsong Hind’s Hall
. Daraufhin wurde der Rapper von der Tour genommen.
Macklemore erklärte auf Instagram, dass mehrere US-Stadionbetreiber dem Tourpromoter ein Ultimatum gestellt hätten. Demnach sei gedroht worden, Konzerte abzusagen, sollte der Rapper weiterhin Teil des Line-ups sein. Laut Macklemore trieb insbesondere Robert Kraft, der Besitzer der New England Patriots und des Gillette Stadiums, diesen Ausschluss voran.

Macklemore erklärte über Newsday, dass das, was in Israel und auf dem Nova-Musikfestival am 7. Oktober passiert sei, schrecklich gewesen sei und jahrhundertelanges jüdisches Leid verstärkt habe, während das, was in Gaza geschehe, katastrophal, unvertretbar und unverhältnismäßig sei.
Kraft verteidigte das Vorgehen in einer offiziellen Stellungnahme. Er begründete die Entscheidung mit den jüngsten Äußerungen des Rappers sowie einer breiteren Geschichte antisemitischer Rhetorik und Bildsprache, die auf die jüdische Gemeinschaft verletzend gewirkt habe. Der Promoter Messina Touring Group bestätigte ebenfalls, dass die Betreiber gedroht hatten, den Veranstaltungsort zu sperren, wodurch die gesamte Tournee gefährdet gewesen wäre.
Rücktritte von Support-Acts und Boykott im Radio
Sheerans Versuch, sich aus dem politischen Konflikt herauszuhalten, schlug fehl. Der britische Sänger erklärte in den sozialen Medien, die Entscheidung über den Rauswurf sei allein vom Promoter getroffen worden. Er selbst wolle weder seine Fans enttäuschen noch die Crew und die Musiker im Stich lassen, die auf die Auftritte angewiesen seien. Dennoch löste der Vorfall eine massive Kette von Absagen aus.

Mehrere Künstler begründeten ihren Schritt offen mit ihrer Haltung zum Gaza-Konflikt und ihrer irischen Herkunft. Finneas erklärte auf Instagram, Künstler dürften nicht zum Schweigen gebracht werden, wenn sie sich für die Unterdrückten starkmachten, und er habe beschlossen, von seinen bevorstehenden Tourneedaten mit Ed Sheeran zurückzutreten, da er an der Seite Palästinas und seines Volkes stehe.
Die Boykottwelle erfasste auch die Medienlandschaft. Wie Bay Broadcasting mitteilte, nimmt der irische Sender Classic Hits Radio die Musik von Ed Sheeran für die absehbare Zukunft aus dem Programm. Programmdirektor Dave Kelly erklärte, man wolle auf das Feedback der Hörerschaft reagieren und sich solidarisch mit den irischen Künstlern zeigen, die eine schwerwiegende berufliche Entscheidung aus eigener Überzeugung getroffen hätten.
Ed Sheerans Auftritt in Philadelphia und Proteste vor dem Stadion
Am Samstagabend kehrte Sheeran im Lincoln Financial Field in Philadelphia auf die Bühne zurück. Ohne jegliche Vorbands und ohne seine angestammte Begleitband spielte der Brite ein Solo-Set, das rein über seine Fußpedal-Loop-Station gesteuert wurde. Wegen der abgesagten Openers war der Konzertbeginn von 15:30 Uhr auf 20:00 Uhr verschoben worden.
Vor dem Stadion versammelten sich unterdessen rund 100 Demonstrierende zu einer Kundgebung, zu der Organisationen wie die Philly Palestine Coalition und Shut Down D&Z aufgerufen hatten. Aktivisten kritisierten sowohl Sheerans Festhalten an der Tour unter dem Deckmantel der Neutralität als auch die Beteiligung der Stadionbesitzer. Eine Teilnehmerin betonte, es handele sich um eine breitere Bewegung für palästinensische Leben, die erst dann stoppe, wenn Palästina frei sei.

Auf der Bühne selbst wandte sich Sheeran mit persönlichen Worten an das Publikum in Philadelphia. Er gestand ein, schwierige Entscheidungen treffen zu müssen, und äußerte sich direkt zum humanitären Leid im Nahen Osten.
Ed Sheeran erklärte über The Hollywood Reporter, dass das, was in Israel und auf dem Nova-Musikfestival am 7. Oktober passiert sei, schrecklich gewesen sei und jahrhundertelanges jüdisches Leid verstärkt habe, während das, was in Gaza geschehe, katastrophal, unvertretbar und unverhältnismäßig sei.
Sheeran fügte hinzu, er wolle sich nicht als politischer Kommentator positionieren, betonte aber gleichzeitig, dass es sich hierbei um eine humanitäre Frage handele, bei der er seine Gefühle nicht länger verbergen könne. Er stehe im Austausch mit verschiedenen Seiten, um herauszufinden, wie er einen Beitrag zur Unterstützung der Opfer leisten könne, während er gleichzeitig betonte, nicht genug über die Gesamtsituation zu wissen.
Verwandte Artikel