Der Schweizer Nati-Captain Granit Xhaka hat sich nach einem Urteil des Kosovo-Sondertribunals in Den Haag gegen den verurteilten Ex-Präsidenten Hashim Thaçi auf Instagram solidarisiert. Die Beiträge sorgen in den Nachbarländern für scharfe Reaktionen, während Thaçi im Kosovo weiterhin als Symbol des Unabhängigkeitskampfes gilt.
Das Urteil des Kosovo-Sondertribunals in Den Haag gegen Hashim Thaçi
Das Kosovo-Sondertribunal in Den Haag verurteilte den früheren kosovarischen Präsidenten Hashim Thaçi zu einer Haftstrafe von 25 Jahren. Das Gericht sprach ihn unter anderem wegen Mordes, Folter, grausamer Behandlung sowie illegaler und willkürlicher Festnahme und Inhaftierung schuldig. Nach den gerichtlichen Feststellungen wurden mindestens 385 Menschen illegal festgenommen, 49 grausam behandelt, 303 gefoltert und 96 Menschen ermordet.
Gleichzeitig sprach das Tribunal Thaçi und seine drei Mitangeklagten von sechs Anklagepunkten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit frei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Thaçi selbst weist die Vorwürfe zurück. Er war während des Kosovo-Kriegs einer der führenden Köpfe der UÇK und leitete später als Ministerpräsident und zwischen 2016 und 2020 als Präsident die Geschicke des Landes. Die UÇK kämpfte Ende der 1990er-Jahre für die Unabhängigkeit des vorwiegend von Albanern bewohnten Kosovo von Serbien. Es gelang ihr, die Nato zum Eingreifen zu bewegen. In der Folge wurde Serbien im Rahmen der «Operation Allied Force» bombardiert. 2008 erklärte sich das Kosovo dann formal als unabhängig. Thaçi soll die Taten in seiner Funktion als oberster Befehlshaber der ethnisch-albanischen Befreiungsarmee des Kosovo begangen haben. Von 1994 bis 1998 erhielt der spätere Kosovo-Präsident politisches Asyl in der Schweiz und studierte an der Universität Zürich. Danach kehrte er in den Kosovo zurück.
Granit und Taulant Xhaka solidarisieren sich mit dem verurteilten Ex-Präsidenten
Kurz nach der Urteilsverkündung äusserten sich Schweizer Fussballer öffentlich zu dem Verfahren. Nati-Captain Granit Xhaka teilte in seiner Instagram-Story ein Bild von Thaçi und den drei weiteren verurteilten ehemaligen UÇK-Führern mit dem albanischen Slogan: «Sie kämpften auf ihrem eigenen Land für die Freiheit des Vaterlandes.» Auch sein älterer Bruder Taulant Xhaka veröffentlichte auf seinem Profil mehrere Beiträge zum Urteil. Er begleitete die Bilder mit den Worten «Unglaublich!» sowie «Vergesst die Geschichte nicht!» und versicherte den Verurteilten: «Wir sind immer mit euch.»

Die politische Nähe zur Demokratischen Partei des Kosovo, deren Vorsitzender Thaçi von 2000 bis 2016 war, hat auch familiäre Wurzeln. Ragip Xhaka, der Vater der Brüder, gehört derselben Partei an und kandidierte für diese im Februar 2025 für das kosovarische Parlament.
Scharfe Kritik in serbischen und kroatischen Medien
Die Solidaritätsbekundungen der Xhaka-Brüder blieben nicht ohne Folgen und zogen heftige Reaktionen nach sich. Kroatische und serbische Medien griffen die Posts umgehend auf. Das kroatische Portal «Sportske novosti» berichtete über zahlreiche negative Stimmen, in denen unter anderem der Ausschluss von Granit Xhaka aus der Schweizer Nationalmannschaft gefordert wurde. Andere Kommentatoren verwiesen dagegen auf das Recht zur Meinungsfreiheit des Spielers.

Medien in Serbien, darunter «Kurir», «Blic» und «Telegraf», bewerteten die Unterstützung noch schärfer und werteten die Beiträge teilweise als Verherrlichung von Kriegsverbrechern. Im Kosovo selbst stellt sich die Lage völlig anders dar: Nach der Urteilsverkündung verfolgten Tausende den Prozess auf Grossbildschirmen in der Hauptstadt Pristina, um ihre Unterstützung für die ehemaligen UÇK-Führer lautstark kundzutun. Auch in Den Haag versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude Unterstützer mit UÇK-Flaggen, und prominente Persönlichkeiten wie die Sängerin Dua Lipa solidarisierten sich mit Thaçi.