Der FC Basel hat im Super-League-Heimspiel gegen den FC Sion eine 1:0-Führung aus der Hand gegeben und mit 1:2 verloren. Verantwortlich für die Wende waren zwei Platzverweise und Zeitstrafen bei den Baslern sowie ein doppelter Treffer von Sions Winsley Boteli im Joggeli.
Etwas über drei Minuten lang erklärt Becir Omeragic seine Enttäuschung über die Basler Heimpleite gegen den FC Sion (1:2). Dann verschwindet der FCB-Verteidiger wieder in der Kabine. Interviews mit weiteren Spielern werde es keine geben, teilt die Medienstelle des Klubs kurz darauf mit. Zu gross sei die Enttäuschung nach der Partie im Joggeli.
Ein Spiel, das lange Zeit unter Kontrolle schien, entglitt dem FC Basel binnen weniger Minuten durch undisziplinierte Aktionen und personelle Rückschläge. Während die Hausherren in der ersten Halbzeit durch ein Tor von Zan Celar in der 40. Minute nach einem weiten Pass von Asane Sow mit einem herrlichen kleinen Lupfer das 1:0 erzielt hatten, sorgten nach dem Seitenwechsel taktische Undisziplinen und eine mangelhafte Wechsleregel-Umsetzung für den Bruch im Basler Spiel. Kurz darauf wurde dem Slowenen ein zweiter Treffer nach Freistoss des erstmals seit Anfang August von Beginn weg aufgestellten Xherdan Shaqiri wegen Offsides aberkannt. Der FC Sion nutzte diese Phase gnadenlos aus und wiederholte damit seinen Erfolg, nachdem die Walliser zuvor 37 Mal in der Super League erfolglos versucht hatten, beim FC Basel zu gewinnen.
Zwei Dummheiten als Wendepunkt gegen den FC Sion
FC Basel: Doppel-Dummheit sorgt für Basler Frust gegen Sion
Der spürbare Frust im Basler Lager entzündete sich an einer Aneinanderreihung vermeidbarer Fehler. Trainer Stephan Lichtsteiner erklärt dazu: «Wir reden viel über Details, die es braucht, um Spiele zu gewinnen. Da waren wir heute einfach nicht gut genug.» Den Anfang machte Kazeem Olaigbe, als er sich bei seiner Auswechslung zu viel Zeit liess. Die Konsequenz: Einwechselspieler Philip Otele musste 60 Sekunden warten, bevor er das Feld betreten durfte. Genau in dieser Zeit, in der die Basler auf der linken Seite in Unterzahl agieren mussten, kassierte Linksverteidiger Moussa Cissé für ein taktisches Foul seine erste Gelbe Karte.
Während man seine erste Verwarnung noch als unglücklich bezeichnen kann, ist die zweite Gelbe Karte nur 44 Sekunden später dann einfach nur dämlich. Der Franzose traf Gegenspieler Rrudhani mit voller Wucht oberhalb des Knöchels. Mit Gelb-Rot ist Cissé am Ende sogar noch gut bedient. Der Doppelschlag und die Unterzahl brachen den Gastgebern das Genick, wie Trainer Stephan Lichtsteiner nach Abpfiff bilanzierte.
«Sehr unnötig. Wir waren gut im Spiel und schlagen uns selber. Der Platzverweis hat uns das Genick gebrochen»
Stephan Lichtsteiner, Trainer FC Basel
Über die Entstehung der ersten Gelben Karte ärgert sich der FCB-Trainer aber deutlich mehr. Seit dieser Saison dürfen sich Spieler bei ihrer Auswechslung nicht länger als zehn Sekunden Zeit lassen. Ansonsten darf der neue Spieler erst nach einer Wartezeit mittun. Lichtsteiner führt dazu aus: «Das ist eine neue Regel. Kazeem war noch nicht da, als diese erklärt worden ist.» Ganz in Schutz nehmen will er den Flügelspieler aber nicht: «Das war sicher dumm, weil ich ihm noch gewinkt habe, dass er sich beeilt. Aber er hat das wahrscheinlich nicht wahrgenommen.»
Winsley Boteli schlägt im Alleingang zu
FC Basel gegen FC Sion live im Ticker
Die dezimierten Basler konnten dem anstürmenden Walliser Angriffsspiel in der Schlussphase nicht mehr standhalten. Der FC Sion gewinnt dank zweier Tore von Winsley Boteli mit 2:1. Der Sittener Shootingstar traf in der 76. Minute mit einem abgefälschten Schuss etwas glücklich zum 1:1 und doppelte drei Minuten später mittels Volley nach.
Botelis Torquote in dieser Saison ist überragend. Nach elf Spielen steht der Schweizer U21-Nationalspieler bei zwölf Toren. In der Super League hat er mit nunmehr fünf Treffern zu Samuel Essende, dem Leader der Torschützenliste, aufgeschlossen.
Stephan Lichtsteiner kündigt Konsequenzen und Lernprozesse an

Basels Trainer nahm seine Mannschaft nach der bitteren Heimpleite scharf in die Pflicht. Nachdem er sich nach dem 3:3 gegen YB noch demonstrativ hinter Cissé gestellt hatte, muss sich dieses Mal auch der Linksverteidiger Kritik von seinem Trainer gefallen lassen. «Das ist etwas, das er unbedingt lernen muss, auf diesem Level sowieso. So etwas darf uns nicht passieren», sagt Lichtsteiner. Das dürfte der FCB-Coach nach Abpfiff auch seinen Spielern gesagt haben, als er sie in der Kabine versammelte.
Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt den Bebbi indes nicht. Schon am Sonntag kommt der Leader aus Lugano ins Joggeli. Dann fehlen wird Moussa Cissé, der für ein Spiel gesperrt ist. Die Tessiner hatten zuvor ihr Spiel gegen Servette durch einen späten Treffer in der 94. Minute mit 1:0 gewonnen.