Tanken wird für Autofahrer in Deutschland deutlich teurer, da steigende Rohölpreise durch Konflikte im Nahen Osten die Kosten für Benzin und Diesel massiv antreiben. Experten halten im Extremfall Preise von bis zu 3 Euro für Diesel und 2,50 Euro für Benzin für möglich.
Die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen steigen rasant an und belasten Autofahrer und Transportunternehmen zunehmend. Noch zu Beginn des Monats August kosteten 50 Liter Diesel rund 108 Euro, während Beträge von bis zu 120 Euro an Wochenenden fällig wurden nach Angaben des Berichts. Auslöser für diese Entwicklung ist die angespannte Lage im Nahen Osten, wo neue Angriffe wichtige Routen für saudisches Öl treffen. Da weniger Rohöl sicher transportiert werden kann, steigen die Notierungen an den Märkten direkt. Am Montagmorgen deutscher Zeit kostete die für Europa wichtige Nordsee-Ölsorte Brent bereits mehr als 108 Dollar je Barrel, nachdem sie am Freitag bei rund 105 Dollar geschlossen hatte.
Preisschub an den Zapfsäulen und drohende Rekordmarken bis zu 3 Euro
Angesichts der weltweiten Marktlage wachsen die Sorgen vor historischen Höchstständen an den Tankstellen. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, schließt einen Anstieg auf bis zu 3 Euro je Liter Diesel nicht mehr aus. Sollte der Ölpreis längere Zeit über 110 Dollar je Barrel verbleiben, rücke diese Marke gefährlich nahe wie die Auswertung zeigt. Bei Benzin würde der Preis demnach bei etwa 2,50 Euro je Liter liegen. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern wären das rund 125 Euro für Super und 150 Euro für Diesel. Zum Vergleich lag der bisherige bundesweite Diesel-Tagesrekord im April bei 2,45 Euro je Liter.
Besonders der Dieselmarkt steht unter enormem Druck. Deutschland ist auf Importe angewiesen, und fertiger Diesel ist auf dem Weltmarkt knapp. Am Sonntagmittag kostete Diesel an vielen Tankstellen bereits bis zu 2,60 Euro je Liter, während Benzin E10 bis zu 2,45 Euro je Liter kostete laut aktuellen Berichten vom Markt. Im bundesweiten Tagesmittel lag der Dieselpreis am Samstag bei 2,38 Euro je Liter und damit 18 Cent höher als noch Ende August.
Globale Transportwege und aufgebrauchte Puffer am Ölmarkt
Die Krise an den Zapfsäulen ist eng mit logistischen Problemen und geopolitischen Spannungen verknüpft. Richard Bronze von Energy Aspects erklärte gegenüber der BBC, dass Umleitungen saudischen Öls durch den Suezkanal ins Mittelmeer sowie Routen um Afrika herum die Transportzeiten bereits vor der jüngsten Eskalation um 30 Tage verlängert und die Kosten in die Höhe getrieben hatten wie die Marktanalyse darlegt. Die 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline ermöglicht es Saudi-Arabien zwar, die Straße von Hormus zu umgehen, doch neue Angriffe belasten die Region zusätzlich.
Die Puffer, die dem Ölmarkt bislang geholfen haben, die Krise zu bewältigen, sind weitgehend aufgebraucht. Experten weisen darauf hin, dass die Rohölpreise wieder das Spitzen-Niveau von 120 Dollar pro Barrel erreichen könnten, sofern die Krisen anhalten berichtete Energy Aspects. Dies treibt nicht nur die Tankkosten für Autofahrer und Unternehmen nach oben, sondern verstärkt auch die generellen Inflationssorgen und die Kreditkosten der Regierungen.
Politische Reaktionen, Steuern und Sparmöglichkeiten für Autofahrer
Die massiven Preissteigerungen rufen auch die Politik auf den Plan. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke fordert einen Spritpreisdeckel, bei dem der Staat einen Höchstpreis für Tankstellen festlegen soll berichten Landesmedien. Demgegenüber lehnte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche einen solchen Schritt ab. Ökonomen wie Carsten Brzeski verweisen stattdessen auf Steuersenkungen als staatlichen Hebel, um den Preisanstieg zu dämpfen und gleichzeitig die Preisunterschiede zu Nachbarländern wie Polen zu verringern.
Für Verbraucher im Alltag gelten unterdessen veränderte Marktregeln. Da Tankstellen in Deutschland ihre Preise seit einer gesetzlichen Neuregelung nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen dürfen, ist das Tanken inzwischen nicht mehr am frühen Abend am günstigsten, sondern kurz vor dem Mittag laut Angaben des Handels. Der ADAC weist zudem auf das sogenannte Rakete-Feder-Prinzip hin: Steigt der Ölpreis, klettern die Spritpreise schnell wie eine Rakete nach oben, während sie bei sinkenden Rohölnotierungen nur langsam wie eine Feder nachgeben.
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