Die Huthi-Miliz hat nach Angaben aus jemenitischen Militärkreisen und Augenzeugenberichten die strategisch wichtige Hafenstadt Mokka an der Westküste des Landes eingenommen. Durch diesen Vormarsch rückt die vom Iran unterstützte Miliz noch näher an die Meerenge Bab al-Mandab heran, die zu den bedeutendsten Engpässen für den internationalen Schiffsverkehr zählt. Nach Einschätzung des Verteidigungsanalysten Wolfgang Pusztai kontrollieren die Huthi nun einen Großteil der jemenitischen Westküste.
Einnahme von Mokka: Huthi-Miliz rückt an strategische Meerenge vor
Im Jemen ist ein seit Jahren andauernder Konflikt erneut aufgeflammt, nachdem eine seit 2022 faktisch geltende Waffenruhe im Sommer zusammengebrochen war. Die aktuellen Auseinandersetzungen gelten als die schwersten Gefechte seit Jahren. Die Huthi kämpfen gegen die international anerkannte Regierung und deren Verbündete. Sie sind Teil der sogenannten iranischen „Achse des Widerstands, einem regionalen Netzwerk aus vom Iran unterstützten Milizen.
Bedrohung für den internationalen Schiffsverkehr und globale Handelswege
Die verstärkte Kontrolle des Zugangs zu Bab al-Mandab stellt einen erheblichen Rückschlag für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr dar. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und bildet die kürzeste Seeroute von Asien nach Europa. Etwa zwölf Prozent des weltweiten Seeverkehrs laufen nach Angaben von Euronews durch diese Passage.
Bereits im Zuge des Gaza-Kriegs hatten die Huthi aus Solidarität mit der Hamas wiederholt Schiffe im Roten Meer angegriffen und fast 200 Attacken verübt. Auf der wichtigen Route werden jährlich Waren im Wert von rund 1 Billion Dollar (866 Milliarden Euro) transportiert. Die Angriffe zwangen zahlreiche Reedereien zu einem weiten Umweg um die Südspitze Afrikas, wodurch Fahrten zwischen Asien und Europa meist um rund 14 Tage verlängert und die Kosten deutlich angetrieben wurden. Nach saudisch geführten Angriffen kündigten die Huthi im Juli zudem eine Blockade der Schifffahrt für Saudi-Arabien an.
Ausweitung des Konflikts im Zuge des Iran-Krieges
Der Konflikt im Jemen ist eng mit dem Iran-Krieg verknüpft. Jemen-Expertin Nadwa Dausari zufolge versucht der Iran, die verbündete Huthi-Miliz ähnlich wie die Hisbollah im Libanon als Verhandlungsmasse einzusetzen. Im Juni erklärten die jemenitischen Rebellen im Iran-Krieg einen Raketenangriff auf Israel und verhängten ein vollständiges Verbot für israelische Schiffe im Roten Meer.

In einer offiziellen Erklärung hieß es dazu von den Streitkräften der Huthis: Wir verhängen ein vollständiges und umfassendes Verbot für israelische Schifffahrt im Roten Meer.
Und weiter: Wir betrachten alle feindlichen Bewegungen vom Zeitpunkt dieser Erklärung an als legitime militärische Ziele für unsere Streitkräfte.
Die israelische Armee erklärte daraufhin auf Telegram, den Start einer Rakete aus dem Jemen in Richtung israelisches Staatsgebiet registriert zu haben; die Luftabwehr sei im Einsatz gewesen. Die neue Bedrohung trifft die internationale Schifffahrt zu einem Zeitpunkt, an dem die ebenfalls wichtige Straße von Hormus wegen des Iran-Krieges weiterhin von Teheran blockiert wird, womit zwei der wichtigsten maritimen Engpässe der Welt zugleich unter Druck stehen.
Reaktionen regionaler Mächte und internationaler Akteure
Die Entwicklungen und die Einnahme Mokkas stellen auch eine Herausforderung für andere Staaten in der Region dar. Pakistan hat den Iran nach Angaben aus Sicherheitskreisen mehrfach aufgefordert, die verbündeten Huthi zu zügeln. Armeechef Asim Munir soll Teheran bei einem Besuch gewarnt haben, dass Pakistan reagieren werde, sollten die Huthi die Schifffahrt im Roten Meer stören. Zudem haben Pakistan, die Türkei und Saudi-Arabien jüngst einen Verteidigungspakt geschlossen.

Auf internationaler Ebene versuchten die USA und die EU bereits mit Militäreinsätzen, Handelsschiffe besser vor den Angriffen der Miliz zu schützen. Nach Einschätzung des israelischen Militärexperten Danny Citrinowicz reicht allein die Bedrohung von Angriffen auf die Schifffahrt aus, um den internationalen Handel und die weltweite Energieversorgung unter Druck zu setzen. Ein schlagkräftiger Huthi-Akteur, der die Meerenge bedroht, Saudi-Arabien unter Druck setzt und US-Ressourcen bindet, werde vom Iran als Erfolg gewertet.
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