Anthropic hat eine Forschungsvorschau für den neuen Model Hardware Standard (MHS) gestartet. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Spezifikation und einheitliche Schnittstelle, die es künstlichen Intelligenzen und KI-Agenten erleichtern soll, programmierbare physische Geräte in wissenschaftlichen Laboren und der fortschrittlichen Fertigung sicher zu bedienen. Die Entwicklung von MHS begann als Zusammenarbeit zwischen Anthropic und dem HHMI Janelia Research Campus.
Anthropic führt Model Hardware Standard für KI-Agenten in Laboren und der Industrie ein
Laut dem Unternehmen soll der Standard ähnlich wie ein USB-C-Kabel funktionieren, indem er die Informationsübertragung und Kommunikation zwischen verschiedenen Geräten vereinheitlicht. Bisher benötigen Labore und Produktionsstätten oft Wochen oder Monate, um Hardware zu integrieren, da die meisten Geräte nicht miteinander kommunizieren und maßgeschneiderte Integrationen von Spezialisten erfordern. Mit dem neuen Standard wird dieser Integrationsaufwand auf Stunden oder Minuten reduziert.
Autonome Experimente und geräteübergreifende Steuerung
Der neue Standard unterstützt programmierbare Geräte wie Mikroskope, Flüssigkeits-Handler, Quantencomputing-Hardware, Fabrikationsmaschinen und Roboterarme. KI-Agenten können diese Instrumente parallel steuern und komplexe Aufgaben von Routineexperimenten in der Wirkstoffforschung bis hin zur Laser-Kalibrierung auf einem Quantencomputer ausführen. In Demonstrationen zeigte sich beispielsweise, wie ein Modell wie Claude einen Laser anpasste, die Ergebnisse über eine separate Kamera überprüfte und den Prozess wiederholte, um das System automatisch zu kalibrieren.
Ein weiteres Beispiel betrifft Mikroskope: Das System kann ein Mikroskop fokussieren, die Ergebnisse analysieren, den zu beobachtenden Bereich bestimmen und das Gerät automatisch dorthin steuern. Darüber hinaus können MHS-fähige Modelle Schritte geräteübergreifend durch das Schreiben von API-Skripten und das Anpassen an reale Bedingungen sequenzieren, ohne jeden Schritt einzeln durchdenken zu müssen. Nach Angaben von Elizabeth Kelly, der Leiterin für vorteilhafte Einsätze bei Anthropic, wurde der Standard zwar für die Wissenschaft entwickelt, bietet jedoch auch erhebliche Vorteile für Unternehmen und die Industrie.
Technische Funktionsweise und standardisiertes Tagging
Das System nutzt einen standardisierten Treiber als Software-Übersetzer zwischen dem Betriebssystem eines Computers und dem Hardware-Gerät. Dieser Treiber verwendet einfache Grundbefehle wie „lesen (zum Beispiel zum Abrufen der Temperatur) oder „schreiben“ (zum Einstellen der Temperatur), die von jedem Gerät verstanden werden. Zusätzlich enthält der Standard ein standardisiertes Tagsystem, mit dem reale physikalische Einschränkungen und Eigenschaften von Geräten wie Gewicht, Reichweite, einstellbare Parameter und erzwungene Sicherheitsgrenzen in natürlicher Sprache beschrieben werden können.”

Diese Informationen fließen in eine Referenzdatei ein, die dem KI-Modell wichtige Daten über ein Gerät liefert, selbst wenn das Modell zuvor keine Trainingserfahrung damit hatte. Der Ansatz ist modellunabhängig, womit Nutzer nicht an die Claude-Modelle von Anthropic gebunden sind, und lässt sich über Standardprotokolle wie das Model Context Protocol ansprechen.
Erste Partner und Zukunftspläne für Open Source
In der aktuellen Testphase arbeitet Anthropic mit einer ersten Gruppe wissenschaftlicher Forschungslabore und fortgeschrittener Hersteller zusammen. Dazu gehören Partner wie Amazon Web Services (Strands Robots), Hugging Face (LeRobot), Raspberry Pi, Automata und Universal Robots. Diese Partner sollen dabei helfen, Sicherheitsevaluierungen aufzubauen und bewährte Verfahren für den Betrieb physischer Geräte durch KI-Systeme zu entwickeln.

Langfristig plant das Unternehmen, den Standard als Open-Source-Projekt und unabhängig von bestimmten Agenten breiter zugänglich zu machen, sodass Gerätehersteller in verschiedenen Branchen ihn übernehmen können.
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