Die Volkswagen AG hat am Donnerstag ihren bisher tiefgreifendsten Umbau beschlossen, der die Streichung von insgesamt 100.000 Arbeitsplätzen vorsieht. Der Aufsichtsrat billigte den Zukunftsplan 2030, was zu einem Kursanstieg der Aktie um rund 5,8 Prozent führte. Vorstandschef Oliver Blume begründete den Schritt mit harten US-Zöllen und massivem Konkurrenzdruck aus China.
Der Zukunftsplan 2030 und der Stellenabbau
Europas größter Automobilkonzern steht vor der tiefgreifenden Transformation seiner Unternehmensgeschichte. Das Paket umfasst zwölf wesentliche Initiativen. Kernstück des Programms ist die Streichung von rund 50.000 weiteren Stellen, wodurch sich der im Rahmen früherer Planungen bereits angekündigte Personalabbau auf insgesamt 100.000 Arbeitsplätze verdoppelt. Von dem Abbau sind auch Führungspositionen betroffen, während die Konzernstrukturen durch flachere Hierarchien gestrafft werden sollen.
Um die Komplexität im veränderten Marktumfeld zu bewältigen, plant das Management zudem eine drastische Ausrichtung des Modellangebots. Bis zum Jahr 2035 soll das Fahrzeugportfolio halbiert werden. Auch die Auslastung der heimischen Werke steht auf dem Prüfstand: Für vier deutsche Standorte, darunter Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm, ist die Produktion nach gegenwärtigem Stand ab dem kommenden Jahrzehnt zwischen 2031 und 2034 nicht gesichert. Das Unternehmen prüft hier alternative Nutzungen der Hallen, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet.
Wir nehmen die Verantwortung für unsere gesamte Belegschaft, für unsere Partner und für die Arbeitsplätze in der Industrie weltweit wahr. Über die kommenden Jahre werden wir eine Summe im dreistelligen Milliardenbereich investieren, um unsere ikonischen Marken noch attraktiver, stärker und wettbewerbsfähiger zu machen. Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, zitiert von CNBC
Marktdruck durch US-Zölle und chinesische Konkurrenz
Die radikalen Einschnitte erfolgen vor dem Hintergrund stark gesunkener Erträge und veränderter geopolitischer Bedingungen. Der Konzern meldete für das abgelaufene Jahr Zollbelastungen von 2,9 Milliarden Euro (3,4 Milliarden US-Dollar). Vorstandschef Oliver Blume wies darauf hin, dass die Zölle auf Fahrzeuge aus Europa von ehemals 2,5 Prozent auf inzwischen 15 Prozent gestiegen sind.
Zusätzlich gerät der Wolfsburger Autobauer im einst so lukrativen China-Geschäft stark unter Druck. Einheimische Anbieter wie BYD und Geely haben im Bereich der Elektrofahrzeuge massiv an Boden gewonnen und dem Konzern den Rang abgelaufen.
Kevin Thozet, Mitglied des Investitionskomitees bei Carmignac, betonte in Berichten, dass Europa nicht nur chinesische Fahrzeuge importiere, sondern faktisch auch die dortige Preis deflation übernehme. Da Europa zudem über eigene Überkapazitäten verfüge und einige deutsche Werke auf Elektro-Limodels der ersten Generation ausgerichtet seien, deren Nachfrage schwächelt, prallen nach Ansicht von Marktbeobachtern zwei Krisen aufeinander.
Finanzziele, Investitionen und Reaktion der Börse
Trotz der harten Einschnitte zeigt sich das Management entschlossen, die finanzielle Basis des Unternehmens neu auszurichten. Bis zum Jahr 2030 strebt Volkswagen eine operative Umsatzrendite von 9 Prozent an, was einem operativen Gewinn von etwa 31 Milliarden Euro entspricht. Für den Zeitraum von 2027 bis 2031 sind Investitionen in Höhe von 135 Milliarden Euro geplant, um die Wettbewerbsfähigkeit der Kernmarken zu sichern.

An den Kapitalmärkten wurde die Einigung überraschend positiv aufgenommen. Analysten der Deutschen Bank bezeichneten die einstimmige Annahme des Zukunftsplans als fundamentalen Durchbruch und als ein deutlich besseres Ergebnis, als viele Marktteilnehmer befürchtet hatten. Vor der Entscheidung hatten zahlreiche Investoren den Konzern in internen Gesprächen als schlicht unsanierbar eingestuft.
Die Aktien von Volkswagen reagierten an den Börsen mit deutlichen Aufschlägen. Kurz nach Handelsbeginn kletterte der Kurs um knapp 4 Prozent beziehungsweise legte im Verlauf des Vormittagshandels um rund 5,8 Prozent zu und erreichte damit den höchsten Stand seit fast drei Monaten. Dennoch bleibt die Aktie im Gesamtverlauf des Jahres weiter unter Druck. Vertreter von Anteilseignern wie Union Investment betonten, dass der Ball nun vollständig beim Vorstand liegt und die Umsetzung des Programms ohne weitere Verzögerungen erfolgen muss.
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