Die Frachtraten für die weltgrößten Öltanker haben nach einer massiven Angriffswelle im Nahen Osten historische Rekordwerte erreicht. Betreiber von Very Large Crude Carriers verzeichnen auf Routen wie dem Middle East Gulf nach China astronomische Tageserlöse von mehr als einer Million US-Dollar, wie aktuelle Börsendaten zeigen.
Historische Sprünge bei Very Large Crude Carriers
Die Spotraten für Very Large Crude Carriers (VLCC) befanden sich bereits zu Beginn der jüngsten Entwicklung auf extrem hohen Niveaus, doch die Obergrenze des Marktes hat sich in den vergangenen Tagen völlig neu definiert. Laut Daten der Baltic Exchange lag der TD3C-Index für die Strecke vom Middle East Gulf nach China bei 982,072 US-Dollar pro Tag, was einer Verdoppelung gegenüber dem Vormonat entspricht. Noch weiter nach oben schraubte Clarksons Securities die Zahl auf knapp über eine Million US-Dollar täglich.
Clarksons erklärte in einer Kundennotiz vom Freitag, dass bei diesem Satz allein 130 Ertragstage dem Wert eines durchschnittlichen zehn Jahre alten VLCC entsprechen würden.
Erik Broekhuizen, Manager für Schifffahrtsforschung und -beratung bei Poten & Partners, kommentierte in einem Bericht, dass selbst erfahrene Veteranen die aktuellen Marktentwicklungen betrachten und sich ratlos am Kopf kratzen, und fügte hinzu, dass das Geschehen wahrlich beispiellos sei. Charterer stehen vor enormen Schwierigkeiten, in den verbleibenden Zeitfenstern noch Schiffe zu binden, während Reeder bei zukünftigen Terminen extrem zögerlich agieren.
Eskalation am Golf von Hormus und Regionale Auswirkungen
Die extremen Frachtkosten sind direkt mit der militärischen Eskalation verknüpft. Nach Angaben von Reuters folgten die Preissprünge auf die schwerste Welle von Angriffen auf die Schifffahrt seit Beginn des Krieges zwischen den USA und Iran im späten Februar. Iran meldete Angriffe auf zehn Schiffe in der Nähe der Straße von Hormus, nachdem zuvor fünf iranische Öltanker von der US-Marine versenkt worden waren.
Ioannis Papadimitriou, Analyst bei Vortexa, erklärte, dass erneute Angriffe zwischen der U.S. Navy und Iran die Frachtraten rund um den Golf weiterhin auf neue Höchststände treiben.
Die Risiken im Nahen Osten verknappen die verfügbare Tonnage massiv. Transits durch die Straße von Hormus gelten laut George Sakellariou, Frachtanalyst bei Signal Ocean, als so gefährlich wie noch nie seit Kriegsbeginn. Mit Ausnahme von Sinokor und einigen kleineren Anbietern wagen kaum noch Reeder die Durchfahrt, was den Tankermarkt im gesamten Nahen Osten aus dem Gleichgewicht bringt.
Globale Routen und astronomische Einnahmen außerhalb des Golfs
Die Rekordjagd beschränkt sich längst nicht mehr nur auf den Persischen Golf. Auch auf anderen wichtigen Exportrouten explodieren die Frachtkosten. Die Baltic Exchange verzeichnete für den Transport von Rohöl vom Golf von Oman nach China Raten, die rund 450 Punkten auf Worldscale-Basis entsprachen – umgerechnet etwa 11.50 US-Dollar per Barrel.

| Route / Region | Index-Wert / Tagesrate | Veränderung |
|---|---|---|
| MEG bis China (Baltic Exchange) | $982,072 pro Tag | Verdoppelung zum Vormonat |
| Golf von Oman bis China (Index) | $571,387 pro Tag | +113% Woche/Woche |
| Westafrika bis China | $410,759 pro Tag | +88% Woche/Woche |
| US-Golf bis China | $269,680 pro Tag | +30% Woche/Woche |
Selbst Reeder, die den gefährlichen persischen Golf meiden, erzielen historische Gewinne. Maklerlisten weisen provisorische Fixtures vom Golf von Oman in den Fernen Osten bei rund 420,000 US-Dollar pro Tag aus. Brokerhäuser wie Braemar betonen, dass ein solcher Umlauf bei angenommenen Betriebskosten von 10,000 US-Dollar pro Tag mehr als 20 Millionen US-Dollar an Schiffs-EBITDA abwerfen kann – etwa 15 Prozent des Wertes eines zehn Jahre alten Schiffes in einer einzigen Fahrt.
Pipeline-Ausfälle und Effizienzverluste verschärfen die Krise
Zusätzliche Marktverwerfungen entstehen durch logistische Ineffizienzen. Die Nutzung von Shuttle-Tankern und Ship-to-Ship-Umladungen im Golf von Oman funktioniert unregelmäßig, da Erdölmengen unbeständig ankommen. Die Situation verschärfte sich weiter, nachdem das saudi-arabische Energieministerium die temporäre Schließung der Ost-West-Pipeline zum Roten Meer nach Angriffen bestätigte.

Im Atlantikbecken treiben unterdessen ähnliche Rekordsummen den Markt an. Für Oktober-Laycans von VLCC-Tankern aus dem US-Golf nach Osten wurden laut Marktdaten Raten von bis zu 34 Millionen US-Dollar gezahlt.
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