Nach einem einwöchigen, ergebnislosen Beratungsverfahren in Massachusetts hat die Vorsteherin einer Geschworennerhebung im Mordprozess gegen Lindsay Clancy offengelegt, dass der einzige abweichende Geschworene zugegeben habe, begründete Zweifel an der Schuld der Angeklagten zu haben, sich einer Entlastung jedoch weiterhin widersetzte.
Die Sackgasse im Gerichtssaal von Plymouth
Nach einer Hängepartie im Plymouth County Superior Court musste Richter William Sullivan im September 2026 die Aussetzung des Verfahrens anordnen. Elf der zwölf Geschworenen hatten sich im Fall der angeklagten Lindsay Clancy auf einen Freispruch wegen Schuldunfähigkeit verständigt. Doch ein einziger Schöffe blockierte die Entscheidung, wie die Geschworenenforeperson Ronni Carlson in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC10 ausführlich darlegte.
Der Fall schockierte die Öffentlichkeit bereits im Januar 2023, als die aus Wallingford stammende, damals 36-jährige ehemalige Entbindungs Pflegerin ihre drei Kinder Cora, Dawson und Callan in ihrem Haus in Massachusetts mit Übungsbändern strangulierte. Clancy unternahm im Anschluss einen Suizidversuch, bei dem sie aus einem Fenster im zweiten Stock sprang. Seit diesem Sturz ist sie von der Taille abwärts gelähmt und wird derzeit im staatlichen psychiatrischen Krankenhaus Tewksbury Hospital untergebracht.
Ein unerwartetes Geständnis im Beratungszimmer
Während der fast siebentägigen und mehr als 38 Stunden umfassenden Beratungen schien der Durchbruch zunächst greifbar. Die Geschworenen-Foreperson Roni Carlson berichtete gegenüber Medien, wie sie bereits begonnen hatte, die drei notwendigen Formulare für einen Freispruch auszufüllen. Carlson unterzeichnete jedes einzelne Dokument, als der hartnäckige Schöffe seine Haltung plötzlich im letzten Moment revidierte.

Obwohl er zuvor eingeräumt hatte, dass ein begründeter Zweifel an der Schuld vorliege, erklärte er laut Carlson: Aber ich werde trotzdem nicht sagen, dass sie wegen Unzurechnungsfähigkeit nicht schuldig ist.
Die Jurorin Paula Devlin kritisierte das Verhalten dieses Schöffen scharf. Devlin bezeichnete den abweichenden Juror als „arrogant“ und erklärte, er habe keinerlei Argumente der anderen Teilnehmer angenommen. Zudem habe er Informationen ignoriert, die medizinisch geschulte Pflegekräfte im Gremium zur Einordnung der Klinikberichte beigesteuert hatten. Wegen dieser hartnäckigen Blockade wandten sich die Schöffen insgesamt dreimal mit Notizen an den Richter.”
Verteidigung, Anklage und die psychische Belastung im Prozess
Im Zentrum des sechs Wochen dauernden Prozesses stand nicht die Tat an sich, die von der Verteidigung nie bestritten wurde. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, Clancy habe die Tötung der Kinder im Voraus geplant, indem sie ihren Ehemann Patrick weggeschickt hatte, um Medikamente und Essen zu holen. Die Anklageerhebung stützte sich dabei auf die Darstellung einer kontrollierenden und manipulativen Handlungsweise.

Die Verteidigung unter der Leitung von Rechtsanwalt Kevin Reddington hielt dagegen, dass Clancy zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss einer schweren, unbehandelten postpartalen Psychose stand. Vor Gericht wurde dargelegt, dass die Angeklagte eine befehlende männliche Stimme in ihrem Kopf hörte. Die Geschworenen selbst berichteten von emotionalen Momenten im Beratungsraum, darunter dem wiederholten Anhören des Notrufs, den Patrick Clancy in der Tattnacht abgesetzt hatte. Kellie Farina, eine im Gremium vertretene Küchenchefin eines Seniorenheims, beschrieb die Aufnahme als das Schrecklichste und betonte, dass die Verzweiflung in der Stimme absolut echt gewesen sei.
Alles bewies, dass sie ihre Kinder liebte – von ihren Tagebüchern bis zu ihrer Schwiegermutter –, also musste sie durchgedreht sein. Ronni Carlson, Foreperson, gegenüber NBC10 Boston
Reaktionen nach dem Fehlverfahren und der Blick nach vorn
Verteidiger Kevin Reddington äußerte sich in Medieninterviews offen für Gespräche über eine Einigung mit dem zuständigen Plymouth District Attorney Tim Cruz. Zudem brachte Reddington die Hoffnung zum Ausdruck, dass Donald Trump seinen politischen Einfluss geltend machen könnte, nachdem dieser den Vorfall als eine schreckliche Tragödie bezeichnet hatte, auch wenn ein offizielles präsidiales Begnadigungsrecht für bundesstaatliche Straftaten nicht greift.
Ob die Staatsanwaltschaft das Verfahren neu aufrollen und Clancy erneut vor Gericht stellen wird, bleibt derzeit noch unbestimmt. Die Behörden haben noch keine endgültige Entscheidung über die Wiederaufnahme der Anklage bekannt gegeben.