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Welt

Papst Leo XIV. gibt als erster Pontifex Stimme ab

Papst Leo XIV. hat als erster Pontifex in der Geschichte der Vereinigten Staaten an einer allgemeinen US-Wahl teilgenommen und in seiner Heimatstadt Chicago einen Briefwahlzettel für die Zwischenwahlen am 3. November 2026 eingereicht.

Der in Chicago geborene Pontifex, bürgerlich Robert Francis Prevost, machte von seinem verfassungsmäßigen Recht als US-Bürger Gebrauch, wie das Presseamt des Heiligen Stuhls am Freitag bekannt gab. Das vatikanische Statement betonte das langjährige Engagement des Papstes für die zivile Teilnahme und verwies darauf, dass Leo bereits während seiner langjährigen Tätigkeit in Peru bei jeder berechtigten Gelegenheit gewählt habe.

Der vom Vatikan bestätigte Schritt markiert eine historische Premiere für das Papsttum.

Pope Leo Makes Vatican Voting History in US Midterm Election - Newsweek
Foto: Newsweek

Papst wählt im Bundesstaat Illinois

Der Stimmzettel des Kirchenoberhaupts wurde in New Lenox im US-Bundesstaat Illinois eingereicht, wo Robert F. Prevost offiziell als Wähler registriert ist und sein älterer Bruder John lebt. Kim Fladhammer, Stabschefin des Wahlbüros im Will County, bestätigte gegenüber lokalen Medien, dass der Name des Papstes auf der offiziellen Liste der Briefwähler geführt wird. Die Beantragung der Briefwahlunterlagen erfolgte bereits am 3. Oktober durch den Pontifex.

Dieser Zeitpunkt fiel exakt zehn Tage vor einen medizinischen Eingriff im Agostino-Gemelli-Universitäts-Krankenhaus in Rom, bei dem Papst Leo am 14. Oktober ein bösartiger Tumor aus dem rechten Lunge entfernt wurde. Nach seiner Entlassung aus der Klinik am 17. Oktober hat er seine Amtsgeschäfte im Vatikan schrittweise wieder aufgenommen. Wie die Stimmabgabe logistisch von Rom aus in den US-Bundesstaat gelangte, blieb zunächst offen, obwohl der Bruder des Papstes in jener Woche mit einer Pilgergruppe aus New Lenox in Rom weilte.

Politisches Profil des ersten amerikanischen Papstes

Die Wählerschaft in Illinois entscheidet bei den anstehenden Midterms über die Nachfolge des ausscheidenden US-Senators Dick Durbin sowie über die Gouverneurskampagne von JB Pritzker, mit dem der Papst im November 2025 bereits im Vatikan zusammengetroffen war. Auf dem Stimmzettel des Pontifex stehen zudem Kongresswahlen und lokale Ämter.

Pope Leo MAKES HISTORY in US midterm elections

Aus den Unterlagen der Wahlkommission in Illinois geht hervor, dass sich das politische Profil von Robert Prevost über die Jahre gewandelt hat. Während seiner Zeit im stark demokratisch geprägten Cook County forderte er 2008 und 2010 demokratische Vorwahlscheine an. Nach seinem Umzug in das konservativere Will County wechselte er zu republikanischen Vorwahlen in den Jahren 2012, 2014 und 2016. Bei allgemeinen Wahlen blieb seine Parteizugehörigkeit im Wählerverzeichnis jedoch stets als nicht deklariert vermerkt.

Der Heilige Vater drückt seine Überzeugung vom Recht und der Pflicht der Bürger aus, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen.

Das Presseamt des Heiligen Stuhls, Offizielle Erklärung

Reaktionen in Washington und völkerrechtliche Einordnung

Die Entscheidung des Papstes stößt in den Vereinigten Staaten auf ein geteiltes Echo aus religiösen und politischen Lagern. Chieko Noguchi, Direktorin für Öffentlichkeitsarbeit der US-Bischofskonferenz, erklärte, dass der Heilige Vater mit seinem Handeln ein Beispiel zur Ausübung der staatsbürgerlichen Verantwortung gebe und Katholiken dazu aufrufe, ihren Glauben vor die Politik zu stellen.

Pope leo return after surgery
Foto: Fox News

Völkerrechtler und Beobachter analysieren derweil die Einordnung des Vorgangs. Als Staatsoberhaupt des Vatikanstaates, der als absolute Monarchie keine politischen Wahlen kennt, besitzt Leo XIV. neben seiner US-Staatsbürgerschaft auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Nach den Bestimmungen des Lateranvertrags von 1929 und den Regeln des Völkerrechts kollidiert die private Stimmabgabe als US-Bürger formal jedoch nicht mit der internationalen Neutralität des Heiligen Stuhls, da es sich um die Ausübung persönlicher Bürgerrechte handelt.

Spannungen mit der US-Regierung unter Donald Trump

Die historische Stimmabgabe fällt in eine Phase politischer Spannungen zwischen dem Pontifex und der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Seit seiner Papstwahl im Mai 2025 kam es mehrfach zu offenen Auseinandersetzungen. Trump kritisierte den Papst scharf für dessen wiederholte Verurteilung des US-israelischen Krieges im Iran sowie für die Kritik an der harten Einwanderungspolitik und den Massenabschiebungen der US-Behörden. Im Frühjahr hatte der US-Präsident den Papst öffentlich als schwach bezeichnet.

Papst Leo reagierte auf die Angriffe damals im Flugzeug auf dem Weg nach Algerien unerschrocken und erklärte gegenüber Journalisten, er fürchte weder die US-Regierung noch das lautstarke Verkündigen der Evangeliumsbotschaft. In den vergangenen Monaten haben sich die Wogen laut Angaben des vatikanischen Außenministers, Erzbischof Richard Paul Gallagher, leicht geglättet, um Missverständnisse auszuräumen und das Vertrauen wiederherzustellen.

Photo illustration of Pope Leo
Foto: Axios

Ob der Papst seine Stimme für bestimmte Kandidaten abgegeben hat, bleibt auch nach der Bestätigung des Stimmzettel-Eingangs ein streng gehütetes Geheimnis des Vatikans.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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