Der neue BMW-Chef Milan Nedeljković warnt vor einer Wettbewerbsverzerrung auf dem europäischen Automobilmarkt durch die Preisgestaltung chinesischer Hersteller. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte Nedeljković, dass einige chinesische Fahrzeuge zu Preisen angeboten würden, die betriebswirtschaftlich keinen Sinn ergeben
, wie Motor1 berichtet.
Plädoyer für freiwillige Vereinbarungen statt Zollkrieg
Trotz der Kritik an den Preisen fordert Nedeljković nicht ausdrücklich höhere Zölle. Er betont, dass BMW als global tätiges Unternehmen den freien Handel unterstützt und sich dem Wettbewerb stellt. Allerdings sieht er in nicht nachvollziehbaren Preisen eine Gefahr, die in Europa zu protektionistischen Tendenzen und dem Bestreben, heimische Märkte zu schützen, führe.
Anstelle von weiteren Importzöllen spricht sich der BMW-Chef für politische Gespräche zwischen Europa und China aus. Ziel sei es, durch freiwillige Vereinbarungen auf Basis fairer Rahmenbedingungen marktwirtschaftlich begründete Preise zu erreichen. Nedeljković bezeichnet zusätzliche Zölle als einen noch stärkeren Eingriff und plädiert für Verhandlungen auf politischer Ebene. Eine Eskalation wolle niemand, da China als Gegenmaßnahme die Lieferung von Batteriezellen einschränken könnte, von denen Europa abhängig ist.
Marktdruck und globale Verflechtungen
Die Notwendigkeit solider Marktbedingungen begründet Nedeljković mit der Sicherung von Arbeitsplätzen und der Fähigkeit, Investitionen anzuziehen. Der Wettbewerbsdruck ist in den Zahlen sichtbar: Laut dem Geschäftsbericht 2025 der BMW Group sanken die Verkäufe (inklusive Mini) von einem Rekordwert von 847.900 Fahrzeugen im Jahr 2021 auf 626.000 Einheiten im vergangenen Jahr.
Gleichzeitig ist BMW selbst eng mit dem chinesischen Markt verknüpft. Das Unternehmen betreibt ein globales Produktionsnetz und fertigt bestimmte Modelle in China für den Export nach Europa, darunter das Crossover-Modell Aceman sowie den elektrischen Mini Cooper. Währenddessen bauen chinesische Marken wie Geely, SAIC und BYD ihre Präsenz in Europa aus, indem sie etablierte Wettbewerber preislich unterbieten und technisch anspruchsvollere Fahrzeuge anbieten.
Europäische Gegenmaßnahmen und lokale Produktion
Die Europäische Union hat bereits reagiert und nach einer Anti-Subventionsuntersuchung zusätzliche Abgaben auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China eingeführt, die je nach Hersteller zwischen 17 und 35,3 Prozent liegen. Parallel dazu forcieren chinesische Marken die lokale Produktion in Europa, um Importzölle zu umgehen. Im laufenden Jahr werden etwa 90.000 Fahrzeuge chinesischer Marken in Europa produziert, wobei Spanien zu einem Zentrum dieser Entwicklung geworden ist.

Die lokale Produktionsstrategie umfasst verschiedene Hersteller und Standorte:
- BYD: Startet die Produktion in Ungarn und plant ein weiteres Werk in Spanien.
- Leapmotor: Beginnt mit der Fertigung von Elektroautos am Stellantis-Standort in Zaragoza.
- Geely: Produziert Fahrzeuge in Valencia durch eine Partnerschaft mit Ford.
- Jaecoo und Omoda: Fertigen bereits Fahrzeuge in Spanien.
Um zu verhindern, dass in der EU lediglich Montagehallen für chinesische Komponenten entstehen, setzen europäische Gesetzgeber auf den Industrial Accelerator Act (IAA). Dieser soll die heimische Industrie stärken und voraussichtlich Quoten für den Einsatz europäischer Teile vorschreiben. Laut Prognosen von Global Mobility könnte die jährliche Produktion chinesischer Marken in Europa bis 2030 auf 1 Million Einheiten und bis 2035 auf 1,5 Millionen Fahrzeuge ansteigen.