US-Präsident Donald Trump kämpft bei den Zwischenwahlen am 3. November 2026 um seine politische Zukunft. Angesichts sinkender Zustimmungswerte und drohender Mehrheitsverluste im Kongress stehen für das Weiße Haus sowohl die Gesetzgebung als auch der verbleibende Handlungsspielraum bis zum Ende der Amtszeit Anfang 2029 auf dem Spiel.
Die Mehrheit im Repräsentantenhaus steht auf dem Spiel
Am 3. November 2026 entscheidet sich, welche Partei die Kontrolle über die erste Kammer des amerikanischen Kongresses übernimmt. Die magische Zahl für eine Mehrheit im Repräsentantenhaus liegt bei 218 Sitzen. Die Demokraten gehen nach monatelangen Umfragen als Favoriten in das Rennen. Die politische Direktorin des Democratic Congressional Campaign Committee (DCCC), Brooke Butler, zeigte sich zuversichtlich und peilt sogar bis zu 240 Sitze an. Damit würde die aktuelle Zweistimmenmehrheit der Republikaner, bei der derzeit vier Vakanzen zu verzeichnen sind, deutlich gebrochen.
Um umkämpfte Wahlkreise für sich zu gewinnen, hat der Kongress-Wahlarm der Demokraten ein spezielles „Red to Blue-Programm aufgelegt. Dieses unterstützt mehr als 40 Kandidaten in Bezirken, die Donald Trump bei den Wahlen vor zwei Jahren mit mindestens 16 Prozentpunkten Vorsprung vor Kamala Harris für sich entschieden hatte. Das republikanische Pendant, das National Republican Congressional Committee (NRCC), kritisierte diesen Schritt scharf und erklärte in einer Stellungnahme, die Demokraten würden ihre Ressourcen überdehnen.
Kopf-an-Kopf-Rennen im US-Senat und die Rolle der Umfragen
Während das Repräsentantenhaus komplett neu gewählt wird, betrifft die Abstimmung im Senat etwa ein Drittel der insgesamt 100 Sitze, da Senatoren für sechs Jahre im Amt sind. In diesem Jahr stehen 35 Mandate zur Disposition. Die Republikaner müssen dabei 22 Sitze verteidigen, während die Demokraten 13 Mandate halten. Die Umfragen sehen zahlreiche Bundesstaaten fest in der Hand der jeweiligen Parteien, weshalb sich der harte Wahlkampf auf eine Handvoll hart umkämpfter Staaten konzentriert, in denen Meinungsforscher ein Patt voraussagen.
🇺🇸 "Ich denke, die Republikaner werden gewinnen, aber wenn es zu einem politischen Stillstand kommt, werde ich jedes Gesetz ablehnen, und die Demokraten werden kommen, um eine Einigung zu erzielen."Donald Trump hat seine Pläne im Falle einer Niederlage der Republikanischen… pic.twitter.com/3h4C6HqAwO
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Neben klassischen Umfragen richten Beobachter den Blick auf Daten des Wettanbieters Polymarket, deren Nutzer laut Berichten in der Vergangenheit oft nahe an den tatsächlichen Ergebnissen lagen. Während die Umfragen im Senat ein knappes Rennen zeigen, deuten die Polymarket-Zahlen auf deutliche Vorteile für demokratische Kandidaten in umkämpften Regionen hin. So sehen dort beispielsweise mehr als 60 Prozent der Nutzer Sherrod Brown in Ohio vorn, während in Alaska fast drei Viertel der Teilnehmer den dortigen demokratischen Kandidaten vorne sehen.
Der Druck sinkender Zustimmungswerte für den Präsidenten
Donald Trump ist die prägende Figur im Wahlkampf der Republikaner, steht jedoch massiv unter Druck. Seine Zustimmungswerte sind im Durchschnitt der Umfragen auf weniger als 40 Prozent gesunken – ein Wert, der niedriger liegt als zu jedem Zeitpunkt seiner ersten Amtszeit und dem Tiefpunkt in seiner aktuellen Regierungsperiode. Laut Umfragen finden nur gut 37 Prozent der befragten Amerikaner seine Amtsführung gut, während 60 Prozent sie ablehnen. Zu den Hauptbelastungen für die Wählerschaft gehören neben dem unpopulären Krieg gegen den Iran auch hohe Benzin- und Lebensmittelpreise, die trotz eines starken Wirtschaftswachstums von 3,4 Prozent im abgelaufenen Quartal die Konsumentenstimmung im Oktober drückten.
Um die Wähler zu mobilisieren, tourte der Präsident durch das Land. In Ohio und Texas sowie an weiteren Stationen warb er persönlich für die konservativen Kandidaten. Während seiner stundenlangen Wahlkampfauftritte forderte er seine Anhänger auf, ihn selbst als Teil des Stimmzettels zu betrachten. Zur Motivation versprach er, dass die Regierung bei einer Verteidigung der Mehrheiten in beiden Kammern jedem erwachsenen Amerikaner 5000 Dollar auszahlen werde.
Das sind die wichtigsten Zwischenwahlen in der Geschichte unseres Landes.

Nicht alle Parteifolgen teilen diese Nähe. Angesichts der schwachen Umfragewerte halten sich einige republikanische Kandidaten in umkämpften Regionen demonstrativ von Trump fern. Ein prominentes Beispiel ist Susan Collins, die seit fast 30 Jahren den Bundesstaat Maine im Senat vertritt. Sie gilt als moderate Republikanerin, die sich um Distanz bemüht, um in ihrem Bundesstaat nicht von den Beliebtheitswerten des Präsidenten nach unten gezogen zu werden.
Auslandamerikaner und die internationale Perspektive auf den Urnengang
Die Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik treibt auch Wähler außerhalb der Vereinigten Staaten an. In der Schweiz registrierten Medien ein gestiegenes Interesse von Auslandamerikanern, die per Briefwahl oder Online-Verfahren an den Midterms teilnehmen. Während einige Wähler wie der in der Schweiz lebende Martin zum ersten Mal überhaupt ihre Stimme abgaben, um auf politische Veränderung zu hoffen, unterstützen andere die Republikaner wegen deren Wirtschafts- und Migrationspolitik.
Wenn in den USA Anfang November die Zwischenwahlen abgehalten werden, könnte es für Donald Trump und seine Republikaner eng werden – nun wiederholte der US-Präsident seine Behauptung, die Abstimmungen seien korrupt und anfällig für Manipulation. https://t.co/13UY6h6FFL pic.twitter.com/K9a3dtY6gK
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Gleichzeitig äußern langjährige US-Bürger im Ausland Sorgen über die institutionelle Entwicklung und das Verhältnis zu langjährigen Verbündeten wie Kanada. Für viele registrierte Wähler jenseits der US-Grenzen sind diese Zwischenwahlen eine Möglichkeit, der aktuellen Regierung etwas entgegenzusetzen.
Gesetzgebung, Vetomacht und das Risiko einer lame duck
Die Bedeutung der Kongresswahlen zeigt sich unmittelbar im Gesetzgebungsprozess. Gesetzesvorlagen müssen sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat verabschiedet werden, ehe sie dem Präsidenten zur Unterschrift vorgelegt werden. Eine demokratische Mehrheit in einer oder beiden Kammern würde Trumps Handlungsspielraum erheblich einschränken und ihn zu einer lame duck
(lahmen Ente) machen. Vorhaben wie der im Jahr 2025 durchgesetzte One Big Beautiful Bill Act
wären in dieser Form bei veränderten Mehrheitsverhältnissen nicht zustande gekommen.
Ein Verlust der Kongressmehrheiten würde den Präsidenten in seinen verbleibenden Amtsjahren stark auf Präsidialerlässe verweisen, auch wenn das Weiße Haus in Budgetfragen weiterhin auf den Kongress angewiesen bleibt.