Snapchat-Chef Evan Spiegel hat sich in einem Interview offen für tägliche Zeitlimits für Jugendliche gezeigt. Der Vorstoß folgt auf eine massive juristische Einigung von Meta mit US-Bundesstaaten, die strikte Obergrenzen und eine weitreichende Branchenregulierung vorsieht, um den Druck auf soziale Netzwerke zu erhöhen.
Evan Spiegel signalisiert Gesprächsbereitschaft bei Bildschirmlimits
Snapchat könnte künftig feste Obergrenzen für die tägliche Nutzungsdauer von Minderjährigen einführen. Der Chef des Unternehmens, Evan Spiegel erklärte in einem Interview in der kalifornischen Zentrale der Nachrichtenorganisation BBC, dass er eine solche Maßnahme als einen wichtigen Fortschritt für die gesamte Branche ansehe.
Zwar nannte Spiegel noch keinen konkreten Zeitplan für eine Umsetzung und betonte, dass interne Gespräche dazu laufen, doch die grundsätzliche Haltung unterscheidet sich deutlich von früheren Reaktionen der Tech-Branche. Ich denke, das ist ein wirklich gutes Beispiel für etwas, das wir umzusetzen bereit wären, sagte Spiegel zu der Idee einer standardmäßigen zeitlichen Begrenzung. Bereits jetzt bietet die Anwendung über die sogenannte Family Center-Funktion Werkzeuge an, mit denen Eltern die Nutzung ihrer Teenager kontrollieren können.
Metas Milliarden-Vergleich mit den US-Bundesstaaten
Der Sinneswandel bei den Plattform-Betreibern geschieht vor dem Hintergrund einer historischen juristischen Auseinandersetzung. Generalstaatsanwälte aus der Mehrheit der US-Bundesstaaten hatten Meta beschuldigt, Facebook und Instagram gezielt so konstruiert zu haben, dass sie bei jüngeren Nutzern süchtig machend wirken (WFMZ berichtete, dass Meta sich bereiterklärt hat, bis zu 16,68 Milliarden US-Dollar zu zahlen, während die New York Post den Gesamtwert des von Meta-Chef Mark Zuckerberg geschlossenen Vergleichs auf mehr als 17 Milliarden beziehungsweise 18 Milliarden US-Dollar beziffert). Um den Vorwürfen zu begegnen, schloss der Konzern einen milliardenschweren Vergleich, der strenge Vorgaben für den Jugendschutz etabliert (wobei WFMZ und die New York Post übereinstimmend betonen, dass der Vergleich noch die Genehmigung durch einen Bundesrichter erfordert bzw. Meta jegliches Fehlverhalten bestreitet).
Die Vereinbarung sieht vor, dass Jugendkonten künftig auf eine tägliche Gesamtnutzungszeit von zwei Stunden beschränkt werden. Zudem greift eine automatische Nachttuchsperre zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens, während der Benachrichtigungen während der Schulzeiten stummgeschaltet bleiben. Der Mutterkonzern Meta bestreitet im Rahmen des auf zehn Jahre angelegten Vergleichs zwar jegliches Fehlverhalten, verpflichtet sich jedoch zu massiven Umstellungen an der Benutzeroberfläche.
Konkrete Einschränkungen für Jugendkonten auf Meta-Plattformen
Die geplanten Eingriffe in das Nutzererlebnis von Minderjährigen gehören zu den strengsten, die jemals von einem großen Social-Media-Konzern verhandelt wurden. Neben der zeitlichen Begrenzung greifen zahlreiche automatische Schutzmechanismen, die nicht erst von Eltern in den Einstellungen aktiviert werden müssen, wie Berichte über die Details des Entwurfs zeigen.

- Zeitlimit: Maximal zwei Stunden tägliche Nutzung kombiniert für Facebook und Instagram, danach ist eine elterliche Freigabe erforderlich (laut New York Post könnte dieses Limit bei Zustimmung von TikTok und YouTube sogar auf eine Stunde sinken).
- Nachtruhe: Standardmäßige Sperre der Konten zwischen 00:00 und 06:00 Uhr (die New York Post nennt dies eine sechsstündige „Night mode“-Standardeinstellung).
- Interaktionen: Likes und andere Reaktionen auf Beiträge von Jugendlichen werden standardmäßig ausgeblendet.
- Filter: Bestimmte Schönheitsfilter und Filter für extreme kosmetische Eingriffe (New York Post nennt ausdrücklich „cosmetic surgery and extreme makeup filters“) werden blockiert.
- Altersprüfung: Der Einsatz von Erkennungstechnologien (WFMZ verweist auf sogenannte „age assurance“-Technologie) soll verhindern, dass Minderjährige unbemerkt mehrere Konten führen, deren Nutzungszeiten zusammengerechnet werden.
Marktdruck auf TikTok und YouTube
Meta versucht aktiv, die Konkurrenz in die Pflicht zu nehmen, um Wettbewerbsnachteile zu verhindern, und hat laut der New York Post einen offenen Brief an Snap, TikTok und YouTube veröffentlicht. Sollten Plattformen wie TikTok und YouTube die gleichen Standards übernehmen, könnte Meta die Zeitlimits sogar auf eine Stunde senken und zusätzliche Zahlungen leisten (wobei laut New York Post Meta 70% der 18 Milliarden US-Dollar fest zahlt, die restlichen Anteile aber nur fällig werden, wenn Rivals 5,3 Milliarden US-Dollar beisteuern). Während Snap laut Branchenkreisen offen für eine Beteiligung erscheint, blieben Reaktionen von anderen Tech-Riesen bislang verhalten oder offen.

Meta erklärte in einem offenen Brief an Branchenkollegen via New York Post, dass das Unternehmen sicherstellen wolle, dass Jugendliche von diesem neuen Branchenstandard profitieren, dies jedoch nicht alleine schaffe. Diese Schutzmaßnahmen würden nur dann wirklich effektiv sein, wenn man mit anderen Akteuren wie TikTok und YouTube zusammenarbeite, um die gleichen Maßnahmen einzuführen.
Ob die Wettbewerber dem Druck nachgeben und ob ein Bundesrichter den Vergleich final absegnet, bleibt die entscheidende Frage für die kommenden Monate. Der Ausgang wird bestimmen, ob aus den freiwilligen Signalen einzelner Manager eine verbindliche branchenweite Norm für den Jugendschutz im Netz wird.
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