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Welt

G7 gibt 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus Notreserven frei

Die G7-Staaten haben sich am Freitag, dem 2. Oktober 2026, darauf geeinigt, insgesamt 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus Notfallreserven freizugeben. Die unter der Koordination der Internationalen Energieagentur stehende Maßnahme soll vier Monate dauern und zielt darauf ab, die Rekordpreise für Treibstoff zu senken.

Die Entscheidung folgt auf einen harten politischen Druck der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Washington hatte zuvor mit einem strikten Exportverbot für US-Diesel gedroht, sollten die europäischen Verbündeten ihre strategischen Bestände nicht öffnen. Der Schritt soll den stark gestiegenen Kraftstoffpreisen entgegenwirken, die im Zuge des Iran-Krieges und der Beeinträchtigungen im Nahen Osten neue Höchststände erreicht hatten. Laut Angaben der Nachrichtenagentur Reuters einigten sich die Minister und Staatschefs in einer Videokonferenz auf den sofortigen Beginn der Freigabe.

Die Einigung der G7 und die Rolle der Internationalen Energieagentur

Das gemeinsame Abkommen der G7-Staaten sieht vor, dass die Notreserven über einen Zeitraum von vier Monaten auf den Markt gebracht werden. Ein zentraler Bestandteil des Kompromisses ist eine vorgezogene, erhebliche Freigabe von Diesel innerhalb der ersten 20 Tage, wie aus Erklärungen hervorgeht, die unter anderem vom Büro des französischen Präsidenten Emmanuel Macron veröffentlicht wurden. Die Internationale Energieagentur (IEA) übernimmt dabei die logistische und organisatorische Koordination.

G7 gibt 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus Notreserven frei
Foto: apnews.com

Bereits im vergangenen März hatten die IEA-Mitglieder im Zuge der durch den Iran-Krieg ausgelösten Verwerfungen eine historische Freigabe von 400 Millionen Barrel beschlossen. Laut Angaben von IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol waren davon etwa zwei Drittel tatsächlich an die Märkte geflossen, während ein nennenswerter Teil der damaligen Zusagen noch in den Reservoirs verblieben war. Ob die nun vereinbarten 100 Millionen Barrel vollständig aus diesen Restbeständen gespeist werden oder darüber hinausgehen, ließen die beteiligten Regierungen zunächst offen.

Die G7-Gruppe setzt sich aus den Ländern Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten sowie einer Vertretung der Europäischen Union zusammen. Unter dem Vorsitz von Frankreich, das derzeit die Präsidentschaft innehat, fanden die Beratungen per Videokonferenz statt.

G7 acts on fuel prices after Trump's diesel export threat | DW News

Das Ultimatum aus Washington und die Drohung mit dem Exportstopp

Die Verhandlungen waren von heftigen Spannungen im transatlantischen Verhältnis begleitet. US-Präsident Donald Trump hatte Deutschland und Frankreich öffentlich und intern unter Druck gesetzt, rasch eigene Bestände freizugeben. US-Finanzminister Scott Bessent betonte in sozialen Medien, dass amerikanische Landwirte, Transportunternehmen und Unternehmen nicht die Last einer globalen Dieselknappheit tragen dürften. In US-Medienkreisen wurden die harten Forderungen aus dem Weißen Haus von Diplomaten und Insidern privat als blackmail bezeichnet, wie das Portal Politico unter Berufung auf zehn beteiligte Branchenverantwortliche und Diplomaten berichtete.

Donald Trump erklärte laut Truth Social: „Europa hat gerade zugestimmt, eine massive Menge seines stark bevorrateten Dieselöls freizugeben. Der Prozess wird sofort beginnen.

G7 gibt 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus Notreserven frei
Foto: BBC

Die Sorge vor einem amerikanischen Exportstopp wog in Europa besonders schwer. Die Europäische Union ist beim Import fossiler Brennstoffe stark von den Vereinigten Staaten abhängig, nachdem die Lieferungen aus Russland nach dem Krieg in der Ukraine weggebrochen waren und der Konflikt im Nahen Osten die traditionellen Versorgungswege aus dieser Region beeinträchtigt hatte. Am Tag vor der Einigung hatten hochrangige US-Regierungsvertreter, darunter Energieminister Chris Wright, darauf verwiesen, dass der Ausfall von Exporten aus dem Nahen Osten und aus China erhebliche Engpassfaktoren darstellen.

Der Verzicht auf Ausfuhrbeschränkungen und die Lage an den Zapfsäulen

Als wesentliches Gegengewicht zu der nun beschlossenen Freigabe der Bestände enthält das G7-Abkommen eine verbindliche Zusage: Die Mitgliedstaaten verweigern auf jegliche Exportbeschränkungen für Energieprodukte untereinander. Damit ist die Drohung eines amerikanischen Diesel-Embargos vom Tisch. Präsident Trump erklärte nach den Gesprächen im Weißen Haus, ein Exportverbot sei never really on the table gewesen und lobte das Einlenken der Europäer mit den Worten: „Was Europa getan hat, war eine großartige Sache.“

G7 gibt 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus Notreserven frei
Foto: france24.com

Die innenpolitische Brisanz des Themas war für die US-Regierung vor allem durch den beginnenden Endspurt vor den Midterm-Wahlen am 3. November 2026 gegeben. Der nationale Durchschnittspreis für Diesel in den USA hatte in der Vorwoche einen Rekordwert von 6,53 Dollar pro Gallone erreicht, was den Druck auf die Verbraucher und insbesondere auf die im Herbst für die Ernte von Mais und Sojabohnen auf Dieselfahrzeuge angewiesenen Farmer massiv erhöhte. Auch in Kanada und Europa spürten Verbraucher die hohen Transport- und Treibstoffkosten deutlich, während die Ölpreise nach der offiziellen Bekanntgabe der G7-Maßnahmen im weltweiten Handel leicht nachgaben.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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