Zum Inhalt springen
Welt

Putin-Gesandter plant Gespräche mit AfD über Nord Stream

Der Wirtschaftsgesandte des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Kirill Dmitriev, plant für Anfang 2027 in Ländern wie Israel oder den Vereinigten Arabischen Emiraten Gespräche mit der AfD-Führung um Alice Weidel und Tino Chrupalla, um die Wiederaufnahme von Gaslieferungen über Nord Stream nach Deutschland zu erörtern.

Ein Wirtschaftsgesandter des russischen Präsidenten Wladimir Putin bereitet für das kommende Jahr Gespräche mit der Führung der Alternative für Deutschland vor. Laut Angaben von zwei mit dem Plan vertrauten Personen, über die Reuters exklusif berichtete, sollen die Verhandlungen über die Rückkehr russischer Gaslieferungen für Europas größte Volkswirtschaft bereits für März 2027 anvisiert sein.

Treffen in Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Indien im Gespräch

An dem geplanten Treffen sollen nach Angaben der Informanten Kirill Dmitriev, ein enger Berater Putins und Leiter des russischen Staatsfonds, sowie die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla teilnehmen. Als mögliche Austragungsorte für den Gipfel wurden Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Indien genannt. Ein Sprecher der AfD sowie ein Vertreter von Dmitriev lehnten eine Stellungnahme zu den Berichten ab.

Die Vorbereitungen für das Treffen verdeutlichen die engen Verbindungen zwischen Moskau und der AfD. Obwohl die Partei durch einen Cordon sanitaire der etablierten Parteien von der Regierungsverantwortung ausgeschlossen ist, führt sie derzeit die Wählergunst in Deutschland an. Vor den westlichen Sanktionen, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 verhängt wurden, bezog Deutschland mehr als die Hälfte seines Erdgasbedarfs sowie über ein Drittel seiner Rohölimporte aus Russland.

Bedingungen für ein Gipfeltreffen und Reaktionen in den USA

Den Quellen zufolge soll das Treffen jedoch an eine Bedingung geknüpft sein: Es soll erst stattfinden, wenn zwischen Russland und der Ukraine ein Friedensrahmen vereinbart worden ist. Zudem hegten die Organisatoren die Hoffnung, Vertreter aus den Vereinigten Staaten einzubinden. In diesem Zusammenhang wird spekuliert, ob die US-Vertreter Steve Witkoff und Jared Kushner teilnehmen könnten, die Dmitriev diesen Monat in Moskau getroffen hatte. Ein hochrangiger US-Beamter erklärte jedoch gegenüber Reuters, dass Witkoff und Kushner weder über den Gipfel informiert noch dazu eingeladen worden seien.

Die Organisatoren beabsichtigen, bei dem Treffen die Wiederinbetriebnahme der beschädigten Ostsee-Pipelines Nord Stream zu prüfen. Robert Agee, Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Russland (AmCham Russia), begrüßte die Initiative als a positive and timely step, durch den Deutschland als europäische Wirtschaftsmacht in eine breitere Plattform eingebunden werden könne.

„Involving Germany as a key European economy can create a broader platform for discussing issues that are significant both for these countries and for the rest of the world,“

Robert Agee, President of AmCham Russia

Harte Kritik von Regierung und Opposition in Berlin

In Deutschland stoßen die Pläne auf scharfen Widerstand. Michael Kellner, ein Grünen-Politiker und ehemaliger parlamentarischer Staatssekretär, der während der Energiekrise zuständig war, warnte eindringlich vor einer erneuten Abhängigkeit.

„Germany cannot become dependent on Russia again,“ „We cannot repeat the mistakes of the energy crisis,“ „It cost us €50 billion. We cannot want to go back to that. It would be treason. Putin is using the AfD to his own ends.“

Michael Kellner, Green lawmaker

Auch Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter der CDU/CSU von Kanzler Friedrich Merz, kritisierte das Vorhaben scharf. Er erklärte, das Treffen könne diejenigen in seiner Partei ermutigen, die ebenfalls eine Rückkehr zu russischem Gas befürworten. Eine Wiederinbetriebnahme von Nord Stream bezeichnete er als a disaster for European security, die Deutschland isolieren würde.

Wahlkampfthema Energiepreise und politische Spaltung

Die AfD hat ihre Forderung nach billigerem russischem Gas als pragmatisch dargestellt. Co-Chefin Alice Weidel bezeichnete cheap energy from Russia im vergangenen Juni in einem Interview mit Reuters als the secret of the success of ‚Made in Germany‘. Die Partei erhofft sich von dem Vorstoß, ihre außenpolitische Kompetenz zu unterstreichen und die amtierende Bundesregierung wegen ausbleibender Maßnahmen gegen hohe Energiepreise zu kritisieren.

Die Debatte trifft auf ein politisch gespaltenes Land, in dem vor allem die ostdeutschen Bundesländer, die bis zum Fall der Berliner Mauer unter sowjetischer Herrschaft standen, traditionell kritischer auf die US-geführte Schutzmacht und teilweise sympathisierender auf Moskau blicken. Die AfD hat jüngst bei Landtagswahlen Erfolge verzeichnet und stellt in Sachsen-Anhalt die stärkste Kraft; am kommenden Sonntag steht eine weitere Wahl in Mecklenburg-Vorpommern an, jenem Bundesland, in dem die Nord-Stream-Pipelines an Land gehen.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.