Zum Inhalt springen
Welt

Deutsche Exporte stützen sich auf nordamerikanische Nachfrage

Deutsche Exporte sind im Juli 2026 überraschend um 0,8 Prozent auf 138,2 Milliarden Euro gesunken, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Während das Geschäft in China und der Europäischen Union schwächelte, legten die Ausfuhren in die USA kräftig zu.

Die Erfolgsserie der deutschen Exporteure hat im Juli einen Dämpfer erhalten. Nach fünf monatlichen Anstiegen in Folge gaben die Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat um 0,8 Prozent nach, wie das Statistische Bundesamt mitgeteilt hat. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten im Vorfeld mit einem leichten Wachstum gerechnet. Im Jahresvergleich steht jedoch ein deutliches Plus von 6,1 Prozent.

US-Nachfrage stützt den Handel trotz Einbußen im Chinageschäft

Die regionalen Entwicklungen im deutschen Außenhandel verliefen im Juli stark entgegengesetzt. Besonders das Chinageschäft geriet unter Druck: Die Ausfuhren in die Volksrepublik brachen um 9,5 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro ein. Auch in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union lief das Geschäft weniger rund. Dort sanken die Exporte um 1,6 Prozent auf 78 Milliarden Euro. Hinzu kamen rückläufige Ausfuhren nach Großbritannien.

Ganz anders stellt sich die Lage auf dem nordamerikanischen Markt dar. Die USA blieben mit großem Abstand das wichtigste einzelne Abnehmerland für deutsche Waren. Dorthin wurden im Juli Produkte im Wert von 14,4 Milliarden Euro geliefert, was einem Zuwachs von 19,1 Prozent zum Vormonat entspricht (wies das Statistische Bundesamt aus). Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies sogar einen Sprung um 28,3 Prozent.

Handelsbilanzüberschuss steigt auf 21,3 Milliarden Euro

Nicht nur die Exporte, auch die Einfuhren nach Deutschland schrumpften im Juli deutlich. Die Importe sanken im Vergleich zum Juni um 5,7 Prozent auf 116,9 Milliarden Euro. Durch den stärkeren Rückgang der Importe im Vergleich zu den Exporten kletterte der deutsche Handelsüberschuss – die Differenz aus Ausfuhren und Einfuhren – auf 21,3 Milliarden Euro. Dies ist der höchste Stand seit August 2024, wie Daten der Bundesbehörde zeigen.

Deutsche Exporte stützen sich auf nordamerikanische Nachfrage
Photo: moneycab.com

Parallel dazu beleuchteten vorläufige Daten der bundeseigenen Außenwirtschaftsagentur Germany Trade & Invest (GTAI) das längerfristige Handelsdefizit mit China. Demnach stieg das Defizit mit der Volksrepublik im ersten Halbjahr 2026 auf rund 55 Milliarden Euro an, verglichen mit etwa 40 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum (berichtete die Nachrichtenagentur Reuters). Deutsche Warenexporte nach China sanken in den ersten sechs Monaten um mehr als 12 Prozent auf knapp 37 Milliarden Euro, während die Importe aus China um 8,9 Prozent auf 91,8 Milliarden Euro kletterten.

Ifo-Institut meldet spürbaren Optimismus durch den KI-Boom

Trotz des unerwarteten Rückschlags im Juli blicken deutsche Unternehmen wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Das Barometer des Münchner Ifo-Instituts für die Exporterwartungen stieg im August deutlich auf plus 9,6 Punkte, nach minus 2,8 Zählern im Juli. Dies ist der höchste Wert seit Februar 2022, dem Monat des Beginns des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, und zugleich der stärkste Anstieg seit mehr als sechs Jahren.

Deutsche Exporte stützen sich auf nordamerikanische Nachfrage
Photo: handelsblatt.com

Verantwortlich für diesen Optimismus sind vor allem die Digitalisierung und der anhaltende KI-Boom. Für den Bau von Rechenzentren und die dazugehörige Infrastruktur ist heimische Technik international gefragt, was der deutschen Industrie neue Impulse verleiht.

China Still Germany’s Top Trade Partner — But German Exports Plunge
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.