Australia hat am Sonntag den ersten H5N1-Vogelgrippefall bei einem einheimischen Säugetier bestätigt. Das hochpathogene Virus wurde bei einem tot aufgefundenen Seebären in Südaustralien nachgewiesen, was nach einer Welle von Seevogelsterben eine spürbare Verschärfung der landesweiten Epidemie markiert.
Die Behörden haben den ersten Nachweis der aviären Influenza bei einem Säugetier auf dem australischen Festland gemeldet. Betroffen ist ein langnasiger Seebär, der bereits am Mittwoch tot an der Limestone Coast in Beachport entdeckt wurde. Das Tier wies keine Anzeichen von Verletzungen auf und wurde von einem aufmerksamen Passanten über eine Notfall-Hotline gemeldet, wie das südaustralische Ministerium für Primärindustrie und Regionen mitteilte.
Zwar war der Fund für die Regierung keine gänzliche Überraschung, er unterstreicht jedoch die Dynamik des Ausbruchs. Die Bundeslandwirtschaftsministerin Julie Collins erklärte dazu vor Medienvertretern, dass ein solcher Fall angesichts der hohen Infektionsraten bei Wildvögeln zu erwarten gewesen sei. Gleichzeitig betonte sie, dass das Risiko für die menschliche Bevölkerung weiterhin als niedrig eingeschätzt wird.
<Vom subantarktischen Heard Island bis zum australischen Festland
>>Vom subantarktischen Heard Island bis zum australischen Festland
Australien blieb als letzter Kontinent lange Zeit von der Virusvariante verschont, bis die Seuche im Spätjahr 2025 erstmals auf der subantarktischen Insel Heard Island auftrat. Dort forderte das Virus einen verheerenden Tribut: Mehr als 13.000 Seebärenbabys starben nach Angaben der südaustralischen Umweltministerin Emily Bourke auf der Insel, was etwa 75 Prozent der dortigen Welpenpopulation entsprach.
Im Juni dieses Jahres erreichte die hochpathogene Influenza schließlich das australische Festland. Seither hat sich das Geschehen rasant ausgebreitet. Bundesministerin Collins bezifferte die Gesamtzahl der registrierten Ausbrüche im Land auf 298.
Besonders die Küstenregionen geraten zunehmend in den Fokus. Erst kurz vor dem Fund des Seebären hatten die Behörden in Südaustralien drei Massensterben auf abgelegenen vorgelagerten Inseln gemeldet, bei denen mehr als 1.000 Haubenseeschwalben ums Leben kamen. Auch auf Kangaroo Island wurde ein Zwergpinguin positiv auf das Virus getestet.
<Sorge um den Bestand der australischen Seelöwen
>>Sorge um den Bestand der australischen Seelöwen
Naturschützer und Experten blicken mit großer Sorge auf die kommenden Wochen. Jack Gough, der Geschäftsführer des Invasive Species Council, warnte vor dramatischen Folgen für andere heimische Meeressäuger. Er erinnerte an die Ereignisse in Südamerika, wo das Virus unter Elefantenrobben zu extrem hohen Verlusten führte, und bezeichnete die Lage als potenzielles Aussterbe-Ereignis für den Bestand der stark gefährdeten australischen Seelöwen, von denen es schätzungsweise weniger als 10.000 geschlechtsreife erwachsene Tiere gibt.
Wir befinden uns erst im Anfangsstadium dieses verheerenden Virus, und die schlechten Nachrichten für unsere Tierwelt werden weitergehen, während es sich auf dem Kontinent und zwischen den Arten ausbreitet. Jack Gough, Invasive Species Council
Auch die Politik sucht nach Wegen, um die einheimischen Populationen zu schützen. Südaustraliens Umweltministerin Emily Bourke kündigte an, dass die Landesregierung gemeinsam mit dem Bund prüfen werde, ob ein experimenteller Impfstoff aus den Vereinigten Staaten für gefährdete Säugetiere infrage kommt. Gleichzeitig schränkte sie ein, dass es weltweit bislang kein universelles Mittel zur Eindämmung des Virus bei Wildtieren gibt.
<Vorsichtsmaßnahmen und offizielle Handlungsempfehlungen
>>Vorsichtsmaßnahmen und offizielle Handlungsempfehlungen
Während die Bundesregierung betont, dass es bislang keinerlei Nachweise in der Geflügelwirtschaft oder der Landwirtschaft gibt, appellieren die Behörden an die Bevölkerung, strikte Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten.

Skye Fruean, die leitende Tierärztin Südaustraliens, wies darauf hin, dass vor allem Aasfresser und Raubtiere durch den Kontakt mit infizierten Tieren gefährdet sind. Haustierbesitzer wurden aufgefordert, Hunde an der Lehle zu führen und Katzen im Haus zu halten. Bürger, die kranke oder tote Wildtiere entdecken, werden nachdrücklich gebeten, diese keinesfalls zu berühren, sondern den Fundort den zuständigen Behörden unter der offiziellen Internetadresse birdflu.gov.au zu melden.
Weiterlesen