Aktivisten der Initiative Rechenzentren Nein Danke! haben am Sonntagvormittag das Dach der Baustelle für ein geplantes Google-Rechenzentrum im oberösterreichischen Kronstorf besetzt. Etwa 15 Personen forderten mit Transparenten und Rauchfackeln einen sofortigen Baustopp. Das Projekt steht wegen seines massiven Energie- und Wasserverbrauchs in der Kritik.
Dachbesetzung und Protestkundgebung in Kronstorf
Der Sonntag auf der Baustelle im oberösterreichischen Kronstorf verlief alles andere als ruhig. Seit Sonntagfrüh herrscht auf der Baustelle des geplanten Google-Rechenzentrums in Kronstorf (OÖ) Protest. Aktivisten der Initiative Rechenzentren Nein Danke!
besetzten nach eigenen Angaben gegen 8.20 Uhr das Dach der Baustelle. Gleichzeitig findet vor der Baustelle eine Kundgebung statt, die sich mit den Protestierenden solidarisiert. Dabei schwenkten rund 15 Personen teils auch Rauchfackeln, wie Bilder zeigen. Vor dem Gelände findet zudem eine Kundgebung zur Unterstützung der Aktion statt.
Die Protestierenden trugen ein Transparent mit der Aufschrift Rechenzentrum? Nein, dank!
in Versalien zur Schau und forderten einen „Baustopp jetzt. Hinter der Aktion steht die Initiative
Rechenzentren Nein Danke!“, deren Mitglieder von der oberösterreichischen Landesregierung sowie der Bundesregierung einen sofortigen Baustopp in Kronstorf und bei weiteren geplanten Rechenzentren in Österreich fordern.
Kritik an enormem Ressourcen- und Energiebedarf
Im Mittelpunkt der Proteste stehen der geplante Bau sowie dessen möglicher Energie- und Ressourcenverbrauch. Auf einer Gesamtfläche von 50 Hektar Betriebsbaugebiet, das der US-IT-Gigant vor Jahren erworben hat, soll der sogenannte Google-Campus entstehen. Die Gegner des Ausbaues des Rechenzentrums beklagen einen irrwitzigen Boden- und Energieverbrauch
des Vorhabens und sorgen sich zudem vor steigenden Strompreisen, ging aus einer Attac-Aussendung hervor.
Konkret geht es ihnen um die Verhinderung der zweiten Ausbaustufe des Google-Rechenzentrums in der Gemeinde im Bezirk Linz-Land. Ende Juli waren bei der Gemeinde und bei der Bezirkshauptmannschaft die Anträge für die gewerberechtliche Genehmigung eingebracht worden. Die Dimensionen des Projekts sorgen bei Kritikern für heftige Reaktionen. Aktivisten behaupten, das Rechenzentrum würde mehr Strom benötigen als sämtliche Haushalte Oberösterreichs zusammen.

Für die Kühlung sollen demnach täglich bis zu 17,5 Millionen Liter Wasser aus der Enns entnommen werden. Rund 5,8 Millionen Liter sollen anschließend mit einer Temperatur von etwa 30 Grad wieder in den Fluss gelangen. Die Initiative verweist außerdem auf mögliche Belastungen durch Lärm und Wärme sowie steigende Strompreise.
„Die Klimakatastrophe ist in vollem Gange. Dürresommer mit Rekordtemperaturen, hunderten Hitzetoten und Landwirtschaftsschäden in Milliardenhöhe werden zur neuen Normalität. In dieser Zeit können wir uns keine Hyperscaler mit irrwitzigem Energie- und Bodenverbrauch leisten. Daher sagen wir Rechenzentren Nein Danke – keine KI-Bunker in der Klimakrise“
Sprecherin der Initiative Rechenzentren Nein Danke!
Sorgen vor militärischer KI-Nutzung und Forderungen nach Transparenz
Ein weiterer zentraler Punkt betrifft Künstliche Intelligenz: Die Aktivisten wollen verhindern, dass Rechenzentren in Österreich zum Training von Militär- und Überwachungstechnologien eingesetzt werden. Wir lehnen die Verwendung von KI für Überwachung und militärische Zwecke grundsätzlich ab – egal ob in Kronstorf oder an anderen Standorten
, erklären die Aktivist*innen. In ihrer Aussendung verweisen sie dabei auf Verträge von Google mit dem Pentagon sowie auf das Projekt Nimbus für die israelische Regierung. Daraus leitet die Initiative schwere Vorwürfe gegen den Konzern ab.

Außerdem sollen Baupläne und die geplante Verwendung solcher Anlagen offengelegt werden. Die Aktivistinnen und Aktivisten verlangen zudem, dass in österreichischen Rechenzentren keine Militär- und Überwachungstechnologien trainiert werden.
Unterstützung durch die NGO Attac
Globalisierungskritikerinnen und -kritiker der NGO Attac unterstützten den Protest, erklärten sich mit der Aktion solidarisch und verbreiteten die Presseinformation der Initiative. Als „Hyperscaler“ werden große Anbieter von Cloud-Computing- und Datenspeicherdiensten bezeichnet. Attac-Sprecher David Walch fordert unterdessen eine stärkere öffentliche Kontrolle digitaler Infrastruktur.
„Die rasante technologische Entwicklung darf nicht zu noch mehr digitaler Überwachung, Polarisierung, Spekulation und Ressourcenverbrauch führen. Digitale Infrastruktur muss als öffentliches Gemeingut verstanden und demokratisch kontrolliert werden.“
David Walch, Attac-Sprecher
Daher brauche es auch einen Stopp fürs Rechenzentrum in Kronstorf.