Rohöl-Futures gaben am Freitag, den 18. September 2026, den dritten Tag in Folge nach, da Erwartungen an eine baldige Wiederinbetriebnahme der beschädigten saudi-arabischen Ost-West-Pipeline die Sorgen über globale Angebotsausfälle dämpften. Brent-Rohöl für die Lieferung im November fiel um 0,9 Prozent auf 103,87 US-Dollar je Barrel, während WTI-Rohöl für Oktober um 1,6 Prozent auf 100,30 US-Dollar sank. Auf Wochensicht verzeichnete Brent ein Minus von 0,7 Prozent, während WTI leicht um 0,2 Prozent zulegte.
Die Ölmärkte reagieren weiterhin nervös auf die geopolitische Lage im Nahen Osten, während die Notierungen für Brent und WTI am Freitag eine dreitägige Talfahrt verzeichneten. Trotz der jüngsten Kursrückgänge bleibt die Anspannung spürbar, da Saudi-Arabien zum ersten Mal seit der Ölkrise von 1973 in seiner Exportfähigkeit massiv eingeschränkt ist. Andrejka Bernatova, Chief Executive des auf Energie spezialisierten Special Purpose Acquisition Company Dynamix Corporation III, sagte, es sei das erste Mal seit 1973, dass man erkenne, dass Saudi-Arabien tatsächlich offline sein könne, und fügte hinzu, sie halte dies für den neuen Risikofaktor, den man bei den Ölpreisen sehe, da man ohne deren Öl nicht auskomme. Marktbeobachter sehen darin einen strukturellen Risikofaktor für die weltweite Energieversorgung.
Beschädigte Ost-West-Pipeline und saudi-arabische Exportwege
Saudi-Arabien hat bisher keinen genauen Zeitplan für die Wiedereröffnung der beschädigten Ost-West-Pipeline genannt. Die Leitung transportiert Rohöl von den östlichen Ölfeldern des Landes zum Rotmeer-Hafen Yanbu und dient als wichtiger Bypass, wenn die Transportwege durch die Straße von Hormus blockiert sind. Nach Angaben des saudi-arabischen Energieministeriums prüfen technische Teams derzeit die Integrität der Anlage, und etwaige neue Entwicklungen würden zu gegebener Zeit bekannt gegeben.
Saudi-Arabien versucht zwar, den Teilbetrieb der Pipeline innerhalb weniger Tage wieder aufzunehmen, jedoch könnte die Reparatur beschädigter Pumpstationen und die vollständige Wiederherstellung der Kapazität dem Wall Street Journal zufolge sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen, wie unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet wurde. Als alternative Option für den Rohöl-Transport zu Käufern dient zudem ein Schiff-zu-Schiff-Shuttledienst durch die Straße von Hormus. Die in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Adnoc nutzte hierfür eigene und angemietete Schiffe, um Rohöl in Konvois unter dem Schutz des US-Militärs durch die Straße zu befördern und das Öl anschließend auf andere Tanker im Golf von Oman umzuladen, wie das Journal berichtete.
Huthi-Kräfte im Jemen und Pavel Molchanov
Dennoch bleibt die Sicherheitslage rund um Saudi-Arabien und die wichtigsten Ölschifffahrtsrouten der Region volatil. Vom Iran unterstützte Huthi-Kräfte im Jemen haben in den letzten Wochen Gebiet erobert, darunter eine Insel in der Straße von Bab al-Mandeb, wodurch ihre Fähigkeit zur Einwirkung auf saudi-arabische Rotmeer-Öllieferungen gestärkt wurde. Pavel Molchanov, Investment-Strategie-Analyst bei Raymond James, erklärte, der undurchsichtige Status der beschädigten Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens lasse bezüglich der Ölexporte aus dem Nahen Osten noch mehr Fragen offen.
US-Autofahrer und durchschnittliche Benzinpreise
Für US-Autofahrer gibt es hingegen positive Signale. Molchanov ergänzte, da die sommerliche Reisezeit nun hinter uns liege, dürften sich die Benzinpreise allmählich moderieren, selbst wenn die Ölpreise auf oder nahe dem aktuellen Niveau verbleiben sollten. Die durchschnittlichen US-Einzelhandelspreise für Normalbenzin stiegen laut AAA-Bericht am Freitag auf 4,47 US-Dollar pro Gallone nach rund 4,30 US-Dollar vor einer Woche, während die durchschnittlichen Dieselpreise mit 6,45 US-Dollar pro Gallone ein neues Allzeithoch erreichten.
Toril Bosoni und die Internationale Energieagentur
Toril Bosoni, Leiterin der Abteilung für Ölindustrie und Märkte der Internationalen Energieagentur (IEA), erklärte am Freitag, dass alternative Exportwege, eine höhere Produktion außerhalb der Golfregion sowie eine schwächere Nachfrage dazu beigetragen hätten, die Unterbrechung abzufedern. Die Durchflüsse durch die Straße von Hormus beliefen sich im August im Durchschnitt auf 7,6 Millionen Barrel pro Tag und lagen damit 13,1 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau. Gleichzeitig glichen die Umleitungsrouten von Saudi-Arabien und den VAE seit Beginn des Konflikts im Schnitt ausgefallene Hormuz-Ströme in Höhe von 2,8 Millionen Barrel pro Tag aus.

Unterdessen beobachten die Märkte Entwicklungen im US-iranischen Konflikt. Laut Angaben von MUFG blicken Investoren auf die nächste Phase der Diplomatie, wobei US-Präsident Trump voraussichtlich in der kommenden Woche um die Generalversammlung der Vereinten Nationen herum mit Führern der Golfstaaten zusammentreffen wird. Die umfangreiche inländische Lieferkette von Saudi Aramco könnte zudem dazu beitragen, Reparaturen an beschädigter Infrastruktur zu beschleunigen. Rund 70 Prozent der operativen Inputs des Unternehmens – darunter Rohre, Chemikalien und Bohrlochköpfe – werden lokal beschafft, wie Rebecca Schulz, leitende Ölanalystin bei der Internationalen Energieagentur, anmerkte.
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