Oscar-prämiierter Regisseur Alex Gibney hat auf dem Filmfestival von Venedig seine fast vierstündige Dokumentation über Elon Musk vorgestellt. Das Werk zeigt den Tech-Milliardär als mächtige, unkontrollierte Figur zwischen Raumfahrt, Regulierungsabbruch und politischem Einfluss – und sorgt für heftige Reaktionen.
Die fast vierstündige Dokumentation »Musk« feiert Premiere
Mit einer Laufzeit von rund 225 Minuten nimmt die neue Dokumentation des Regisseurs Alex Gibney den Aufstieg und den enormen Einfluss des Tesla- und SpaceX-Chefs ins Visier. Das Werk feierte seine Premiere beim Filmfestival von Venedig und wird im Herbst im Kino gezeigt, bevor eine Veröffentlichung bei HBO Max ansteht, wie aus Berichten der Branche hervorgeht. Ursprünglich war die Produktion deutlich kürzer angelegt, wurde jedoch massiv ausgedehnt, nachdem Musk die Unterstützung für den früheren US-Präsidenten Donald Trump erklärt hatte und zu dessen engem Vertrauten aufgestiegen war.
Gibney, der in der Vergangenheit bereits über den Zusammenbruch des Energiekonzerns Enron und über Scientology gearbeitet hat, beleuchtet in dem Film Musks Werdegang von der Dotcom-Ära über den Kauf eines teuren McLaren für eine Million US-Dollar bis hin zur Übernahme von Tesla, SpaceX und dem Kurznachrichtendienst X, durch die er zum reichsten Menschen der Welt aufstieg. Dabei setzt der Regisseur nicht nur auf klassisches Archivmaterial und Interviews – unter anderem mit Musks Vater Errol Musk, dem ehemaligen Tesla-Chef Martin Eberhard sowie Ashley St. Clair, einer früheren Partnerin –, sondern greift auch zu unkonventionellen Mitteln.
Kritiker und ein digitaler Avatar im Zentrum des Films
Da Elon Musk eine direkte Interviewanfrage des Regisseurs ablehnte, enthält die Dokumentation einen simulierten Avatar des Milliardärs. Dieser virtuelle Charakter sitzt im Lederjacke und mit slicked-back Haar in einem futuristischen Raum mit roter und blauer Beleuchtung; sein Skript basiert vollständig auf einer Datenbank öffentlicher Äußerungen und Aussagen Musks. In einigen Sequenzen geht die Simulation in ein Ego-Shooter-Videospiel über, in dem der virtuelle Musk durch Twitter-Büros läuft und Entlassungen vornimmt, während im Hintergrund auch staatliche Sparmaßnahmen im Zuge der von der Trump-Administration bekannten Behördenkürzungen thematisiert werden.


Die internationalen Kritiken zu dem Mammutwerk fallen äußerst drastisch aus. Während Publikationen wie The Wrap den Film als Material für Albträume beschreiben, nennt Deadline den reichsten Mann der Welt im Kontext der Darstellung als narzisstisch und von seinen Mitmenschen entfremdet, während er gleichzeitig den Mars kolonisieren wolle. Auch ein im Vorfeld veröffentlichter Teaser-Trailer verdeutlicht die extreme Bandbreite der Stimmen in der Dokumentation: Darin reichen die Beschreibungen von möglicherweise der größte lebende Erfinder und Real-Life-Iron-Man
bis hin zu Charakterisierungen als faschistisch, kapriziös und einem Atombomben-gleichen Störfaktor.
Reaktionen des Milliardärs und die Sorge um demokratische Kontrolle
Elon Musk hat auf die Veröffentlichung und die Kritik reagiert, indem er den Film auf seiner Plattform X als fehlerhaft bezeichnet und rechtliche Schritte angedroht hat. Gibney erklärte dazu, dass das Produktionsteam die Inhalte streng faktisch überprüft und einem rigiden juristischen Review unterzogen habe. SpaceX reagierte auf Anfragen für Stellungnahmen zunächst nicht.
Ich hoffe, dass dies der Beginn einer Diskussion für uns alle ist, nicht nur für die Bürger der Vereinigten Staaten, sondern für die Bürger der Welt, um sich die Macht von diesen Tech-Oligarchen zurückzuholen, die die Welt anscheinend für sich selbst steuern wollen. Alex Gibney, Regisseur
Gibney warnt in Interviews davor, dass Führungskräfte großer Technologiekonzerne im Rahmen einer ultimativen käuflichen Politik jegliche Bundesregulierungen umgehen und damit die demokratische Kontrolle massiv schwächen. Die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Films sei es gewesen, die enorme und unkontrollierte Reichweite dieser Macht im Regierungsapparat sichtbar zu machen. Ein deutscher Starttermin für die knapp vierstündige Dokumentation steht bislang noch nicht fest, allerdings wird eine Veröffentlichung im Zuge des Streaming-Angebots von HBO Max erwartet.