Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Schweizer Fussball-Nationalmannschaftskapitän Granit Xhaka und eine Ärztin wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung. Im Zentrum der Untersuchungen steht die Frage, ob sich der 33-jährige Mittelfeldspieler im Jahr 2021 ein gefälschtes Covid-Impfzertifikat beschafft hat, während die Betroffenen die Vorwürfe zurückweisen.
Schwere Turbulenzen erschüttern das Schweizer Fussball-Nationalteam kurz vor dem anstehenden Zusammenzug für die Nations-League-Partien. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern führt ein Strafverfahren gegen den langjährigen Captain Granit Xhaka und eine behandelnde Ärztin. Nach Angaben von Behördensprechern geht es in dem Verfahren um den Verdacht auf mögliche Erschleichung einer falschen Beurkundung sowie Urkundenfälschung.
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Durchsuchung der Praxis
Die juristischen Schritte gegen den prominenten Fussballer sind das Resultat länger zurückliegender Ermittlungen. Bereits im Jahr 2023 durchsuchte die Luzerner Polizei die Praxis einer Ärztin in der Region und stellte dabei umfangreiches Beweismaterial sicher. Die Medizinerin soll während der Corona-Pandemie Impfbestätigungen ausgestellt haben, obwohl die entsprechenden Schutzimpfungen bei bestimmten Patienten möglicherweise nie stattgefunden hatten.
Im Fokus der Ermittler steht nun auch der 33-jährige Sportler. Laut den Behörden soll geklärt werden, ob in seinem Fall ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt. Für Xhaka sowie für die Ärztin gilt in dem laufenden Verfahren die Unschuldsvermutung.
Reaktion der Verteidigung und anstehende Befragung in Luzern
Die Vorwürfe werden vonseiten der Beschuldigten entschieden bestritten. Der Sprecher des Spielers, Andreas Bantel, erklärte gegenüber Medien, dass Xhaka vollumfänglich mit den Behörden kooperieren wolle. Januar 2022 sowie am 11. Auch die Ärztin weist die Anschuldigungen zurück und beteuert, sie habe den Patienten tatsächlich immunisiert.

Oktober. Der Zeitpunkt erweist sich als organisatorisch heikel, da am selben Abend in der Luzerner Thermoplan-Arena das Nations-League-Spiel der Schweiz gegen Slowenien stattfindet.
Der zeitliche Kontext des Jahres 2021 und frühere Sportlerskandale
Die Anschuldigungen werfen Fragen zum Verlauf des Jahres 2021 auf. Damals war Xhaka Anfang September positiv auf das Coronavirus getestet worden und fiel in der Folge für Länderspiele aus. Zuvor hatte der Spieler als weder geimpft noch genesen gegolten, gab nach der überstandenen Infektion jedoch an, geimpft zu sein.

Der Fall reiht sich in eine Serie von Vorfällen im Schweizer und internationalen Sport ein, bei denen Unstimmigkeiten um Corona-Ausweise für Schlagzeilen sorgten. Den prominentesten Schweizer Fall bildete zuvor der Eishockey-Trainer Patrick Fischer, der sich 2022 ein gefälschtes Zertifikat für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking beschafft hatte, infolgedessen verurteilt, als Nationaltrainer entlassen und vom internationalen Verband gesperrt wurde. Auch der Schweizer Nati-Stürmer Breel Embolo sah sich im Mai 2024 mit Berichten über gefälschte Reisezertifikate konfrontiert, während gegen ihn selbst kein formelles Verfahren eröffnet worden war.
Der Schweizerische Fussballverband hält sich aufgrund des hängigen Verfahrens einstweilen mit öffentlichen Kommentaren zurück. Die weiteren Entwicklungen hängen nun von den Ergebnissen der Staatsanwaltschaft nach der Befragung im Oktober ab.