Nach viertägigen Beratungen ohne Einigung ist die Jury im Mordprozess gegen Lindsay Clancy im Plymouth Superior Court vorübergehend nach Hause geschickt worden. Die einstige Pflegekraft ist wegen Tötung ihrer drei Kinder angeklagt, während die Verteidigung auf schwere postpartale Psychose verweist.
Vier Tage ergebnislose Beratungen und das Warten auf ein Urteil
Die Geschworenen im hochkarätigen Mordprozess gegen Lindsay Clancy mussten am Dienstag nach insgesamt rund 23 Stunden ergebnisloser Beratungen vorerst den Gerichtssaal verlassen. Richter William Sullivan stimmte dem Wunsch des aus neun Frauen und drei Männern bestehenden Gremiums zu, sich für die Nacht zu entschuldigen. Zuvor hatten die Juroren in einer Mitteilung an das Gericht erklärt, dass sie nach Stunden intensiven Austauschs nach vielen Stunden der Beratung keine einstimmige Entscheidung treffen können.
Die damals 36-jährige ehemalige Pflegekraft hatte ihre drei kleinen Kinder Cora (5), Dawson (3) und den acht Monate alten Callan im gemeinsamen Haus in Duxbury getötet. Vor Gericht ist unumstritten, dass Clancy die Tat begangen hat. Der juristische und medizinische Streit dreht sich jedoch gänzlich darum, ob sie zum Zeitpunkt der Taten infolge einer psychischen Erkrankung die Kontrolle über ihr Handeln besessen hat.
Die Optionen der Jury und die Beweislast im Prozess
Der Fall steht und fällt für die Geschworenen mit der Frage nach der Schuldfähigkeit. Dem Gericht zufolge stehen den Juroren bei ihrer Urteilsfindung mehrere unterschiedliche Optionen zur Auswahl. Dazu gehören ein Freispruch, ein Freispruch wegen Schuldunfähigkeit aufgrund psychischer Krankheit, eine Verurteilung wegen Totschlags, wegen Mordes zweiten Grades oder wegen Mordes ersten Grades.

Während die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass Clancy die Taten methodisch geplant habe und genau wusste, was sie tat, stützt sich die Verteidigung auf das Vorliegen einer akuten postpartalen Psychose und mutmaßliche Übermedikation. Nach Angaben von Prozessbeobachtern spiegelt die lange Dauer der Beratungen und das Pattsituation-Signal an den Richter genau diesen tiefen inneren Zwiespalt der Geschworenen wider. Eine juristische Expertin erläuterte dazu, dass ein Teil der Geschworenen Gerechtigkeit für die getöteten Kinder fordert, während andere Juroren den mentalen Ausnahmezustand und die Aussagen der Verteidigungszeugen gewichten.
Rechtliche Hintergründe zur Sackgasse bei Gerichtsverfahren
Sollten die Geschworenen in den kommenden Beratungsstunden weiterhin zu keinem gemeinsamen Konsens gelangen, verfügt der Vorsitzende Richter über juristische Werkzeuge, um das Verfahren voranzubringen. So kann ein sogenannter Tuey-Rodriguez-Befehl als letzter Versuch ausgegeben werden, um die verhärteten Fronten in der Jury aufzubrechen. Jahrhundert bekannte Sonderanweisung drängt die Mitglieder dazu, die Argumente der jeweils anderen Seite noch einmal intensiv zu prüfen.

Dennoch gibt es für eine solche Anweisung keine feste zeitliche Vorschrift. Juristen betonen, dass Richter Sullivan nicht verpflichtet ist, diesen Schritt verfrüht zu gehen. Sollte sich die Sackgasse dennoch als absolut erweisen, bliebe dem Gericht letztlich nur die Erklärung eines fehlerhaften Verfahrens, was einen Neustart mit einer neuen Jury zur Folge hätte.
Emotionale Zeugenaussagen und familiäre Hintergründe
Vor dem Beginn der Beratungsphase hatte der Prozess intensive und emotionale Einblicke in das Familienleben vor der Tat geliefert. Unter anderem trat die Mutter der Angeklagten, Paula Musgrove, in den Zeugenstand und schilderte den dramatischen Wandel im Verhalten ihrer Tochter in den Monaten vor der Tragödie. Demnach habe Clancy kurz vor den Taten berichtet, dass sie unter massiven Schlafstörungen litt und Gedanken äußerte, den Kindern schaden zu wollen.
Paula Musgrove, Mutter von Lindsay Clancy, sagte, dass sie Gedanken hatte, den Kindern Schaden zuzufügen.
Die Verhandlungen und die nun anhalten Beratungen konzentrieren sich somit vollständig darauf, ob die medizinischen Berichte über eine schwere psychische Erkrankung im Wochenbett das Handeln der Mutter entschuldigen oder ob die Schwere der Vorwürfe zu einer Schuldbefundung führt.
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