Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag findet 2026 am Sonntag, den 20. September, in fast der ganzen Schweiz statt.
Am dritten Sonntag im September steht die Schweiz vielerorts still. In diesem Jahr fällt der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag auf den 20. September 2026. Eine Ausnahme bildet Genf: Dort gibt es den Genfer Bettag bereits am Donnerstag nach dem ersten Sonntag im September. Während der Name für manche etwas sperrig klingen mag und fast wie eine amtliche Anordnung wirkt, beschreibt er im Kern eine Einladung zum bewussten Innehalten. Das betonte unter anderem Bundesrat Martin Pfister, Primarlehrer, Oberst im Militärrang und Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), in seiner Ansprache in der Wandelhalle des Bundeshauses in Bern am 17. September 2026.
Historische Wurzeln und der Weg zum gemeinsamen Feiertag
Die Geschichte des Bettags reicht weit ins Spätmittelalter zurück. Solche Buss- und Bettage wurden in der Schweiz schon damals besonders in schwierigen Zeiten angeordnet. Nach Seuchen, Kriegen, Naturkatastrophen oder politischen Krisen sollten sich die Menschen gemeinsam besinnen. So wurde beispielsweise 1651 wegen des schweren Zürcher Erdbebens des Vorjahres ein Bettag begangen.
Lange Zeit feierten katholische und reformierte Kantone ihre Bettage an unterschiedlichen Terminen und feierten diese teilweise auch an unterschiedlichen Daten. 1797 wurde erstmals ein gemeinsamer Bettag der katholischen und reformierten Kantone abgehalten. Den entscheidenden Meilenstein setzte schliesslich die Tagsatzung im Jahr 1832, als sie den dritten Sonntag im September als Termin festlegte. Seine heutige politische Bedeutung erhielt der Tag nach der Gründung des Bundesstaates 1848, kurz nachdem sich im Sonderbundskrieg katholisch-konservative und liberale Kantone noch bewaffnet gegenübergestanden hatten. Der Bettag sollte deshalb mehr sein als ein religiöser Anlass: Er sollte die politisch und konfessionell gespaltene Schweiz zusammenbringen und den Respekt gegenüber Menschen mit anderen politischen und religiösen Überzeugungen fördern.
Regeln, Ruhetage und kantonale Ausnahmen
Als staatlich angeordneter und überkonfessioneller Feiertag wird der Bettag von den christlichen Kirchen sowie der Israelitischen Kultusgemeinde begangen. An manchen Orten finden heute auch interreligiöse Feiern statt. Der Bettag gilt in der ganzen Schweiz als öffentlicher Ruhetag. Da er aber ohnehin auf einen Sonntag fällt, bedeutet das für die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer allerdings keinen zusätzlichen freien Tag. Eine Ausnahme bildet die Westschweiz: In Waadt und Neuenburg sowie in einem Teil des Berner Juras ist auch der Montag nach dem Bettag arbeitsfrei. Gesetzlich als arbeitsfreier Feiertag anerkannt ist der Montag allerdings nur im Kanton Waadt.
Bundesrat Martin Pfisters Aufruf zur Dankbarkeit und Selbstreflexion
In seiner Ansprache in der Wandelhalle des Bundeshauses erklärte Bundesrat Martin Pfister, dass der Name dieses Feiertags etwas sperrig töne und fast wie eine staatliche Instruktion zum Beten wirke, aber kein Tagesbefehl sei, sondern eine Einladung, die ortsübliche Hektik zu unterbrechen und innezuhalten, um zu denken und zu danken. In der Politik gehöre Danken nicht unbedingt zum Tagesgeschäft, so Pfister, der anfügte: «Wenn etwas gelingt, war es der Verdienst der eigenen Partei. Wenn etwas misslingt, das Versagen der anderen Parteien. Und wenn niemand genau weiss, wer schuld ist, war es vermutlich der Bundesrat…»
Er verwies darauf, dass die Schweiz eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt habe: Wenn der Zug drei Minuten Verspätung habe, könne man sich ziemlich laut echauffieren, während man bei Pünktlichkeit nichts sage, obwohl es bemerkenswert sei, dass in dem Land jeden Morgen Tausende von Zügen fahren, Strom aus der Steckdose komme, sauberes Trinkwasser aus dem Hahn fliesse und man sich darauf täglich verlassen könne. «Dankbarkeit beginnt vielleicht dort, wo wir das Selbstverständliche wieder für bemerkenswert halten», hielt Pfister fest, und merkte an, dass die Schweiz seit 200 Jahren von der Weltgeschichte ziemlich pfleglich behandelt wurde. Dazu gehöre auch die Tatsache, dass man in diesem Land Politikerinnen und Politiker abwählen könne oder dem Bundesrat die Schuld in die Schuhe schieben darf, ohne befürchten zu müssen, dass morgens um drei die Polizei vor der Tür steht.

Dabei zitierte er den deutschen Theologen Dietrich Bonhoeffer mit den Worten: „Im normalen Leben wird einem oft gar nicht bewusst, dass der Mensch überhaupt unendlich viel mehr empfängt, als er gibt.“ Zugleich rief Pfister dazu auf, den Begriff der Busse nicht mit Strafe oder Selbstgeisselung zu verwechseln, sondern sich selbstkritisch zu fragen, wo man gefehlt, es besser hätte machen können, Zwischettöne überhört und stattdessen die Konfrontation gesucht habe. In Zeiten, in denen politischer Erfolg wieder vermehrt darin gesucht werde, religiöse, gesellschaftliche und ideologische Bruchlinien zu vertiefen statt zu überbrücken, betonte er, dass die Fähigkeit zum sachlichen Diskurs, zum politischen Konsens und zum Kompromiss eine der grossen Stärken der Schweiz ist und den Konsens zu suchen keine Schwäche sei.”
Der Bettag im modernen Staat
Der Bettag findet fast in der ganzen Schweiz jedes Jahr am dritten Sonntag im September statt. Anders als Weihnachten oder Ostern ist der Bettag kein klassischer christlicher Feiertag, sondern staatlich angeordnet und überkonfessionell, dessen Geschichte eng mit der politischen und religiösen Entwicklung der Schweiz verbunden ist.

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