Die Zürcher Privatbank Vontobel gerät durch Berichte aus Deutschland ins Visier von Steuerermittlungen. Gleichzeitig sorgt der geplante Umzug des Hauptsitzes in den Kanton Zug für Diskussionen über langjährige Optimierungsmodelle, während in Deutschland Razzien und Selbstanzeigen im Rahmen einer massiven Steueraffäre voranschreiten.
Die Zürcher Finanzwelt blickt auf die Entwicklungen rund um die Traditionsbank Vontobel, deren angekündigter Wegzug aus Zürich in den steuergünstigen Kanton Zug für heftige Reaktionen sorgt. Die Verantwortlichen tätigten ihren historischen Schritt aus anderen Motiven und wollen sparen bei den Steuern, wobei diese nach ihrer Darstellung nur ein Faktor von früheren Überlegungen gewesen wären. Die rotgrün dominierte Limmatstadt fällt bei IP-Lesern ausser Mode, und ihr früheres Gebaren deutet auf andere Schwerpunkte hin. Schon 2021 stand hier, dass Vontobel ein Steuer-Optimierungs-Modell der Sonderklasse betreiben würde.
Ermittlungen und Dementis im Fürstentum Liechtenstein
Nach Berichten der deutschen Tageszeitung Süddeutsche Zeitung stand die liechtensteinische Tochtergesellschaft der Zürcher Bank im Visier des deutschen Fiskus, wie rts.ch berichtete. Die zweite Bank im Liechtenstein dementierte jedoch, dass sie visiert werde. Das Finanzministerium hatte an dem besagten Wochenende bestätigt, dass eine zweite liechtensteinische Bank neben der LGT in den Verdacht der Steuerhinterziehung in Deutschland geraten war, ohne dabei einen Namen zu nennen.
„Aucun document sur nos clients n’a été dérobé ou employé de façon abusive
Vontobel
Die Bank Vontobel reagierte sofort mit dieser Aussage, und ein Sprecher fügte hinzu, dass die Bank „keinen Kontakt“ zu den Behörden pflege. Die Zürcher Bank hielt zudem fest, dass sich die Untersuchungen der deutschen Behörden stets auf „die bekannten Dokumente remontant jusqu’en 2002, die von einem Finanzinstitut im Liechtenstein entwendet wurdenkonzentrieren.
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Razzien und Selbstanzeigen in Deutschland
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum, die den Fall leitet, führten dazu, dass in der vergangenen Woche Durchsuchungen an den Wohnsitzen und in den Büros von 160 Personen durchgeführt wurden, die der Steuerhinterziehung verdächtigt werden, wie der Staatsanwalt an einem Dienstag mitteilte. Das Ausmass der Affäre zeigt sich an den Reaktionen der Betroffenen: 91 Personen haben die Taten gestanden und (in Teilen) Vorauszahlungen in Höhe von rund 27,8 Millionen Euro auf die geforderten Steuernachzahlungen geleistet, wie der Staatsanwalt von Bochum mitteilte.
Der Staatsanwalt von Bochum fügte hinzu, dass die Summe täglich wachse und weitere freiwillige Zahlungen in einer ähnlichen Größenordnung bereits gemeldet worden seien.
Insgesamt 72 Personen zeigten sich selbst an, in der Hoffnung, strafrechtlichen Verfolgungen zu entgehen. Die Gruppe der LGT Group im Fürstentum Liechtenstein gab am Montag zu, dass nicht nur im Jahr 2002 von einem Mitarbeiter entwendete Daten in die Hände der deutschen Behörden gelangt waren, sondern dass „anscheinend das gestohlene Material ungesetzlich an andere Behörden weitergegeben worden war“. Berlin hatte kürzlich eingeräumt, dass die deutschen Geheimdienste mit Billigung der Regierung zwischen 4 und 5 Millionen Euro an einen Informanten gezahlt hatten, der mittlerweile identifiziert wurde, um Bankdaten aus Liechtenstein zu erwerben. Diese Informationen ermöglichten es der deutschen Justiz, eine umfangreiche Untersuchung gegen Steuersünder einzuleiten, unter denen sich auch bekannte Persönlichkeiten befinden. Die Angelegenheit war Mitte Februar nach Razzien im Haus und im Büro des Chefs der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, der seither zurückgetreten ist, öffentlich geworden.”
Das frühere Dubai-Modell und die Steuerquote
Kritische Stimmen in der Finanzberichterstattung beleuchten parallel die geschäftlichen Strukturen der Bank aus früheren Jahren. Mittels eines Dreiecks Frankfurt-Dubai-Zürich war Vontobel Europe in Frankfurt am Main im deutschen Bundesland Hessen domiziliert als entscheidende Tochter für das blühende Struki-Business in ganz Europa, während die Gewinne im Ableger in Dubai anfielen. Dort sassen nicht einmal zehn Mitarbeiter, womit es sich wohl um die pro Kopf gerechneten wertvollsten Banker auf dem ganzen Planeten handelte, gemessen an den Überweisungen an die Vontobel-Zentrale in Zürich. Von 2008 bis 2019 sendete Vontobel Dubai 450 Millionen Franken aus dem Struki-Business nach Zürich, womit die Bank ihre Eigentümer in Form von horrenden Dividenden beglückte. Besonders glücklich waren die vielen Familienaktionäre aus dem Stamme Vontobel, die ein Leben mit ständigem Cash-Fluss aus dem „BancomatenVontobel genossen.

Drei Jahre später erschien eine weitere Geschichte, die Raum für die Vermutung bot, dass die Zürcher und Frankfurter Steuerbehörden den Vontobel-„Genies“ auf die Schliche gekommen waren. Indiz dafür war die in die Höhe schnellende Steuerquote in der Aufwand- und Ertragsrechnung der Zürcher Privatbank, die von einem Jahr auf das andere durch die Decke schoss. Sicher war, dass die Vontobel-Chefs ihr Dreiecks-Modell mit den lukrativen Struki-Profiten eingestellt hatten und die Steuern fortan dort anfielen, wo die arbeitenden Leute sassen, vor allem also bei Vontobel Europe. Damit war es mit den zuvor jahrelang angewendeten „Verrechnungspreisen“ vorbei – so nannte die Vontobel den Aufwand, den Dubai den Frankfurter Kollegen in Rechnung stellte, dafür, dass die wenigen Mitarbeiter am Golf Jahr für Jahr Dividenden in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe nach Zürich weiterleiteten. Sollten die Zürcher Steuerbeamten der Vontobel-Schlaumeierei tatsächlich den Garaus gemacht haben, würde der Auszug aus Zürich Richtung Steuerparadies Zug in neuem Licht erscheinen: Einerseits als Retourkutsche nach dem Motto „Zürich, geschieht dir ganz recht“, und andererseits käme zum Vorschein, worauf die immer wieder erstaunlich hohen Gewinne der Vontobel nicht unwesentlich fussten, nämlich auf der „cleverenVermeidung von Steuern.
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