Die BRICS-Staaten haben auf ihrem Gipfeltreffen in New Delhi eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, die maximale Zurückhaltung in der Nahost-Eskalation fordert. Angesichts steigender Energiepreise und des anhaltenden Konflikts zwischen den USA und Iran demonstriert das erweiterte Bündnis mit seiner massiven Rohölförderung wirtschaftliche und geopolitische Handlungsfähigkeit gegenüber dem Westen.
Einigung auf dem BRICS-Gipfel in New Delhi
Am Samstag haben die BRICS-Staaten auf dem Jahrestagreffen ihrer Staats- und Regierungschefs eine gemeinsame Erklärung einstimmig angenommen. Die sogenannte New Delhi Erklärung drückt tiefe Besorgnis über die anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten aus. Nach einer kurzen Phase relativer Ruhe im August haben die USA und Iran ihre gegenseitigen Schläge wieder aufgenommen, was den Gipfel vor erhebliche diplomatische Herausforderungen stellte.
Zu den Teilnehmern des auf elf Mitglieder erweiterten Blocks gehören sowohl Iran als auch die Vereinigten Arabischen Emirate, die als enger Verbündeter der Vereinigten Staaten gelten. Trotz dieser potenziellen Spannungen im Bündnis einigten sich die Delegationen darauf, von jeglichen Schritten abzusehen, die die Lage weiter anheizen könnten.
Laut der New Delhi Erklärung, über die Reuters berichtete, bringen die Teilnehmer tiefe Besorgnis über die anhaltende Eskalation der Spannungen im Nahen Osten zum Ausdruck und fordern maximale Zurückhaltung sowie die Vermeidung von Handlungen, die die Situation weiter verschlimmern könnten.
Zudem bekräftigten die Mitgliedstaaten ihre Unterstützung für eine friedliche Beilegung internationaler Streitigkeiten durch Dialog, Konsultation und Diplomatie. Kritisch äußerten sich die Staatschefs auch über einseitige Handelsmaßnahmen und protektionistische Zölle, die das globale Wirtschaftssystem verzerren. Diese Passage richtet sich vor allem gegen die westlichen Sanktionsregime, wie sie von den USA gegen Teheran und im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt gegen Russland verhängt wurden.
Geopolitische Gewichtung und die Rolle Irans im Energiemarkt
Mit der jüngsten Erweiterung hat sich das wirtschaftliche und strategische Gewicht der Staatengruppe grundlegend gewandelt. Während der ursprüngliche BRIC-Verbund aus Brasilien, Russland, Indien und China vor allem als Investitionskonzept für Schwellenländer galt, verfügt das erweiterte Bündnis heute über eine dominierende Stellung im globalen Energiesektor. Zusammen mit den Golf-Monarchien Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten kontrolliert die Organisation zwischen 41 und 47 Prozent der weltweiten Rohölproduktion sowie mehr als 70 Prozent der nachgewiesenen weltweiten Erdölreserven.


Besonders die Einbindung Irans verleiht dem Block eine strategische Hebelwirkung gegenüber dem Westen. Ungeachtet jahrzehntelanger westlicher Sanktionen und des anhaltenden Drucks aus Washington verfügt Teheran über hochentwickelte Logistiknetzwerke, um Rohöl unter Umgehung der US-Finanzbehörden zu transportieren. Diese Strukturen, die sogenannte Schattenflotten und spezialisierte Finanzmechanismen umfassen, wurden in ähnlicher Form auch von Moskau nach den westlichen Sanktionen im Zuge des Ukraine-Krieges genutzt.
Zudem kontrolliert Iran mit der Straße von Hormus eine der wichtigsten maritimen Nadelöhre der Welt. Durch diese enge Wasserstraße werden täglich rund 20 Prozent der weltweiten Erdölprodukte transportiert. Angesichts der anhaltenden Konflikte im Nahen Osten und neuer Gefahren im Roten Meer sind die Transportkosten drastisch gestiegen, während der Preis für die Nordseesorte Brent die Marke von 100 Dollar je Barrel durchbrochen hat.
Wirtschaftliche Verflechtungen und interne Differenzen
Auf dem BRICS-Wirtschaftsforum in New Delhi betonte der iranische Präsident Masoud Pezeshkian die Kernausrichtung des Bündnisses. Er erklärte, dass die Staatengruppe ausdrücklich geschaffen worden sei, um dem Unilateralismus und wirtschaftlichen Druck westlicher Regierungen entgegenzuwirken.
Für rohstoffhungrige Industrienationen wie China und Indien bietet das Bündnis die Möglichkeit, Energielieferungen über direkte Handelsabkommen und in Landeswährungen abzuwickeln, was die Abhängigkeit vom US-Finanzsystem verringert. Dennoch bleiben die internen Interessen des erweiterten Blocks komplex. Während Staaten wie Iran eine offene Konfrontation mit westlichen Positionen suchen, agieren andere Mitglieder wie Saudi-Arabien spürbar zurückhaltender, was die Abstimmung innerhalb der Gruppe bisweilen erschwert.